Joachim Gauck: "Politischer Volltrottel" – Ex-Bundespräsident mit deutlichen Worten an Merz

Joachim Gauck hat sich zur schwierigen Lage von Friedrich Merz geäußert. Dabei nimmt der ehemalige Bundespräsident den Kanzler zwar in Schutz, benennt aber auch deutliche Schwächen. Besonders eine mögliche Entscheidung von Merz hält er für falsch.

Von news.de Redakteurin - Uhr

Joachim Gauck hält einen möglichen Merz-Rücktritt für falsch. (Foto) Suche
Joachim Gauck hält einen möglichen Merz-Rücktritt für falsch. Bild: Bernd Wüstneck/dpa/dpa
  • Joachim Gauck warnt Friedrich Merz eindringlich vor einem Rücktritt
  • Altbundespräsident sieht "eklatanten Widerspruch" zwischen Merz' Ankündigungen und seinem Handeln
  • Gauck kritisiert auch den Umgang der Medien mit dem Bundeskanzler

Joachim Gauck findet ungewöhnlich deutliche Worte für Friedrich Merz. Sollte der Bundeskanzler jetzt zurücktreten, wäre das aus Sicht des ehemaligen Bundespräsidenten ein schwerer Fehler. Im "Spiegel"-Spitzengespräch sagte der 86-Jährige sogar: "Wenn er das jetzt machen wollte, dann wäre er ja ein politischer Volltrottel."

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"Das wäre wirklich total schädlich" Joachim Gauck warnt Friedrich Merz vor Rücktritt

Gauck begründete seine ungewöhnlich scharfe Einschätzung vor allem mit den möglichen Folgen für das Vertrauen in den Kanzler. Ein Rücktritt würde insbesondere bei den Menschen, die Merz gewählt hätten, weiteres Vertrauen kosten. "Das wäre wirklich total schädlich. Weil da ein Restvertrauen, ganz besonders bei denen, die ihn gewählt haben, schwer leiden würde, noch mehr minimiert würde", sagte der Altbundespräsident. Gleichzeitig stellte Gauck klar, dass seine Aussagen nicht als uneingeschränkte Unterstützung für die Amtsführung des Kanzlers zu verstehen seien. Im Gegenteil: Er sieht durchaus erhebliche Probleme bei Merz.

Gauck sieht "eklatanten Widerspruch" beim Kanzler

So sprach der frühere Bundespräsident von einem "eklatanten Widerspruch" zwischen den Ankündigungen des Kanzlers und dessen tatsächlichem politischen Handeln. Mutige politische Ansagen seien zwar grundsätzlich zu begrüßen. Entscheidend sei jedoch, dass ihnen auch entsprechende Taten folgten. Gauck geht zudem davon aus, dass die massive Kritik an Merz nicht spurlos an ihm vorbeigeht. Der Kanzler habe inzwischen sehr viel Kritik gehört, auch aus den eigenen Reihen. Gauck zeigte sich "zu 100 Prozent sicher", dass Merz derzeit "unglaubliche Kämpfe" ausfechte. Die Schwierigkeiten des Kanzlers führt Gauck allerdings nicht ausschließlich auf die komplizierte Koalitionssituation zurück. Gleichzeitig unterstellte er Merz keine schlechten Absichten: "Der Mann will ja dem Land nicht schaden, sondern will dem Land dienen und nützen."

Joachim Gauck kritisiert auch die Medien

Deutliche Kritik äußerte Gauck zudem an Journalisten. Im Gespräch mit "Spiegel"-Journalist Markus Feldenkirchen sagte er: "Eure Zunft, ja, die lieben Journalisten, haben den Mann auch natürlich kräftig verunsichert." Nach Gaucks Einschätzung sei Merz bereits vor Beginn seiner Amtszeit stark mit Kritik konfrontiert gewesen. Politiker müssten zwar grundsätzlich mit kritischer Berichterstattung umgehen können. Gauck sieht jedoch eine besondere Intensität der Kritik an Merz und hält es für möglich, dass diese auf den Kanzler verunsichernd gewirkt hat. Seine Medienkritik verband der Altbundespräsident mit einem grundsätzlichen Appell an den politischen Umgang mit demokratisch gewählten Regierungen.

Gauck warnt vor einer Schwächung der demokratischen Mitte

Mit Blick auf die politische Lage in Deutschland warnte Gauck davor, die Kritik an Merz so weit zu treiben, dass die demokratische Mitte insgesamt als handlungsunfähig erscheine. Angesichts "so vieler Feinde der liberalen Demokratie" dürfe man nicht den Eindruck erwecken, dass die demokratische Mitte "nicht mehr imstande zu führen" sei. "Dann gehen wir zu weit", sagte Gauck.

Damit kritisiert der frühere Bundespräsident nicht grundsätzlich die Auseinandersetzung mit der Regierung. Seine Aussagen verbinden vielmehr zwei Punkte: Er sieht deutliche Defizite zwischen den Ankündigungen und dem Handeln von Merz – hält einen Rücktritt des Kanzlers zum jetzigen Zeitpunkt aber für den falschen Schritt. Gaucks Botschaft an Merz fällt damit ungewöhnlich deutlich aus: Kritik an der Regierung ja, ein Rückzug des Kanzlers aber wäre aus seiner Sicht gerade keine Lösung.

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