J.D. Vance: Donald-Trump-Vize giftet gegen Demokraten - und widerspricht sich selbst
Vor den Midterms wirft J.D. Vance demokratischen Kandidaten vor, mit Verbrechern zu sympathisieren - dabei scheint der Donald-Trump-Vize komplett vergessen zu haben, dass er wenige Monate zuvor noch ganz andere Töne anschlug.
Von news.de-Redakteurin Claudia Löwe - Uhr
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- Donald-Trump-Vize J.D. Vance ätzt gegen Demokraten Abdul El-Sayed
- US-Vizepräsident giftet bei Wahlkampfauftritt in Michigan gegen Senatskandidat
- J.D. Vance widerspricht sich selbst mit Sympathie-Vorwürfen für Gewalttäter
Je näher die US-Zwischenwahlen, auch Midterms genannt, am 3. November 2026 rücken, umso unappetitlicher werden die Gift-Attacken, mit denen sich Republikaner und Demokraten gegenseitig auszustechen versuchen. Einen neuen Tiefpunkt markierte diesbezüglich der Auftritt von Donald Trumps Stellvertreter J.D. Vance beim Senatswahlkampf in Michigan, bei dem sich Vance selbst widersprach, ohne es zu merken.
Donald-Trump-Vize giftet gegen Demokraten und zielt mit Beleidigungen unter die Gürtellinie
Bei seinem Auftritt in Monroe attackierte der US-Vizepräsident den demokratischen Kandidaten Abdul El-Sayed frontal und nannte ihn ein "kleines Wiesel, das seinen Mund halten und ein wenig Dankbarkeit gegenüber dem Land zeigen sollte, das ihm alles gegeben hat". Vance warf El-Sayed zudem vor, dessen Kritik an gesellschaftlichen Ungleichheiten komme einem Hass auf die USA gleich. "Erinnern wir das ganze Land daran, dass Michigan denen gehört, die die Vereinigten Staaten lieben, nicht denen, die sie hassen", rief er den Anwesenden zu.
J.D. Vance erhebt schwere Vorwürfe gegen Abdul El-Sayed
Zudem stellte J.D. Vance die Behauptung in den Raum, der demokratische Senatskandidat würde mit Verbrechen sympathisieren und die Opfer von Straftaten herabwürdigen: "In dem Augenblick, in dem er Führungsqualitäten zeigen sollte, hat er sich dazu entschieden, jene Menschen anzugreifen, die Opfer von Verbrechen wurden und Mitgefühl mit denen zu zeigen, die das Verbrechen begangen", ätzte Vance an El-Sayed gerichtet drauflos.
Vance claiming El-Sayed empathizes with criminals and attacks victims… And Vance attacking Renee Good and complaining about the lack of sympathy for January 6 defendants who were sentenced. https://t.co/qaqFvG7atQ
— Acyn (@Acyn) October 15, 2026
J.D. Vance heuchelt Mitgefühl für Opfer von Verbrechen - und widerspricht eigenen Aussagen
Eine bemerkenswerte Behauptung, die Zuhörende zu der Annahme verleiten könnte, J.D. Vance selbst habe Mitgefühl mit Leidtragenden von Kriminaldelikten - doch wer einige Monate in der Zeit zurückreist und sich Ausführungen des Vizepräsidenten vom Januar 2026 zu Gemüte führt, wird eines Besseren belehrt.
Am 8. Januar 2026, unmittelbar nach den tödlichen Zwischenfällen in Minneapolis, bei dem ICE-Agenten eine Frau namens Renee Good erschossen, suchte man in J.D. Vance' Worten nämlich noch vergeblich nach einem Anflug von aufrichtiger Empathie für die getötete 37-jährige Dreifach-Mutter. Wörtlich sagte Vance damals:
- "Greift nicht unsere Beamten an, sie machen nur den Job, den amerikanische Bürger von ihnen verlangen. Sie sind keine Schauspieler, sie setzen Gesetze in die Tat um, deshalb sollten sie mit einem Mindestmaß an Demut und Respekt behandelt werden. Und der Umstand, dass das nicht der Fall ist, ist der Grund dafür, warum Dinge [wie in Minnesota] passieren."
- "Was ich noch anfügen möchte: Ein Teil von mir hat Mitleid mit dieser Frau, nicht nur, weil sie ihr Leben verloren hat, sondern weil sie meines Erachtens ein Opfer der linken Ideologie wurde."
- "Welche junge Mutter käme auf den Gedanken, sich mit ihrem Auto ICE-Beamten in den Weg zu stellen, die gerade geltendes Recht durchsetzen? Dafür muss man eine Gehirnwäsche hinter sich haben, um so etwas zu tun, anstatt nur zu protestieren. Friedlicher Protest ist in Ordnung, doch um sein Fahrzeug gegen Bundesbeamte einzusetzen, setzt eine sehr, sehr traurige Radikalisierung voraus."
Donald Trumps Stellvertreter greift demokratische Kandidaten frontal an
Mit seinen Vorwürfen gegen Abdul El-Sayed zielte J.D. Vance inhaltlich auf mehrere Flanken. Er griff El-Sayeds Reaktion auf den Anschlag auf die Temple-Israel-Synagoge bei Detroit im Frühjahr auf. El-Sayed hatte den Angriff zwar verurteilt, aber in einer Videobotschaft hinzugefügt, dass "verletzte Menschen andere Menschen verletzen". Vance warf ihm vor, Empathie für die Täter statt für die Opfer gezeigt zu haben. El-Sayed entschuldigte sich später auf einem Parteitag der Demokraten für die Formulierung – es sei nicht der richtige Moment für Kontextualisierung gewesen.
Zudem attackierte Vance den Demokraten wegen früherer Unterstützung des Green New Deal und der "Defund the Police"-Bewegung. El-Sayed hatte 2020 mehrfach eine Umverteilung von Polizeigeldern hin zu sozialen Diensten befürwortet, bestritt aber später, jemals eine Kürzung der Polizeibudgets gefordert zu haben. Eine Analyse von "Bridge Michigan" fand allerdings entsprechende Belege, darunter ein Radiointerview und inzwischen gelöschte Tweets.
Nach der Polter-Tirade: Diese Themen verschwieg J.D. Vance gezielt
Bemerkenswert war allerdings, was in der halbstündigen Rede des Vizepräsidenten komplett fehlte: kein einziges Wort zu Wirtschaft, Verbraucherpreisen, Zöllen oder dem andauernden Krieg mit dem Iran. Es sind genau jene Themen, die den Republikanern derzeit die größten Schwierigkeiten bereiten – und die Demokraten zuversichtlich stimmen, den offenen Senatssitz in Michigan verteidigen und möglicherweise sogar die Kontrolle über die Kammer für die letzten zwei Jahre von Trumps Amtszeit übernehmen zu können. Stattdessen konzentrierte sich Vance auf kulturkämpferische Angriffe und forderte die Zuhörer auf, sich nicht für "Fabrikarbeiter, Freitagabend-Football und Feuerwerk am Unabhängigkeitstag" zu schämen. Auch Mackinac Island durfte nicht fehlen – eine Anspielung auf ein virales Video von 2018, in dem El-Sayed sagte, er "hasse Mackinac so sehr".
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loc/news.de/stg
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