Donald Trump: US-Präsident nötigt Weißes Haus mit kryptischem Post zu Stellungnahme

In einem rätselhaften Post feiert Donald Trump die Rückkehr der Ölflüsse auf Vorkriegsniveau – und nötigt das Weiße Haus damit zu einer Stellungnahme. Allerdings verschwieg der US-Präsident eine unaufhaltsame Kostenlawine, die kaum jemand auf dem Radar hat.

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Donald Trump sorgte mit seinen Öl-Behauptungen für einiges Stirnrunzeln. (Foto) Suche
Donald Trump sorgte mit seinen Öl-Behauptungen für einiges Stirnrunzeln. Bild: picture alliance/dpa/AP | Alex Brandon
  • Donald Trump stellt kühne Behauptung zu Öl-Versorgung auf
  • "Wieder auf Vorkriegs-Niveau": US-Präsident irritiert mit Social-Media-Post
  • Was will Donald Trump sagen? Weißes Haus zu Stellungnahme genötigt

Es ist eine Behauptung, die inmitten des seit sieben Monaten wütenden Iran-Krieges für Stirnrunzeln sorgte: Donald Trump verkündete in einem am 8. Oktober 2026 bei Truth Social veröffentlichten Beitrag, die Ölflüsse hätten wieder "Vorkriegsniveau" erreicht – illustriert mit einer Grafik, die weder eine klare Achsenbeschriftung noch eine Quellenangabe enthielt. Das Diagramm trug lediglich das "45/47"-Logo, das gelegentlich vom Weißen Haus und Trumps Wahlkampfteam verwendet wird.

Was will Donald Trump damit sagen? Behauptung zu Öl-Versorgung wirft Fragen auf

Was genau die Kurve darstellen sollte, blieb zunächst offen. Auf Nachfrage von "Newsweek" bestätigte ein Vertreter des Weißen Hauses jedoch, dass es sich um das Volumen des Öltransits durch die Straße von Hormus handelt.

"Präsident Trump hat recht – das Volumen des Öltransits durch die Meerenge hat sich dem Vorkriegsniveau angenähert", erklärte der Beamte. Die Blockade gegen Iran funktioniere, für alle anderen sei die Wasserstraße offen. Der Teufel steckt allerdings im Detail – denn die Grafik verschleiert wesentliche Realitäten der globalen Energieversorgung nach sieben Monaten Iran-Krieg.

Weißes Haus zu Stellungnahme genötigt - was sagen die offiziellen Zahlen?

Tatsächlich stützen aktuelle Erhebungen Trumps Kernaussage zumindest teilweise. Die auf maritime Handelsströme spezialisierte Analyseplattform Kpler ermittelte, dass im September 2026 mindestens 16,5 Millionen Barrel pro Tag den Persischen Golf verließen – ein Wert, der dem Vorkriegsdurchschnitt entspricht, wenn man den Iran herausrechnet.

Allerdings hat sich die Art des Transports grundlegend verändert. Vor dem Konflikt passierten rund 20 Millionen Barrel täglich die Straße von Hormus, die etwa ein Viertel der weltweiten Versorgung ausmachte. Nach Irans Drohungen gegen US-amerikanische, israelische und verbündete Schiffe kam der Verkehr dort zeitweise fast vollständig zum Erliegen.

Inzwischen umgehen 40 Prozent der Golfexporte die Meerenge komplett – vor dem Krieg waren es lediglich 17 Prozent. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate stellen dabei entscheidende alternative Landrouten bereit.

Öl-Beförderung laut Donald Trump wieder auf Vorkriegsniveau - doch an der Zapfsäule kommt die Erholung nicht an

Für US-Verbraucher bleibt die vermeintlich gute Nachricht aus dem Weißen Haus allerdings abstrakt. Laut dem Automobilclub AAA lag der landesweite Durchschnittspreis für Benzin am Donnerstag bei 4,36 Dollar pro Gallone – vor einem Jahr waren es noch 3,12 Dollar. Wer Diesel tankt, zahlt sogar noch deutlich mehr.

Der Dieselpreis ist zwar von seinem Rekordhoch bei 6,53 Dollar im September etwas zurückgekommen, liegt mit aktuell 6,28 Dollar pro Gallone aber immer noch rund 70 Prozent über dem Vorjahresniveau. Dass mittlerweile wieder annähernd so viel Rohöl den Persischen Golf verlässt wie vor dem Konflikt, hat an dieser Preisrealität bislang nichts geändert – die Gründe dafür liegen woanders.

Donald Trump verschweigt die unsichtbare Kostenlawine hinter jedem Barrel Öl

Warum die Erholung der Ölströme nicht bei den Autofahrern ankommt, erklärt Tom Kloza, Chefenergieberater bei Gulf Oil, mit einem Blick auf die Logistik. "Öl fließt zwar in einem vernünftigen Tempo aus dem Nahen Osten, aber die Kosten, es von Punkt A nach Punkt B zu bewegen, sind alles andere als vernünftig", sagte er gegenüber "Newsweek". Versicherungsprämien und reguläre Frachtkosten seien "parabolisch gestiegen".

Selbst wenn sich der Tankerverkehr durch die Meerenge dauerhaft stabilisiere, dürften diese Zusatzkosten die Kraftstoffpreise noch lange hochhalten. Das US-Militär hat nach eigenen Angaben bislang über 2.000 Handelsschiffe und eine Milliarde Barrel Öl durch die Straße von Hormus eskortiert – ein enormer Aufwand, der die Transportkalkulation grundlegend verändert hat.

US-Präsident Trump gibt Demokraten die Schuld – Harvard-Ökonom widerspricht

Statt auf die Kriegsfolgen verweist der Präsident inzwischen auf ein anderes Problem: fehlende Raffineriekapazitäten. Auf Truth Social machte er am Montag demokratisch regierte Bundesstaaten wie Kalifornien für Raffinerieschließungen verantwortlich und forderte die Ukraine auf, keine weiteren russischen Raffinerien anzugreifen. Beides zusammen sei mittlerweile der eigentliche Grund für die hohen Spritpreise.

Der Harvard-Ökonom Willy C. Shih sieht das anders. Zwar räumte er ein, dass Trump mit Blick auf die Rohölflüsse "einen berechtigten Punkt" habe und das Problem tatsächlich bei der Raffineriekapazität liege. Russland mache jedoch nur 6,8 Prozent der globalen Raffineriekapazität aus – der Ukraine dafür die Hauptschuld zu geben, greife zu kurz. "Der Iran-Krieg hatte meiner Meinung nach insgesamt eine größere Störwirkung", sagte Shih gegenüber "Newsweek".

Eskalationsgerüchte vor den Midterms heizen den Ölmarkt auf

Als wäre die Lage nicht angespannt genug, sorgen neue Berichte für zusätzliche Nervosität an den Rohstoffmärkten. "The Atlantic" berichtete unter Berufung auf mehrere Regierungsvertreter, dass Trump vor den Midterm-Wahlen am 3. November weitere Militärschläge gegen den Iran erwäge. Die Ölpreise, die trotz der erholten Fördermengen ohnehin deutlich über dem Vorkriegsniveau verharren, zogen daraufhin diese Woche erneut spürbar an.

Das Weiße Haus gab sich gegenüber "Axios" betont selbstbewusst. "Die USA befinden sich in einer sehr starken Position mit der Kontrolle über die Straße von Hormus und einer kollabierenden iranischen Wirtschaft", erklärte ein Regierungsvertreter. "Präsident Trump hat alle Karten in der Hand und wird tun, was für die Vereinigten Staaten am besten ist." Ob das den einfachen oder den harten Weg bedeute, ließ man bewusst offen.

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