Wadephul bei Maybrit Illner: "Wir sind im Fadenkreuz" - Putin-Bedrohung rückt näher
Außenminister Wadephul sieht Deutschland bereits unter russischem Beschuss – und eine BSW-Politikerin bringt die gesamte Runde gegen sich auf, als sie Zugeständnisse an den Kreml fordert. Bei "Maybrit Illner" eskaliert der Streit über Trumps Diesel-Deal mit Moskau, gedrosselte Starlink-Satelliten und die Frage, wie viel Zeit der Ukraine noch bleibt.
Erstellt von Ines Fedder - Uhr
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- Kampfansage an Moskau - Wadephul warnt vor russischen Angriffen
- Ärger über Trump - Außenminister kritisiert Diesel-Deal mit Wladimir Putin
- Heftiger Schlagabtausch bei "Maybrit Illner" – BSW-Politikerin fordert Putin-Zugeständnisse
- Sicherheitsexperte Neumann warnt vor wachsendem Druck auf die Ukraine
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat sich am Donnerstagabend bei "Maybrit Illner" kämpferisch gezeigt: Deutschland befinde sich zwar im Fadenkreuz Russlands, sei aber keineswegs wehrlos. In der ZDF-Talkshow unter dem Titel "Steigende Preise, wachsende Bedrohung – kommt der Krieg näher?" ging es um die militärische Lage in der Ukraine, Trumps umstrittenen Diesel-Deal mit Moskau und die Drosselung des Satellitensystems Starlink.
Während sich Wadephul, SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner, Sicherheitsexperte Peter Neumann und Journalistin Mareike Müller weitgehend einig waren, lieferte die zugeschaltete BSW-Politikerin Claudia Wittig den größten Aufreger des Abends. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Landtag von Sachsen-Anhalt forderte Zugeständnisse an Russland und einen Stopp der Waffenlieferungen – was ihr heftige Gegenattacken aus der Runde einbrachte.
Außenminister Wadephul: "Wir werden ja schon angegriffen"
Der Außenminister ließ keinen Zweifel daran, dass die russische Bedrohung längst keine theoretische mehr ist. "Wir werden ja schon angegriffen. Das sehen wir in Leipzig, das sehen wir im Cyberraum", stellte Wadephul klar. Gleichzeitig betonte er: "Aber wir sind dem nicht ausgeliefert. Wir können uns verteidigen."
Als beste Verteidigungsstrategie nannte der 63-Jährige die Präsenz möglichst weit östlich. Die Stationierung deutscher Soldaten im Baltikum sei dabei bemerkenswert: "Es ist ein Wunder, dass deutsche Soldaten dort, wo im Zweiten Weltkrieg viel Unrecht von deutschen Händen geschehen ist, jetzt höchst willkommen sind." Journalistin Mareike Müller bestätigte: Die deutsche Brigade in Litauen genieße enorme Beliebtheit.
Deutschland, das stärkste Land Europas?
Deutschland sei das stärkste Land Europas – militärisch wie diplomatisch, so Wadephul. Man müsse bei Bundeswehr-Ausstattung und Zivilschutz noch nachlegen, doch Grund zur Panik bestehe nicht.
Diesel-Deal und Starlink: "Druckerhöhung an falscher Stelle"
Kurz vor den US-Zwischenwahlen hatte Präsident Trump einen Deal über den Import mehrerer Millionen Tonnen russischen Diesels abgeschlossen. Wadephul ordnete das Geschäft als Wahlkampfmanöver ein und verwies auf die bevorstehenden Midterm-Wahlen. Deutschlands Außenminister selbst möchte ein deutliches Zeichen Richtung Moskau setzen. Stegner pflichtete bei: "Das wird ihm gar nichts nützen bei den Zwischenwahlen bei den Mengen, über die wir da reden."
Deutlich schärfer fiel Wadephuls Kritik an der offenbar gedrosselten Starlink-Versorgung der Ukraine aus. "Ein Teil der Starlink-Technik finanziert Deutschland. Und deswegen bestehen wir natürlich darauf, dass das auch funktioniert, wenn wir dafür bezahlen", formulierte der Außenminister seine unmissverständliche Ansage Richtung Washington. Das Vorgehen der US-Regierung bezeichnete er als "Druckerhöhung an falscher Stelle" – während der Diesel-Deal noch als überbewertbar durchgehen mochte, warf die Satelliten-Drosselung laut Wadephul ernsthafte "Fragen an die amerikanischen Verbündeten" auf.
Gemeinsam gegen Wladimir Putin: Europa muss am Verhandlungstisch sitzen
Wadephul grenzte die europäische Linie klar von der amerikanischen ab. "Europa handelt anders. Europa macht mehr Sanktionen Richtung Russland", betonte er. "Das ist unsere Politik und die ist erfolgversprechender." Bei künftigen Friedensverhandlungen und Sicherheitsgarantien sei eine starke europäische Beteiligung unverzichtbar: "Es wird keine Lösung ohne Europa geben. Ohne uns wird es nicht funktionieren."
Zugleich räumte der Außenminister ein, dass sich das transatlantische Verhältnis unter Trump verändert habe – von einer engen Partnerschaft hin zu einem "Zweckbündnis". Die USA blieben zwar das "Rückgrat der Verteidigung in Europa", doch die frühere Innigkeit sei derzeit nicht gegeben. Stegner unterstrich, wie entscheidend europäischer Zusammenhalt geworden sei. Sicherheitsexperte Neumann wiederum sah in Trumps Kurs den Wunsch nach einer strategischen Annäherung an Moskau – wobei ihm die Ukraine schlicht "im Wege" stehe.
40.000 Soldaten im Monat: Wadephuls Lagebericht von der Front
Der Außenminister stützte seine Zuversicht auf eigene Eindrücke aus dem Kriegsgebiet. Er sei kürzlich in Charkiw gewesen, nur 30 Kilometer von der Frontlinie entfernt, und habe ein Volk erlebt, das entschlossen sei, sich zu wehren. Russland hingegen stecke in massiven ökonomischen Problemen und verliere monatlich rund 40.000 Soldaten – durch Tod oder Kampfunfähigkeit. Diese erschreckende Zahl müsse erst recht dazu motivieren, den Krieg zu beenden.
Wadephuls Dreiklang für die deutsche Strategie: Kiew weiter unterstützen, Moskau unter Druck setzen und parallel Verhandlungen vorbereiten. Demonstrativ stellte er sich zudem hinter Präsident Selenskyj, nachdem Trump Neuwahlen in der Ukraine gefordert hatte. "Die Bundesregierung steht vollständig hinter dem Präsidenten", sagte Wadephul. Über Wahlen zu diskutieren, sei derzeit schlicht nicht der richtige Zeitpunkt.
BSW-Politikerin löst den Eklat des Abends aus
Den heftigsten Schlagabtausch der Sendung provozierte die aus Magdeburg zugeschaltete Claudia Wittig. Die stellvertretende BSW-Fraktionschefin in Sachsen-Anhalt bezeichnete Russland zwar formal als Aggressor, übernahm aber im Kern Kreml-Argumente: Deutschland werde als Kriegspartei wahrgenommen, Langstreckenraketen dürften nicht an Kiew geliefert werden, und Russlands Sicherheitsinteressen müssten berücksichtigt werden. Erst am Mittwoch hatten BSW und AfD im Magdeburger Landtag gemeinsam einen Stopp von Waffenlieferungen und Sanktionen durchgesetzt.
Stegner reagierte fassungslos: "Sie nehmen die Position von Putin ein und lassen die Ukraine hängen." Er warf Wittig vor, mit der AfD und damit "Leuten, die wegen Landesverrats angeklagt sind", gemeinsame Sache zu machen. Neumann konterte Wittigs Forderung nach einem eingefrorenen Konflikt mit einem simplen Faktencheck: Selenskyj sei seit März 2025 zu einem Waffenstillstand an der aktuellen Frontlinie bereit. "Nur Herr Putin geht darauf nicht ein."
Der härteste Winter seit 2022 – und die Zeit läuft davon
Sicherheitsexperte Neumann warnte eindringlich vor den kommenden Monaten: "Es wird der ernsteste Winter seit 2022." Für Putin laufe es derzeit gut – in mehreren europäischen Ländern gewännen russlandfreundliche Kräfte an Zuspruch, und im Weißen Haus sitze ein Präsident, der für einen Deal fast alles in Kauf nehme.
Wadephuls Durchhalteparolen trafen am Ende auf einen ernüchternden Einwand von Ukraine-Expertin Müller. Aus deutscher Perspektive rede man häufig so, als stehe unbegrenzt Zeit zur Verfügung. "Die Ukraine hat diese Zeit nicht", mahnte sie. Es mangele an Soldaten, die Bevölkerung sei erschöpft. Wenn Berlin dann sage, man brauche vielleicht noch etwas Geduld, sorge das in Kiew für erheblichen Unmut. Die Kluft zwischen diplomatischem Optimismus und frontnaher Realität – sie blieb an diesem Abend unaufgelöst.
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