AfD vorn, Union schwach: Diese Koalition könnte Merz noch eine Mehrheit sichern

Die Union kommt im aktuellen INSA-Sonntagstrend nur noch auf 18 Prozent. Die AfD bleibt mit 29 Prozent stärkste Kraft. Während die Linke zulegt, stellt sich zunehmend die Frage, welche Koalitionen künftig noch eine Mehrheit erreichen könnten.

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Umfrage-Klatsche für Merz: Union rutscht auf 18 Prozent ab. (Foto) Suche
Umfrage-Klatsche für Merz: Union rutscht auf 18 Prozent ab. Bild: picture alliance/dpa/dpa-Pool | Michael Kappeler
  • AfD und Union verlieren im aktuellen INSA-Sonntagstrend jeweils einen Prozentpunkt
  • Die Linke steigt auf elf Prozent, das BSW kommt auf vier Prozent
  • Eine Koalition aus Union, Grünen und SPD könnte rechnerisch eine Mehrheit erreichen

Friedrich Merz bleibt im Umfrage-Tief: Im aktuellen INSA-Sonntagstrend für die "Bild"-Zeitung müssen sowohl die Union als auch die AfD Verluste hinnehmen. Beide Parteien rutschen im Vergleich zur Vorwoche um jeweils einen Prozentpunkt ab.

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AfD und CDU verlieren in aktueller INSA-Umfrage

Die AfD landet bei 29 Prozent, nachdem sie zuletzt erstmals die 30-Prozent-Marke geknackt hatte. Die Union von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kommt nur noch auf 18 Prozent. Damit liegt sie knapp über ihrem bisherigen INSA-Allzeittief von 17,5 Prozent, das Anfang Oktober gemessen wurde. Der Abstand zwischen den beiden stärksten Kräften beträgt weiterhin elf Prozentpunkte.

Linke trotzt Skandalen – BSW bleibt unter der 5-Prozent-Hürde

Auf der Gewinnerseite stehen in dieser Woche zwei Parteien aus dem linken Spektrum. Die Linkspartei verbessert sich um einen Prozentpunkt auf elf Prozent – obwohl sie derzeit wegen der Berliner Sondierungsgespräche und ihrer Haltung zum Thema Antisemitismus in der politischen Diskussion steht. Auch das Bündnis Soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftliche Vernunft (BSW) gewinnt einen Punkt hinzu und erreicht vier Prozent. Damit würde die Wagenknecht-Partei den Sprung in den Bundestag allerdings nach wie vor verpassen. Bei den übrigen Parteien herrscht Stillstand: Die Grünen verharren bei 14 Prozent, die SPD bei 13 Prozent und die FDP bei vier Prozent. Auch die sonstigen Parteien bleiben unverändert bei sieben Prozent.

Volksparteien im freien Fall

Der Bedeutungsverlust von Union und SPD hat mittlerweile historische Ausmaße erreicht. Zusammengerechnet kommen die beiden einstigen Volksparteien nur noch auf 31 Prozent. INSA-Chef Hermann Binkert unterstreicht, dass CDU/CSU und Sozialdemokraten "seit der Bundestagswahl 2025 fast ein Drittel an Wählerstimmen verloren" hätten. Damals reichte es noch für eine gemeinsame Regierungsmehrheit – davon sind sie heute weit entfernt.

Ein Blick in die Vergangenheit verdeutlicht das Ausmaß des Niedergangs: Bei der Bundestagswahl am 3. Oktober 1976 vereinten Union und SPD noch 91,2 Prozent der Stimmen auf sich. Das entspricht fast dem Dreifachen des heutigen Wertes. Was einst als Selbstverständlichkeit galt, gehört endgültig der Vergangenheit an.

15 Prozent der Wähler ohne Stimme im Parlament

Die zunehmende Zersplitterung der Parteienlandschaft hat eine bemerkenswerte Konsequenz: Ein erheblicher Teil der abgegebenen Stimmen bliebe wirkungslos. Sowohl BSW als auch FDP stehen derzeit bei vier Prozent und würden damit an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Zusammen mit den sieben Prozent für sonstige Parteien wären somit 15 Prozent der Wählerstimmen im Bundestag nicht repräsentiert.

Daraus ergibt sich laut INSA-Chef Binkert eine ungewöhnliche Rechnung: Parlamentarische Mehrheiten wären "bereits mit 43 Prozent möglich". Weil so viele Stimmen unterhalb der Sperrklausel verloren gehen, sinkt die Schwelle für eine regierungsfähige Koalition deutlich ab. Für die Bildung stabiler Bündnisse eröffnet das zwar rechnerisch neue Möglichkeiten – doch fast jeder sechste Wähler stünde ohne parlamentarische Vertretung da.

Kenia-Koalition als realistischste Option

Da die Union eine Zusammenarbeit mit der AfD kategorisch ausschließt, drängt sich ein Dreierbündnis als einziger gangbarer Weg auf. Meinungsforscher Binkert sieht in einer sogenannten Kenia-Koalition aus CDU/CSU, Grünen und SPD die derzeit "wahrscheinlichste Koalitionsoption". Mit zusammen 45 Prozent käme dieses Bündnis auf eine parlamentarische Mehrheit. Es wäre nach der sozialliberalen Koalition und der Ampel-Regierung von 2021 bis 2024 die dritte Dreierkoalition in der Geschichte der Bundesrepublik.

Allerdings sind Wahlumfragen grundsätzlich mit Vorsicht zu betrachten. Schwindende Parteibindungen erschweren die Gewichtung der Daten zunehmend. INSA beziffert die maximale Fehlertoleranz der Erhebung auf plus/minus 2,9 Prozentpunkte – die tatsächlichen Kräfteverhältnisse könnten also durchaus anders aussehen.

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