J.D. Vance: Vizepräsident gerät ins Straucheln - Trump-Bloßstellung um Haaresbreite verhindert

J.D. Vance wurde gefragt, was Sozialismus eigentlich bedeutet – mitten in der Antwort brach der Vizepräsident jedoch ab. Um ein Haar hätte Donald Trumps Stellvertreter seinen Boss und dessen Regierung bloßgestellt.

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Donald Trumps Vize J.D. Vance, der als intellektueller Kopf der MAGA-Bewegung gilt, geriet ins Straucheln, als er sich an einer Definition von Sozialismus versuchte. (Foto) Suche
Donald Trumps Vize J.D. Vance, der als intellektueller Kopf der MAGA-Bewegung gilt, geriet ins Straucheln, als er sich an einer Definition von Sozialismus versuchte. Bild: picture alliance/dpa/dpa Pool | Michael Kappeler
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  • Simple Frage überfordert J.D. Vance - beinahe haute er Trump in die Pfanne

Es war eine simple Frage bei einer Pressekonferenz: Was genau bedeutet eigentlich Sozialismus? US-Vizepräsident J.D. Vance, der als intellektueller Kopf der MAGA-Bewegung gilt, geriet ins Straucheln – und das aus gutem Grund.

J.D. Vance weiß nicht weiter: Definition von Sozialismus überfordert Trumps Vize

Denn während Republikaner und Elon Musk Hunderte Millionen US-Dollar investieren, um Demokraten als Sozialisten abzustempeln, hat die Trump-Regierung selbst Eigentumsanteile an mehr als 30 Privatunternehmen erworben. Intel, US Steel, Rüstungsgiganten wie Lockheed Martin und Boeing – die Liste liest sich wie ein Lehrbuchbeispiel für genau das, wovor die Republikaner so lautstark warnen. Vance erkannte offenbar mitten im Satz, dass eine ehrliche Definition von Sozialismus die eigene Regierungspolitik entlarven würde. Also wich er aus – auf Einwanderung und Transgender-Sport. Zwei Themen, die mit Sozialismus so viel zu tun haben wie ein Goldfisch mit Bergsteigen.

Trump-Regierung prangert Sozialismus an - und liefert selbst Paradebeispiel

Tech-Milliardär Elon Musk hat bislang mehr als 366 Millionen Dollar in die republikanischen Zwischenwahlen gepumpt. Musk, der selbst rund 38 Milliarden Dollar an staatlichen Steuervergünstigungen, Subventionen und Aufträgen einstreicht, kauft sich damit niedrige Unternehmenssteuern und regulierungsfreie Geschäfte. Ein Großteil dieses Geldes fließt in eine einzige Botschaft: Demokraten sind Sozialisten. Republikanische Super-PACs finanzierten sogar gezielt linke Kandidaten in demokratischen Vorwahlen, um die Gewinner anschließend als Sozialisten brandmarken zu können. House Speaker Mike Johnson warnt unterdessen gebetsmühlenartig vor einer "kommunistischen Utopie" – offenbar ohne zu wissen, dass Kommunismus und Sozialismus nicht einmal dasselbe sind.

Fox News tut sein Übriges: Der Sender unterhält ein eigenes Segment namens "Socialism Watch" und überschreibt praktisch jede progressive Position mit dem Etikett "sozialistisch" – ob Gesundheitsschutz, Umweltregulierung oder Vermögenssteuer.

J.D: Vance druckst herum: "Ich weiß nicht mehr, was der Begriff bedeutet"

Vances Antwort auf die Frage nach einer Definition war ein rhetorisches Desaster in drei Akten. Zunächst räumte er ein, Sozialismus sei "heutzutage ein schwer zu definierender Begriff". Dann setzte er klassisch an: Im traditionellen Sinne gehe es darum, "Arbeiter in den Vordergrund zu stellen". Doch genau an dieser Stelle stoppte er abrupt.

Statt den Gedanken zu Ende zu führen, wechselte Vance die Strategie und erklärte: "Ich weiß nicht mehr, was der Begriff bedeutet." Seine eigene Interpretation lieferte er trotzdem: Im amerikanischen Kontext bedeute Sozialismus, "dass man amerikanische Arbeiter durch ausländische ersetzen will und dass Jungen im Mädchensport spielen sollen."

Einwanderungspolitik und Transgender-Debatten haben mit der ökonomischen Theorie des Sozialismus allerdings nicht das Geringste zu tun – und entsprechen keiner realen politischen Plattform.

Trump-Regierung nennt Demokraten Sozialisten - doch der Sozialismus steckt im eigenen Haus

Vances abrupter Themenwechsel hatte einen handfesten Grund: Die Lehrbuchdefinition von Sozialismus – staatlicher Besitz oder Kontrolle über Produktionsmittel wie Fabriken, Rohstoffe und Maschinen – beschreibt exakt das, was die Trump-Regierung praktiziert. Wie "NPR" kürzlich berichtete, hat die Administration Eigentumsanteile an mehr als 30 Privatunternehmen gesichert. Die konkreten Beteiligungen: zehn Prozent am Halbleiterriesen Intel, 15 Prozent an MP Materials – dem einzigen aktiven US-Seltenerdbergwerk, womit Washington zum größten Anteilseigner aufstieg. Hinzu kommen jeweils zehn Prozent an Lithium Americas Corp., Trilogy Metals und USA Rare Earth über das Handelsministerium.

Bei US Steel sicherte sich die Regierung eine sogenannte "Golden Share", die Trump weitreichende Kontrolle über die Stahlproduktion einräumt. Darüber hinaus plant die Administration Beteiligungen an Rüstungsgrößen wie Lockheed Martin und Boeing.

Donald Trumps eigene Partei normalisiert den Sozialismus und zetert gegen Kontrahenten

Dass diese Entwicklung kein Zufall, sondern ein Muster ist, bestätigt auch Veronique de Rugy, Redakteurin beim libertären Magazin "Reason". Sie beobachtet: "Staatlicher Besitz an Privatunternehmen ist zur Routine geworden, und das geschieht auf der rechten Seite, während deren Vertreter eifrig mit dem Finger auf die Linke und deren Sozialismus zeigen." De Rugys Fazit fällt vernichtend aus: Es handele sich um "eine Regierung, die sich die Produktionsmittel eine Absichtserklärung nach der anderen aneignet, und eine Partei, die so tut, als sei Sozialismus etwas, das nur die andere Seite betreiben kann." Die Kritik kommt wohlgemerkt nicht von links – sondern aus dem libertären Lager, das traditionell zu den engsten ideologischen Verbündeten der Republikaner zählt.

Bei Donald Trump ist Projektion oberstes Regierungsprinzip

Donald Trump selbst hat kürzlich eingeräumt, dass seine MAGA-Anhänger "wie Robben klatschen", wenn er ihre Intelligenz vor ihren Augen beleidigt. Die milliardenschwere Anti-Sozialismus-Kampagne von Musk und den Republikanern setzt gezielt auf genau diese Unwissenheit. Die Ironie ist kaum zu überbieten: Während die Regierung mit Steuergeldern Werbespots gegen Sozialismus schalten ließ – bis ein Bundesrichter die rechtswidrige Verwendung von über 22 Millionen Dollar an öffentlichen Mitteln stoppte –, verstaatlicht sie parallel Teile der amerikanischen Privatwirtschaft.

Was bleibt, ist ein politisches Täuschungsmanöver historischen Ausmaßes: Eine Partei, die ihre eigenen Wähler vor einem Schreckgespenst warnt, das sie selbst verkörpert. Ob diese Erkenntnis vor den Zwischenwahlen genügend Aufmerksamkeit findet, wird sich zeigen.

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