Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Bei diesen Themen gingen sich die Spitzenkandidaten im TV-Duell an die Gurgel

Bevor Sachsen-Anhalt am 6. September einen neuen Landtag wählt, lieferten sich die Spitzenkandidaten eine hitzige Debatte in der TV-Wahlarena. Bei welchen Themen gerieten Ulrich Siegmund (AfD), Sven Schulze (CDU) und Co. aneinander?

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Ulrich Siegmund (AfD), Claudia Wittig (BSW), Lydia Hüskens (FDP), Sven Schulze (CDU), Armin Willingmann (SPD), Susan Sziborra-Seidlitz (Bündnis 90/Die Grünen) und Eva von Angern (Die Linke) sind die Spitzenkandidaten zur Landtagswahl. (Foto) Suche
Ulrich Siegmund (AfD), Claudia Wittig (BSW), Lydia Hüskens (FDP), Sven Schulze (CDU), Armin Willingmann (SPD), Susan Sziborra-Seidlitz (Bündnis 90/Die Grünen) und Eva von Angern (Die Linke) sind die Spitzenkandidaten zur Landtagswahl. Bild: Hendrik Schmidt/dpa/dpa
  • Sachsen-Anhalt wählt neuen Landtag am 6. September 2026
  • Explosive TV-Wahlarena mit Spitzenkandidaten zur Landtagswahl
  • Sven Schulze (CDU) gegen Ulrich Siegmund (AfD): Diese Themen kamen in der TV-Debatte zur Sprache

Nur vier Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September standen sich die sieben Spitzenkandidaten in der Wahlarena von ntv und Radio Brocken gegenüber – und die 90 Minuten aus dem Studio in Halle an der Saale hatten es in sich. Die Themen reichten vom russischen Anschlagsversuch auf den Flughafen Leipzig/Halle über Migration und Bildung bis hin zur Rentenpolitik.

TV-Wahlarena kurz vor Sachsen-Anhalt-Wahl: AfD-Mann Siegmund setzt auf Gelassenheit

AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund, dessen Partei in Umfragen bei über 40 Prozent liegt, gab sich dabei betont gelassen. Mit verschränkten Händen und dem Blick gelegentlich in die Ferne gerichtet verfolgte er weite Teile der Debatte fast unbeteiligt. Ganz anders die Atmosphäre in der Runde: "Bitte mit weniger Schaum vor dem Mund", musste Moderatorin Dorothée Oster die Kandidaten zwischenzeitlich bremsen.

Der amtierende sachsen-anhaltische Ministerpräsident Sven Schulze von der CDU, dessen Partei mit rund 20 Prozent weit abgeschlagen hinter der AfD rangiert, blieb über weite Strecken auffallend defensiv. Die Sendung entwickelte sich schnell zu einer Konstellation, die auch nach dem Wahlsonntag bestimmend sein dürfte: alle gegen einen.

Hitzige Debatte wegen Russlands Drohnenangriff auf Leipziger Flughafen

Den Auftakt der Sendung bestimmte die Weltpolitik: Der versuchte Sprengstoffdrohnen-Anschlag auf den Flughafen Leipzig/Halle, nur 20 Autominuten vom Studio entfernt, für den die Bundesregierung Russland verantwortlich macht. Nach Erkenntnissen der Ermittler galt der Angriff einer ukrainischen Frachtmaschine vom Typ Antonow AN-124 Condor. AfD-Mann Siegmund nutzte das Thema sofort für die bekannte AfD-Linie: "Wenn wir uns an fremden Konflikten beteiligen", kämen "diese Konflikte irgendwann zu uns". BSW-Kandidatin Claudia Wittig bezweifelte die Beweislage und nannte die Schließung des Russischen Hauses in Berlin einen Fehler. Linken-Kandidatin Eva von Angern forderte weniger Geld für die Bundeswehr und mehr für Bildung. Grünen-Kandidatin Susan Sziborra-Seidlitz pochte auf das Völkerrecht – woraufhin Siegmund ihr wiederholt ins Wort fiel und CDU wie Grüne als "die größten Kriegstreiber" bezeichnete. Schulze mahnte nüchtern: Ein Flugzeugabsturz über Sachsen-Anhalt hätte zahlreiche Todesopfer fordern können.

Ulrich Siegmund spült AfD-Wahlprogramm weich und wiegelt bei Migration und Sondervermögen ab

Ulrich Siegmund (AfD) will bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt die absolute Mehrheit erringen. (Foto) Suche
Ulrich Siegmund (AfD) will bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt die absolute Mehrheit erringen. Bild: Hendrik Schmidt/dpa/dpa

Durchgehend bemühte sich Ulrich Siegmund, die schärfsten Kanten des AfD-Wahlprogramms abzuschleifen. Beim Thema Migration, wo das Programm in rechtsradikalem Duktus vor "Kulturfremden" als Bedrohung für das Gesundheitssystem warnt, gab sich der Spitzenkandidat versöhnlich: Wer ordentlich arbeite und die Regeln einhalte, dürfe selbstverständlich bleiben. SPD-Kandidat Willingmann hielt ihm 150 syrische Ärzte entgegen, die in den Krankenhäusern Sachsen-Anhalts tätig seien. Auch beim Sondervermögen ruderte Siegmund zurück. Die AfD hatte dieses im Landtag als "Geld der Schande" gebrandmarkt – nun behauptete er, das Zitat habe sich ausschließlich auf energetische Sanierungen bezogen. Die übrigen Kandidaten nahmen ihm das geschlossen nicht ab.

Entlarvend wurde es bei der Rente: Als Moderator Blome die Durchschnittsrente nach 45 Beitragsjahren mit 1.913 Euro bezifferte und die Grundsicherung mit lediglich 536 Euro, sprach Siegmund unbeirrt von der "Lebensrealität" auf dem Land – und verkaufte Gefühltes als Tatsache.

Ulrich Siegmund legt Bildungspläne für Sachsen-Anhalt offen und spricht über Gewaltprobleme

Beim Bildungsthema kündigte AfD-Spitzenkandidat Siegmund an, bei einer Regierungsübernahme den Leistungsgedanken an Schulen wieder zu stärken und verbindliche Schullaufbahnempfehlungen einzuführen. Er verwies auf Gewaltprobleme an Schulen etwa in Magdeburg-Neustadt, die Lehrkräfte an ihre Grenzen brächten. Brisant wurde es, als Moderator Blome den Vorschlag des AfD-Kulturpolitikers Hans-Thomas Tillschneider aufgriff, Wachleute mit Tränengas auf Schulhöfen zu postieren. Siegmund tat dies als "satirische Überspitzung" ab – räumte aber ein, solche Maßnahmen durchaus für "Problemschulen" in Betracht zu ziehen.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) blieb in der n-tv Wahlarena über weite Strecken auffallend defensiv. (Foto) Suche
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) blieb in der n-tv Wahlarena über weite Strecken auffallend defensiv. Bild: Hendrik Schmidt/dpa pool/dpa/dpa

Schulze widersprach scharf: Er wolle nicht, dass aus der Staatskanzlei Anweisungen kämen, bewaffnete Wachleute bei Schülerkonflikten einzusetzen. Linken-Kandidatin von Angern forderte stattdessen mehr Mittel für Schulsozialarbeit und ein Sondervermögen für Bildung. FDP-Kandidatin Lydia Hüskens plädierte dafür, Schulstandorte in der Fläche zu erhalten und Lehrkräfte von Bürokratie zu befreien.

"Wo wollen Sie das Geld denn hernehmen?" Siegmund kann fehlende 2,2 Milliarden Euro in AfD-Kasse nicht erklären

Beim Thema Wirtschaft setzte Siegmund auf eine klare Abgrenzung zur Zuwanderungspolitik: Statt ausländische Fachkräfte anzuwerben, wolle er abgewanderte Deutsche zurückholen und den Bedarf langfristig aus eigener Kraft decken. Schulze konterte, das sei viel zu vage – gerade in Pflege und Maschinenbau brauche das Land dringend Arbeitskräfte aus dem Ausland. Finanziell geriet der AfD-Kandidat unter Druck. Er versprach Einsparungen von 300 bis 500 Millionen Euro bei Asyl, Verwaltung und unbesetzten Stellen. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle hatte allerdings eine Finanzierungslücke von rund 2,2 Milliarden Euro in den AfD-Plänen errechnet. Schulze bohrte gezielt nach: Die von der AfD versprochene kostenlose Schulspeisung allein koste das Land täglich eine Million Euro. "Wo wollen Sie das Geld denn hernehmen?", fragte der Ministerpräsident. Eine überzeugende Antwort blieb Siegmund schuldig.

Ulrich Siegmund will Sachsen-Anhalt mit absoluter Mehrheit regieren - AfD auf dem "Weg ins Autoritäre"

Im Schlussblock der Sendung stellte Moderator Blome die entscheidende Frage: Würde die AfD ohne absolute Mehrheit auf andere Parteien zugehen? Siegmund verneinte unmissverständlich. Es gebe schlicht keinen Partner, mit dem sich die grundlegenden Probleme des Landes lösen ließen. Während andere sich jahrelang mit Brandmauern beschäftigt hätten, habe seine Partei politisch gearbeitet. "Wir möchten hier Geschichte schreiben. Wir möchten die erste AfD-geführte Alleinregierung in Deutschland möglich machen." Aus der Runde wurde ihm vorgehalten, sich mit dieser Haltung der Verantwortung zu entziehen – trotz angeblich 43 Prozent Rückhalt jede Zusammenarbeit zu verweigern.

SPD-Kandidat Willingmann hielt dem eine demokratische Grundüberzeugung entgegen: Kompromiss, Konsenssuche und Interessenausgleich seien das Fundament der Bundesrepublik. Dann wandte er sich direkt an Siegmund: "Ich halte diesen Versuch, kompromisslos zu regieren, nämlich für den Weg ins Autoritäre."

CDU-Spitzenkandidat Schulze lehnt Koalition mit der Linken kategorisch ab

Die Regierungsbildung dürfte nach dem 6. September zum Puzzle ohne passende Teile werden. Schulze schloss eine Koalition mit der Linken erneut kategorisch aus – ebenso wie Ministerposten für AfD-Politiker. Gleichzeitig machte Linken-Kandidatin von Angern deutlich, dass sie für eine Zusammenarbeit offen wäre, knüpfte dies aber an inhaltliches Entgegenkommen der CDU.

Zwischen den Zeilen zeichnete sich ab, was offiziell niemand aussprechen wollte: Eine Verständigung zwischen CDU und Linken unterhalb der Schwelle einer formalen Koalition erscheint nach der Wahl als wahrscheinlichstes Szenario. Schulze formulierte es so: "Es geht am Ende nicht um Parteien", sondern "um unser Heimatland". Sachsen-Anhalts derzeitiger Ministerpräsident warb offensiv um Stimmen, die eine absolute Mehrheit einer einzelnen Partei verhindern sollen – ohne den Namen dieser Partei aussprechen zu müssen.

Sachsen-Anhalt am Scheideweg: AfD steht vor Landtagswahl vor historischem Ergebnis

Mit über 40 Prozent in sämtlichen Umfragen steht die AfD vor einem historischen Ergebnis – erstmals könnte die Partei in einem deutschen Bundesland eine absolute Mehrheit erreichen. Alles darunter wäre für Ulrich Siegmund und seine Partei bereits eine Enttäuschung.

Die Kräfteverhältnisse der Wahlarena spiegelten die Lage im Land wider: Selbst CDU, SPD und Grüne zusammen kommen in den Erhebungen nicht an die AfD-Werte heran. Erst mit der Linken würde die Waage kippen – was die gesamte Sendung zur Konstellation "alle gegen einen" machte.

Doch wie ntv-Politikchef Blome und die übrigen Kandidaten deutlich machten: Es geht nicht nur um das Duell Siegmund gegen Schulze. Auch die kleineren Parteien werden bis zum Schluss kämpfen. Am Abend des 6. September 2026 wird sich zeigen, ob Sachsen-Anhalt tatsächlich politisches Neuland betritt.

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/news.de/dpa/stg

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