Uwe Steimle: Eklat bei AfD-Veranstaltung – Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Kabarettisten

Kabarettist Uwe Steimle provoziert bei einer AfD-Veranstaltung mit scharfen Aussagen über Friedrich Merz. Nun beschäftigt der Fall die Staatsanwaltschaft. Besonders eine Anspielung auf Claus Schenk Graf von Stauffenberg sorgt für Empörung.

Von news.de Redakteurin - Uhr

Kabarettist Uwe Steimle spricht neben Bundesvorsitzenden Tino Chrupalla auf einer Veranstaltung der AfD Sachsen-Anhalt. (Foto) Suche
Kabarettist Uwe Steimle spricht neben Bundesvorsitzenden Tino Chrupalla auf einer Veranstaltung der AfD Sachsen-Anhalt. Bild: Jan Woitas/dpa/dpa
  • Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau ermittelt gegen Kabarettisten Uwe Steimle
  • Auslöser sind Aussagen des Kabarettisten bei einer AfD-Veranstaltung
  • Stauffenberg-Enkel Karl Graf von Stauffenberg wirft Steimle Geschichtsklitterung vor

Aus einem umstrittenen Bühnenauftritt bei einer AfD-Veranstaltung wird jetzt ein Fall für die Justiz. Die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau hat ein Ermittlungsverfahren gegen den Kabarettisten Uwe Steimle eingeleitet. Grundlage ist Paragraph 126 des Strafgesetzbuchs – die Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten. Das bestätigte eine Sprecherin der Behörde.

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Uwe Steimle: Ermittlungen nach AfD-Veranstaltung in Dessau-Roßlau

Auslöser sind Äußerungen des 63-Jährigen bei einer AfD-Veranstaltung am Dienstag (14.07.2026) in Dessau-Roßlau. Vor mehreren Hundert Zuschauern hatte Steimle sowohl Bundeskanzler Friedrich Merz als auch Altkanzlerin Angela Merkel verbal attackiert. Beide Politiker gehören der CDU an. Bei der Podiumsdiskussion zum Thema Frieden saßen neben Steimle auch AfD-Bundeschef Tino Chrupalla und der sachsen-anhaltische AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund auf der Bühne. Die Veranstaltung fand wenige Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September statt und sorgt seither für heftige politische Debatten.

Stauffenberg-Vergleich und Hinrichtungsfantasien bei AfD-Veranstaltung

Besonders brisant war Steimles Anspielung auf den Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg. "Wenn ich Friedrich Merz sehe, frage ich mich manchmal, wo ist eigentlich Stauffenberg, wenn man ihn mal wirklich braucht", sagte der Kabarettist. Stauffenberg war der zentrale Kopf des militärischen Widerstands gegen Adolf Hitler und verübte am 20. Juli 1944 das gescheiterte Bombenattentat auf den Diktator. Auch über Angela Merkel äußerte sich Steimle in drastischer Weise. Mit Blick auf ihr neues Porträtbild erklärte er, die frühere Kanzlerin habe sich für eine stehende Darstellung entschieden, "weil sie ahnt, sie wird bald sitzen". Er fügte hinzu: "Im Moment hängt sie erst mal." Falls der Nagel breche, "dann stellen wir sie an die Wand. Also uns wird schon was einfallen". Das Publikum reagierte mit Applaus. Weder Chrupalla noch Siegmund widersprachen den Aussagen.

Stauffenberg-Enkel: "Mein Großvater wird in den Schmutz gezogen"

Karl Graf von Stauffenberg, Enkel des Hitler-Attentäters, reagierte mit scharfer Kritik auf die Äußerungen des Kabarettisten. "Ich bin sprachlos. Das ist Geschichtsklitterung par excellence", sagte der 55-Jährige der "Bild". Sein Großvater habe versucht, "Recht, Ordnung und Freiheit wiederherzustellen" – und nun werde er instrumentalisiert. "Mein Großvater wird in den Schmutz gezogen – es ist ganz grauenhaft." Besonders die implizite Gleichsetzung von Merz mit Hitler empört den Nachfahren des Widerstandskämpfers. "Man kann von Herrn Merz halten, was man will. Aber ihn mit Adolf Hitler gleichzusetzen, ist ganz schlimm", betonte er. Dies stelle eine "Verharmlosung des Dritten Reichs" dar.

Auch das Verhalten der AfD-Politiker kritisierte der Stauffenberg-Enkel scharf. Chrupalla und Siegmund hätten die Aussage unwidersprochen stehen lassen. "Damit disqualifizieren sie sich für Regierungsämter", so sein Urteil.

Kabarettist sorgt mit DDR-Hymne für Eklat

Für zusätzliche Empörung sorgte das Singen der DDR-Nationalhymne bei der Veranstaltung. Als Chrupalla zum Abschluss die deutsche Nationalhymne anstimmen wollte, begann Steimle stattdessen mit "Auferstanden aus Ruinen". Obwohl der AfD-Chef einwarf: "Die andere", sang der Kabarettist weiter – und zahlreiche Besucher stimmten ein. Chrupalla und Siegmund lächelten zunächst und sangen schließlich ebenfalls Teile mit. Die Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt übte deutliche Kritik. "Es handelt sich nicht um ein beliebiges historisches Lied, sondern um die Nationalhymne eines Staates, der politische Gegner verfolgte und seinen Bürgerinnen und Bürgern grundlegende Freiheitsrechte vorenthielt", erklärte Stiftungsdirektor Kai Langer. Sachsen-Anhalts Aufarbeitungsbeauftragter Johannes Beleites nannte das Vorgehen eine "Missachtung der Opfer der SED-Diktatur". Der FDP-Fraktionschef Andreas Silbersack zeigte sich fassungslos: "Es war eine Diktatur. Das scheinen heute einige zu vergessen."

AfD verteidigt Veranstaltung als "gelungen"

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt findet am 6. September statt. Die AfD verteidigte den umstrittenen Abend als "gelungene Veranstaltung mit Hunderten begeisterten Teilnehmern". Ein Parteisprecher beschrieb das Format als bewusste Mischung aus Realpolitik und Satirebeiträgen. Chrupalla wies die Kritik in der "Jungen Freiheit" zurück und beklagte die "unentspannte" Reaktion. "Es wird alles zum Skandal erhoben. Keiner kann mehr lachen und alles muss bierernst sein", sagte der AfD-Chef. Den Text der DDR-Hymne bezeichnete er als "grandios". Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) nannte das Verhalten "extrem befremdlich", insbesondere wenn politische Repräsentanten damit Botschaften verbinden wollten.

Heftige Kritik in sozialen Netzwerken

Die Aussagen des Kabarettisten sorgen im Netz für Empörung. Zahlreiche Nutzer interpretierten die Stauffenberg-Anspielung als Aufruf zur Gewalt gegen den Bundeskanzler. "Der Stauffenberg-Witz ist eine Aufforderung zum Mord und keine Satire, keine Meinung", schrieb ein X-Nutzer. Ein anderer fragte: "Aufruf zu Anschlägen auf gewählte Politiker. Wo ist der Verfassungsschutz, wenn man ihn mal braucht?" Viele Kommentatoren zeigten sich besorgt über die fehlenden Konsequenzen. "Offensichtlich fühlt sich die AfD so sicher, dass sie glauben, sich all diese anti-demokratischen Geschmacklosigkeiten leisten zu können", hieß es in einem Tweet. Ein weiterer Nutzer kritisierte: "Die Grenze des Unsagbaren existiert nicht mehr." Auch der Auftritt insgesamt wurde scharf verurteilt. "Dieser peinliche Auftritt hat mit Kabarett nichts mehr zu tun", kommentierte ein Facebook-Nutzer.

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