Landtagswahl in Sachsen-Anhalt: Umfrage-Schlappe für AfD-Spitzenkandidaten Siegmund
Die AfD in Sachsen-Anhalt steht im Politbarometer-Extra kurz vor der Landtagswahl bei 40 Prozent. Was die Frage nach dem nächsten Ministerpräsidenten angeht, hat Spitzenkandidat Ulrich Siegmund in der Umfrage das Nachsehen.
Erstellt von Sabrina Böhme - Uhr
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- Neue Umfrage zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
- AfD verdoppelt Vorsprung - CDU bleibt auf dem zweiten Platz
- Unzufriedenheit mit Siegmund – Wähler wollen Schulze als Ministerpräsidenten
Sachsen-Anhalt wählt am 6. September einen neuen Landtag. Gut eine Woche vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sieht alles danach aus, dass die AfD stärkste Kraft wird. Mit Werten um die Marke von 40 Prozent liegt die Partei von Spitzenkandidat Ulrich Siegmund bis zu 20 Prozentpunkte vor der CDU. Doch die AfD von Sachsen-Anhalt muss besonders bei der Frage nach dem Ministerpräsidenten einen Dämpfer einstecken.
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Politbarometer-Extra - AfD vor Landtagswahl in Sachsen-Anhalt weiter vor CDU
Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zeichnet sich ein politisches Erdbeben ab. Das könnte mehrere Szenarien auslösen. Laut dem aktuellen Politbarometer-Extra der Forschungsgruppe Wahlen erreicht die AfD 40 Prozent – und würde damit ihr Ergebnis von 2021 nahezu verdoppeln. Damals hatte die Partei 20,8 Prozent erzielt.
Für die CDU vom regierenden Ministerpräsidenten Sven Schulze sieht es dagegen schlechter aus. Die Christdemokraten landen bei nur noch 23 Prozent, nachdem sie vor fünf Jahren mit 37,1 Prozent noch klar stärkste Kraft geworden waren. Das entspricht einem Verlust von rund 14 Prozentpunkten.
Hinter den beiden dominierenden Parteien reiht sich die Linke mit 13 Prozent ein, gefolgt von der SPD mit 9 Prozent. Die Grünen kommen auf 6 Prozent. Sowohl die FDP als auch das Bündnis Sahra Wagenknecht erreichen jeweils nur 3 Prozent und müssten damit um den Einzug in den Landtag bangen.
Der deutliche Vorsprung der AfD vor der CDU deckt sich mit den Erhebungen anderer Institute. In einer Umfrage von Infratest dimap im Auftrag der ARD war die AfD zuletzt auf 42 Prozent gekommen. Die CDU lag dort bei 22 Prozent.
Diese Koalitionsoption hätte Schulze nach der Landtagswahl
Laut der Umfrage hat die AfD,die in Sachsen-Anhalt als gesichert rechtsextremistisch eingestuft worden ist, mit einem Prozentsatz von 40 keine Chance, alleine zu regieren. Sie wäre auf einen Koalitionspartner angewiesen, um regieren zu können. Da niemand mit Siegmunds Partei zusammenarbeiten will, richtet sich der Blick auf die übrigen Parteien. Nach einer Fortsetzung der schwarz-rot-gelben Koalition sieht es nicht aus, für ein schwarz-rot-grünes Bündnis müssten CDU, SPD und Grüne in der letzten Woche deutlich zulegen. Die wahrscheinlichste Option ist aktuell, dass Schulze wie in Sachsen und Thüringen eine Minderheitsregierung schmieden muss - und dabei punktuell die Linke braucht.
Während die anderen drei potenziellen Partner offen für ein solches Modell sind, gibt es besonders in der CDU Vorbehalte. Zwei frühere CDU-Landeschefs warnten Schulze bereits vor einer Tolerierung durch die Linke. "Wir sind doch 1989 nicht auf die Straße gegangen, damit die Linken jetzt wieder an die Macht kommen", sagte etwa Karl-Heinz Daehre.
Allerdings bleibt erhebliche Unsicherheit: 31 Prozent der Befragten haben sich noch nicht festgelegt, ob und wen sie wählen wollen. Gerade in ostdeutschen Bundesländern, wo Parteibindungen schwächer ausgeprägt sind, können sich die Kräfteverhältnisse bis zum Wahltag noch spürbar verschieben.
Dämpfer für Siegmund – Wähler wollen Schulze als Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt
Trotz des massiven Vorsprungs der AfD in der Sonntagsfrage wünschen sich die Wählerinnen und Wähler mehrheitlich den amtierenden Regierungschef als Ministerpräsidenten. 48 Prozent der Befragten bevorzugen Sven Schulze als Ministerpräsidenten, nur 32 Prozent sprechen sich für AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund aus. Der Rest äußerte keine Präferenz oder kannte die Kandidaten nicht.
Persönlich überzeugen kann allerdings keiner der beiden Kontrahenten wirklich. Auf einer Skala von plus fünf bis minus fünf erhält Schulze einen mageren Durchschnittswert von 0,1, während Siegmund mit minus 0,4 sogar im negativen Bereich landet.
Mehrheit lehnt AfD-Alleinregierung in Sachsen-Anhalt ab
Dass die AfD tatsächlich eine absolute Mehrheit erringen wird, hält knapp die Hälfte der Befragten (48 Prozent) für realistisch – 44 Prozent rechnen nicht damit. Eine Alleinregierung der Partei bewerten 54 Prozent der Sachsen-Anhalter negativ, lediglich 30 Prozent fänden ein solches Szenario gut. Zehn Prozent wäre es gleichgültig.
Vor die Wahl zwischen einer CDU- oder AfD-geführten Landesregierung gestellt, entscheidet sich die Hälfte der Befragten für eine Regierung unter Führung der Christdemokraten. 35 Prozent würden hingegen eine von der AfD angeführte Koalition vorziehen.
Besonders auffällig ist die tiefe Kluft zwischen den politischen Lagern: Unter den Anhängern von CDU, Linken, SPD und Grünen spricht sich praktisch niemand für eine AfD-geführte Regierung aus. Die Unterstützung für die Partei konzentriert sich damit fast ausschließlich auf die eigene Wählerschaft.
Wirtschaft und Jobs beherrschen die Sorgen der Wähler
Die drängendsten Probleme im Land sind aus Sicht der Bevölkerung wirtschaftlicher Natur. 22 Prozent der Befragten nennen die Wirtschaftslage als wichtigstes Thema, dicht gefolgt von Arbeitslosigkeit und dem Bereich Bildung und Schule mit jeweils 17 Prozent. Alle weiteren Politikfelder spielen mit weniger als 14 Prozent eine untergeordnete Rolle.
Kritik an Arbeit der CDU - auch AfD überzeugt nicht
Die Arbeit der amtierenden Regierungskoalition wird dabei durchweg kritisch gesehen. Auf einer Skala von plus fünf bis minus fünf schneidet die CDU mit minus 0,6 noch am wenigsten schlecht ab. Die mitregierenden Sozialdemokraten kommen auf minus 1,2, die FDP als dritter Koalitionspartner sogar auf minus 1,6.
Doch auch die Opposition überzeugt die Bürger nicht: Die AfD wird für ihre Arbeit im Landtag mit minus 0,9 bewertet, die Linke erhält minus 1,1 und die Grünen bilden mit minus 1,7 das Schlusslicht.
Die zwischen dem 25. und 27. August durchgeführte Befragung unter 1.053 Wahlberechtigten bildet allerdings lediglich die aktuelle Stimmungslage ab. Bis zum Wahltag sind Verschiebungen möglich – zumal fast ein Drittel der Befragten noch nicht weiß, wem es seine Stimme geben wird.
Wahlumfragen sind generell immer mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten. Grundsätzlich spiegeln Umfragen nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen für den Wahlausgang.
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bos/news.de/dpa/stg
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