Donald Trump auf Putin-Kuschelkurs: "The Don" schuld an "dunkelstem Moment" im Ukraine-Krieg

Um seine eigene Haut zu retten, macht Donald Trump Ukraine-Präsident Selenskyj zum Sündenbock und versetzt dem kriegsgebeutelten Land einen schweren Schlag. Geopolitik-Experte Klemens Fischer spricht vom "dunkelsten Moment" des Krieges und warnt: Schon wenige Wochen ohne US-Unterstützung könnten irreparable Schäden anrichten.

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Mit seinem Stopp des neuen US-Sanktionspakets gegen Russland hat Donald Trump für "den dunkelsten Moment für die Ukrainer in diesem Krieg bisher" gesorgt. (Foto) Suche
Mit seinem Stopp des neuen US-Sanktionspakets gegen Russland hat Donald Trump für "den dunkelsten Moment für die Ukrainer in diesem Krieg bisher" gesorgt. Bild: picture alliance/dpa/AP | Mark Schiefelbein

Seit mehr als viereinhalb Jahren wehrt sich die Ukraine mit westlicher Hilfe gegen den von Wladimir Putin im Februar 2022 vom Zaun gebrochenen russischen Angriffskrieg - nun hat sich die Situation für Russlands Nachbarland dramatisch verschärft. Schuld daran ist US-Präsident Donald Trump, der überraschend ein jüngst unterzeichnetes Sanktionspaket gegen Russland auf Eis legte. Für den Kölner Geopolitik-Experten Klemens Fischer ein alarmierender Schritt, der die Ukraine näher an den Abgrund treiben könnte.

Donald Trump verursacht "dunkelsten Moment" seit Kriegsbeginn für die Ukraine

"Das ist garantiert der dunkelste Moment für die Ukrainer in diesem Krieg bisher", erklärte der Professor für Internationale Beziehungen und Geopolitik an der Universität Köln gegenüber dem "Deutschlandfunk". Zwar habe Donald Trump die Ukraine von Beginn an nicht in dem Maße unterstützt, wie es sich die westlichen Verbündeten erhofft hätten. Doch nun habe sein Kurs eine neue, radikalere Qualität erreicht. Die Lage wirkt auswegloser denn je.

Donald Trump mach Wolodymyr Selenskyj vor den Zwischenwahlen zum Sündenbock

Hinter Donald Trumps Eskalation steckt laut Fischers Einschätzung ein innenpolitisches Kalkül. Mit Blick auf die Midterm-Wahlen am 3. November versuche der Präsident, die Stimmung im Land zu seinen Gunsten zu drehen. Angesichts explodierender Spritpreise an den amerikanischen Tankstellen – eine Folge von Trumps gemeinsam mit Israel begonnenen Iran-Krieg – brauche der US-Präsident dringend einen Schuldigen. "Jetzt hat er endlich den Feind ausgemacht, den er so zu verkaufen glaubt, und daher kippt das Ganze", so Fischer. Die Feindschaft zwischen Donald Trump und Wolodymyr Selenskyj reicht allerdings Jahre zurück. Bereits 2019 hatte Selenskyj sich geweigert, Trump belastendes Material über Hunter Bidens angeblich dubiose Geschäfte in der Ukraine zu beschaffen. Fischer bezeichnete diesen Vorfall als die "Urzelle für diese Antipathie".

Kriegswichtige Satelliten im Ukraine-Krieg gedrosselt - Trump lässt Selenskyjs Streitkräfte hängen

Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj hat die Aussetzung der neuen US-Sanktionen gegen Russland durch US-Präsident Donald Trump kritisiert. (Foto) Suche
Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj hat die Aussetzung der neuen US-Sanktionen gegen Russland durch US-Präsident Donald Trump kritisiert. Bild: Michael Kappeler/dpa/dpa

Besonders gravierend wirkt sich die unangekündigte Drosselung des militärischen Satellitendienstes Starshield aus. Nach ukrainischen Angaben verloren in der Nacht zum 14. Oktober Flugobjekte ab einer Geschwindigkeit von 160 Kilometern pro Stunde ihre Verbindung zum Netzwerk. Eigene Drohnenoperationen scheiterten, gleichzeitig konnten russische Drohnenangriffe nicht abgefangen werden. Die Abhängigkeit der Ukraine von amerikanischer Technologie ist dabei nahezu total. Bei der Flugabwehr sei die Ukraine zu fast hundert Prozent auf die USA angewiesen, betonte Fischer. "Auch im Angriffsbereich in der Tiefe des russischen Raums können sie ohne amerikanische Daten nicht leben", erklärte der Politikwissenschaftler. Ohne diese Infrastruktur fehlt der ukrainischen Armee sowohl die Verteidigungs- als auch die Offensivfähigkeit.

Ukraine droht wegen Donald Trump irreversibler Schaden in Wladimir Putins Angriffskrieg

Geopolitik-Experte Fischer warnte eindringlich davor, die Folgen eines auch nur kurzzeitigen US-Rückzugs zu unterschätzen. Sollte Trumps Administration Starshield in den kommenden zwei bis drei Wochen tatsächlich herunterfahren, drohe der ukrainischen Verteidigung ein Einbruch, der sich nicht mehr rückgängig machen lasse. Der Politikwissenschaftler zog einen Vergleich zur Medizin: "Wenn man sich wieder stabilisiert, dann auf niedrigem Niveau."

Selbst ein erneutes Einlenken Trumps nach den Zwischenwahlen könnte den entstandenen Schaden demnach nicht vollständig beheben. Die entscheidenden Wochen bis zum 3. November bergen das Risiko, dass die militärische Leistungsfähigkeit der Ukraine dauerhaft geschwächt wird – mit Konsequenzen, die weit über den Wahltermin hinausreichen.

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/news.de/dpa/stg

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