Donald Trump und das "Wall Street Journal": "The Don" diniert plötzlich mit Intimfeinden - die Folgen werfen Fragen auf

Donald Trump hegt und pflegt seine Hassliebe zu den US-Medien auf kuriose Weise: Kaum hatte der US-Präsident das "Wall Street Journal" auf zehn Milliarden Dollar verklagt, empfing Trump die Führungsriege nun zum Dinner im Weißen Haus.

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Donald Trumps Verhältnis zu den Medien ist immer für eine Überraschung gut. (Foto) Suche
Donald Trumps Verhältnis zu den Medien ist immer für eine Überraschung gut. Bild: picture alliance/dpa/AP | Mark Schiefelbein
  • Donald Trump von Medien als "dumm" beschimpft - dann wendet sich das Blatt
  • US-Präsident lädt "Wall Street Journal" trotz Milliardenklage zum Dinner
  • Kritische Trump-Berichterstattung plötzlich entschärft - der Zeitpunkt wirft Fragen auf

Auf bestimmte US-Medien ist Donald Trump bekanntlich nicht gut zu sprechen - seinen Unmut über kritische Berichterstattung seine Person betreffend quittiert der US-Präsident am liebsten mit Gepolter in den sozialen Medien oder rechtlichen Schritten in Gestalt von Milliardenklagen. Auch das "Wall Street Journal" traf Donald Trumps Wut mit geballter Wucht - doch nun vollführte "The Don" eine überraschende Kehrtwende und dinierte mit seinen Intimfeinden im Weißen Haus. Was war da los?

Donald Trump lädt Medien-Intimfeinde zum Dinner ein

Unlängst hatte Donald Trump die Führungsriege des "Wall Street Journal" zum Abendessen ins Weiße Haus geladen – ein bemerkenswerter Schritt, wenn man bedenkt, dass der 80-jährige Präsident das Blatt gleichzeitig auf zehn Milliarden Dollar Schadenersatz verklagt. Grund der Klage: ein Bericht über einen anzüglichen Geburtstagsbrief, den Trump 2003 an den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein geschrieben haben soll.

"Wall Street Journal" beschimpft Donald Trump als "dumm" - dann wendet sich das Blatt

Die Medienmacher gaben jedoch nicht klein bei, sondern knöpften sich den US-Präsidenten selbst erbarmungslos vor. Die Redaktion des konservativen Blattes hatte Donald Trumps politische Entscheidungen in den vergangenen Monaten immer wieder als "dumm" bezeichnet – von seinen Zöllen über den Konflikt mit der US-Notenbank bis hin zu seinen Forderungen an die eigene Partei. Trotzdem schluckte der Präsident offenbar seinen Stolz und empfing neben der Chefredaktion auch Medienmogul Rupert Murdoch persönlich, wie "The Daily Beast" berichtet. Das Ziel des Abends: ein Neustart im Verhältnis zwischen Regierung und Zeitung.

Donald Trump und das WDJ verbindet eine langjährige Hassliebe

Die Spannungen zwischen Trump und dem "Wall Street Journal" reichen weit zurück. Das Editorial Board der Zeitung bezeichnete seine Zölle gegen Kanada und Mexiko im vergangenen Jahr als "den dümmsten Handelskrieg der Geschichte". Trump war darüber so erbost, dass er ankündigte, die Sache direkt mit Murdoch zu besprechen.

Doch die Kritik riss nicht ab. Im August 2026 legte die Redaktion nach: Der Handelskonflikt sei "an diesem Wochenende noch dümmer geworden", als Trump nur zehn Wochen vor den Zwischenwahlen eine weitere Runde Grenzzölle auf kanadische Importe verhängte. Auch die Vorladung des damaligen Fed-Chefs Jerome Powell im Januar wurde als "Rechtsstreit für Dummköpfe" abgekanzelt. Weitere Kritikpunkte betrafen Trumps Angriffe auf Harvard, den laufenden Iran-Krieg und seine Forderung, den Filibuster abzuschaffen. Im Mai 2025 schlug Trump zurück und erklärte, die Publikation sei "wirklich vor die Hunde gegangen".

Donald Trump lädt Medienmacher nach wüsten Beleidigungen zum Dinner ein

Am Abend des 30. September nun versammelte sich eine illustre Gesellschaft in der Präsidentenresidenz. Neben "Journal"-Chefredakteurin Emma Tucker und Editorial-Chef Paul Gigot waren auch News-Corp-Gründer Rupert Murdoch und Konzernchef Robert Thomson geladen. Von Regierungsseite nahmen Finanzminister Scott Bessent und Stabschefin Susie Wiles teil. Ebenfalls am Tisch: Rebekah Brooks, Chefin von News UK, sowie Keith Poole, Chefredakteur der "New York Post".

Die Absicht hinter dem Abend war offenbar kein Geheimnis. Eine mit dem Dinner vertraute Person erklärte gegenüber dem Nachrichtenportal "Breaker", der Abend sei darauf angelegt gewesen, "die Beziehung zwischen der Regierung und dem Wall Street Journal neu aufzustellen". Trump setzte also auf persönliche Diplomatie mit genau jenen Leuten, deren Zeitung seine Politik regelmäßig zerpflückt hatte.

"Wall Street Journal" schlägt nach nur 24 Stunden plötzlich versöhnliche Töne zu Trump an

Ob Zufall oder nicht: Nur einen Tag nach dem Abendessen veröffentlichte das Editorial Board des "Wall Street Journal" einen auffallend wohlwollenden Beitrag. Unter der Überschrift "Die US-Wirtschaft beschleunigt sich" hoben die Autoren hervor, dass Investitionen und Wachstum anziehen würden. Man solle sich nicht von düsteren Schlagzeilen täuschen lassen – das Handelsministerium habe seine Wachstumsprognose für das erste Halbjahr ungewöhnlich stark nach oben korrigiert. Dabei stach ins Auge, dass der Artikel die schlechte Stimmung in der Bevölkerung auf die "Biden-Inflation" schob, die weiterhin Lohnzuwächse aufzehre und das Sparen erschwere. Zwar räumte das Board ein, dass Grenzzölle und steigende Benzinpreise ebenfalls nicht geholfen hätten. Doch trotz aller Prophezeiungen, der Iran-Krieg werde die USA in eine Rezession stürzen, seien "Amerikas wirtschaftliche Lebensgeister quicklebendig".

Ist Donald Trumps Milliardenklage nach dem überraschenden Dinner passé?

Trotz des offensichtlichen Tauwetters bleibt die juristische Auseinandersetzung bestehen. Die Zehn-Milliarden-Dollar-Klage wegen des Epstein-Berichts ist weiterhin anhängig. Dow Jones, die Muttergesellschaft des "Wall Street Journal", hatte bereits bei der Einreichung im vergangenen Juli unmissverständlich reagiert: Man habe "volles Vertrauen in die Sorgfalt und Genauigkeit unserer Berichterstattung" und werde sich "energisch gegen jede Klage verteidigen".

Weder das Weiße Haus noch News Corp äußerten sich bislang auf Anfragen von "The Daily Beast" zu dem Dinner. Auch Paul Gigot, der Editorial-Chef, hatte die Haltung seines Teams bereits kurz nach Trumps Amtsantritt gegenüber der Associated Press klar umrissen: "Wir berichten über Trump wie über jeden Präsidenten – wir unterstützen seine Entscheidungen, wenn sie es verdienen, und kritisieren sie, wenn das angebracht ist." Ob der versöhnliche Ton von Dauer ist, bleibt indes abzuwarten...

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