Friedrich Merz im ARD-Sommerinterview: Bundeskanzler warnt vor Folgen von AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt

Die parlamentarische Sommerpause neigt sich dem Ende, die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt steht vor der Tür - Grund genug für Bundeskanzler Friedrich Merz, warnende Worte zu einem möglichen AfD-Wahlsieg anzuschlagen.

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Bundeskanzler Friedrich Merz beim ARD-Sommerinterview "Bericht aus Berlin" mit Moderator Markus Preiß. (Foto) Suche
Bundeskanzler Friedrich Merz beim ARD-Sommerinterview "Bericht aus Berlin" mit Moderator Markus Preiß. Bild: Annette Riedl/dpa/dpa
  • Bundeskanzler Friedrich Merz warnt im ARD-Sommerinterview vor AfD-Wahlsieg
  • Sachsen-Anhalt wählt neuen Landtag - AfD-Triumph kaum noch aufzuhalten
  • Merz schlägt Alarm: Sachsen-Anhalt "wird erhebliche Probleme bekommen"

In wenigen Tagen wird es ernst in Sachsen-Anhalt, wenn das Bundesland einen neuen Landtag wählt. Inzwischen lautet die Frage nicht mehr, ob die AfD gewinnt, sondern wie deutlich. In allen Umfragen der vergangenen Monate liegt die vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei weit vorn. Ihr Spitzenkandidat Ulrich Siegmund wird gefeiert wie ein Popstar. Große politische Botschaften braucht Siegmund bei diesen Terminen nicht. Es ist vor allem ein Gefühl, das der 35-Jährige seinen Anhängern vermittelt - Zugehörigkeit. "Gemeinsam holen wir uns unser Land zurück", sagt Siegmund immer wieder. Wir gegen die - das ist der zentrale Ansatz der AfD.

Friedrich Merz warnt vor Landtagswahl-Triumph der AfD in Sachsen-Anhalt

Der Triumphzug der AfD lässt auch bei Bundeskanzler Friedrich Merz die Alarmglocken schrillen. Im ARD-Sommerinterview, das am 30. August 2026 ausgestrahlt wurde, hat Merz diesbezüglich eine drastische Warnung an die Wählerinnen und Wähler in Sachsen-Anhalt gerichtet. Sollte die AfD bei der Landtagswahl am 6. September so stark abschneiden wie derzeit prognostiziert, drohe dem Bundesland ein massiver wirtschaftlicher Schaden. "Wenn das so kommt, wie das in den Umfragen möglich erscheint, dann wird dieses Bundesland erhebliche Probleme bekommen", so der CDU-Chef.

Wählt Sachsen-Anhalt seinen Untergang? Merz befürchtet massive wirtschaftliche Konsequenzen

Konkret befürchtet Merz eine Flucht ausländischer Geldgeber: Er halte es für ausgeschlossen, dass internationale Unternehmen unter einem AfD-Ministerpräsidenten noch bereit wären, sich in Sachsen-Anhalt anzusiedeln. Die Ausgangslage für seine Partei ist dabei alles andere als komfortabel – in den Umfragen erreicht die AfD mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund rund 40 Prozent, während die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze bei etwa 20 Prozent liegt. Der Abstand beträgt damit satte 20 Prozentpunkte.

Bundeskanzler im Sommerinterview: Was plant die CDU nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt?

Besonders brisant wurde es bei der Frage, wie die CDU nach einem möglichen Absturz auf Platz zwei überhaupt noch regieren könnte. Moderator Markus Preiß hakte nach, ob die Christdemokraten notfalls auch mit Unterstützung der Linkspartei versuchen würden, an der Macht zu bleiben. Eine klare Absage kam vom Kanzler nicht – stattdessen wich er diplomatisch aus: "Wir werden das im Lichte des Wahlergebnisses anschauen." Ein Sinneswandel, der aufmerken lässt, immerhin hatte die CDU sowohl gegenüber der AfD als auch gegenüber der Linken einen Unvereinbarkeitsbeschluss gefasst. Merz verwies lediglich darauf, dass seine Partei in Sachsen-Anhalt derzeit den Regierungschef stelle – und dass erst einmal jemand anderes gewählt werden müsse, bevor sich die Machtverhältnisse änderten. Eine Festlegung sieht anders aus.

Friedrich Merz ledert gegen Angela Merkel: "Hätte es mit mir nicht gegeben"

Im ARD-Sommerinterview ging Friedrich Merz ungewöhnlich hart mit dem politischen Erbe seiner Vorgängerin Angela Merkel ins Gericht. Die Entscheidungen der damaligen Kanzlerin in der Migrationskrise – insbesondere die Offenhaltung der Grenzen – seien nicht erst rückblickend, sondern bereits zum damaligen Zeitpunkt falsch gewesen. Die Regierung Merkel hätte es "gar nicht so weit kommen lassen dürfen", betonte Merz. Seine Regierung trage nun die Konsequenzen: "Wir sind mit einer Last im Augenblick konfrontiert, die wir nur Stück für Stück abtragen können."

Auch beim Atomausstieg distanzierte sich der Kanzler deutlich: "Ich bin für die Abschaltung der Kernkraftwerke nicht verantwortlich." Unter seiner Führung wäre der Ausstieg nicht erfolgt – der zentrale Fehler habe darin bestanden, Kraftwerke vom Netz zu nehmen, bevor Alternativen bereitstanden. Immerhin: Beim Thema Migration sieht Merz dank deutlich gesunkener Zuwanderungszahlen inzwischen Fortschritte – in den laufenden Wahlkämpfen spiele das Thema kaum noch eine Rolle.

Friedrich Merz und die "Glaubwürdigkeitslücke"

Dass der Kanzler selbst nicht gerade auf einer Welle der Begeisterung reitet, ist ihm durchaus bewusst. Merz gestand im Interview erneut ein, dass eine "Glaubwürdigkeitslücke" entstanden sei – ausgelöst durch das massive Schuldenpaket im Umfang von einer Billion Euro. Dieses hatte er unmittelbar nach seinem Wahlsieg noch durch den alten Bundestag gebracht, obwohl das CDU-Wahlprogramm derart umfangreiche Kreditaufnahmen eigentlich ausgeschlossen hatte.

Diese Kluft zwischen Versprechen und Handeln will der Bundeskanzler nach eigener Aussage wieder kitten. Der Schlüssel dazu liege in der wirtschaftlichen Erholung – und da sieht der Kanzler zumindest zaghafte Lichtblicke. Die Wirtschaft entwickle sich "langsam wieder", so Merz. Abgerechnet werde "am Ende zusammengezählt, nicht zwischendurch". Ob die Wählerinnen und Wähler in Sachsen-Anhalt ihm diese Geduld gewähren, zeigt sich allerdings schon am Sonntag.

Das komplette ARD-Sommerinterview mit Friedrich Merz finden Sie in der ARD-Mediathek zum Abruf.

Friedrich Merz und die Union im Super-Wahlseptember auf dem Prüfstand

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September ist dabei nur der Auftakt einer ganzen Serie von Stimmungstests für den Kanzler. Im September stehen außerdem noch Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin an – ein regelrechter Wahlmarathon, der die politische Großwetterlage im Land neu vermessen dürfte. Friedrich Merz gab sich im ARD-Interview dennoch kämpferisch. Die CDU werde in den verbleibenden Tagen noch intensiv um Stimmen werben, schließlich seien rund 20 Prozent der Wählerschaft noch unentschlossen. Gleichzeitig klang der Kanzler laut "Bild" nicht so, als rechne er ernsthaft damit, der AfD den Sieg noch entreißen zu können. In Magdeburg stehe "die Regierungsfähigkeit eines Bundeslandes auf dem Spiel", räumte er ein. Das Duell zwischen CDU-Ministerpräsident Sven Schulze und AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund wird damit zum ersten Gradmesser dafür, ob Merz' Warnungen bei den Wählern verfangen – oder verpuffen.

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