Friedrich Merz am Ende?: Kanzlertausch immer wahrscheinlicher – drei mögliche Nachfolger

Friedrich Merz gerät nach dem CDU-Debakel in Sachsen-Anhalt immer stärker unter Druck. In der Union wird offenbar bereits über seine Nachfolge spekuliert. Mit Hendrik Wüst, Markus Söder und Alexander Dobrindt stehen gleich drei mögliche Kandidaten im Raum.

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Läuft die Zeit für Friedrich Merz als Bundeskanzler ab? Bild: picture alliance/dpa | Michael Kappeler
  • Hendrik Wüst, Markus Söder und Alexander Dobrindt werden als mögliche Nachfolger von Friedrich Merz gehandelt
  • In der Union wächst nach dem Wahldebakel in Sachsen-Anhalt offenbar die Unzufriedenheit mit dem Kanzler
  • Ein Kanzlerwechsel wäre politisch hochriskant: Die schwarz-rote Koalition verfügt im Bundestag nur über eine knappe rechnerische Mehrheit

Das CDU-Desaster bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat Bundeskanzler Friedrich Merz gewaltig ins Wanken gebracht. In der Union brodelt es daher gewaltig. Seit Wochen wächst die Unzufriedenheit mit dem Regierungschef, zahlreiche Abgeordnete der eigenen Fraktion sehen für ihn keine Zukunft mehr. Drei Namen kursieren nun als mögliche Nachfolger: NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (51, CDU), CSU-Chef Markus Söder (59) und als überraschende dritte Option Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (56, CSU). "In der Tat kann es eine Situation geben, in der wir drei potenzielle Nachfolger für Merz haben", sagte ein führender Unionsvertreter der "Bild". Jeder der drei bringt eigene Stärken mit und jeder hat gewichtige Hindernisse vor sich.

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Debatte über Kanzlertausch: Hendrik Wüst als möglicher Merz-Nachfolger

Der nordrhein-westfälische Regierungschef Hendrik Wüst gilt parteiintern als natürlichster Erbe an der CDU-Spitze und damit auch als potenzieller Kanzlernachfolger. In Beliebtheitsrankings schneidet der 51-Jährige sogar noch etwas besser ab als sein bayerischer Rivale Söder. Als Chef des mitgliederstärksten CDU-Landesverbands verfügt er über eine machtpolitische Hausmacht, die kaum zu unterschätzen ist. Doch Wüst hat ein Terminproblem. Am 25. April 2027 steht die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen an. Ein Urnengang, den er nach eigenem Bekunden erst einmal gewinnen will und muss, bevor er den Blick nach Berlin richtet. Nicht alle in der Union wollen so lange warten. Sollte Merz kurzfristig scheitern, sehen manche Parteifreunde Wüst schon deutlich früher in der Pflicht, Verantwortung auf Bundesebene zu übernehmen.

Söders Schweigen spricht Bände

Noch Ende Juli hatte der CSU-Vorsitzende jegliche Kanzlerambitionen im "Handelsblatt" kategorisch abgeräumt: "Die Frage stellt sich heute nicht und sie wird sich auch in Zukunft nicht mehr stellen." Sechs Wochen später klingt das deutlich anders. Von der CSU werde es "auf keinen Fall" einen Kanzlersturz geben, ließ er über die "Bild am Sonntag" verlauten – schloss aber bezeichnenderweise nicht aus, dass die CDU selbst aktiv werden könnte.

Für den Franken spricht einiges: Er zählt zu den bekanntesten Unionspolitikern, gilt als schlagfertig gegen die AfD und füllt laut Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer Festzelte wie kein Zweiter. Gegen ihn steht ein strukturelles Problem: Als Kanzler ohne CDU-Parteivorsitz wäre Söder permanent auf Wohlwollen der Schwesterpartei angewiesen. Zudem befürchten CDU-Strategen, dass er das Amt nie wieder hergeben würde – ein Szenario, das besonders Wüst missfallen dürfte.

Alexander Dobrindt – der lachende Dritte?

Dass überhaupt ein dritter Name ins Spiel kommt, hat einen simplen Grund: Wüst und Söder sind verfeindet. Würde einer von beiden nach der Kanzlerschaft greifen, dürfte der andere alles daransetzen, das zu verhindern. Genau in diese Lücke könnte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt stoßen.

Der 56-Jährige positioniert sich bereits geschickt. Seine Sommerreise im August führte ihn demonstrativ zur Wartburg in Eisenach – Fotografen inklusive, Nationalflagge im Hintergrund. Ein Zufall war das nicht. In der Union zweifelt kaum jemand an seiner Befähigung für das höchste Regierungsamt, selbst Merz würdigt seinen harten Asylkurs mit verschärften Grenzkontrollen und sinkenden Antragszahlen.

Doch ausgerechnet sein eigener Parteichef Söder dürfte zum Hindernis werden: Der bayerische Ministerpräsident hat wenig Interesse daran, dass ein CSU-Kollege ihn auf der Machtleiter überholt. Dobrindt selbst weist alle Nachfolgefragen demonstrativ zurück.

Zwölf Stimmen Mehrheit und damit soll ein Kanzler gestürzt werden?

Selbst wenn sich die Union auf einen Nachfolger einigen könnte, bleibt die praktische Umsetzung ein Hochseilakt. Solange Merz nicht von sich aus das Feld räumt, bliebe nur der Weg über ein konstruktives Misstrauensvotum im Bundestag. Die eigene Fraktion müsste ihren Kanzler also regelrecht wegputschen – gemeinsam mit dem Koalitionspartner SPD.

Das Problem dabei: Die schwarz-rote Koalition verfügt derzeit über gerade einmal zwölf Stimmen Mehrheit im Parlament. Ein hauchdünnes Polster, bei dem schon wenige Abweichler oder Krankmeldungen das gesamte Manöver zum Scheitern bringen könnten. Ob diese knappe Mehrheit ausreicht, um gleichzeitig einen neuen Regierungschef zu wählen, gilt in Unionskreisen als höchst unsicher. Ein gescheitertes Misstrauensvotum wäre für alle Beteiligten politisch verheerend.

Warten auf Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern

Bis kommende Woche wird sich in der Machtfrage nichts bewegen, darin sind sich CDU und CSU einig. Danach ist allerdings alles offen. Als nächster Stresstest steht die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern an. Sollte die CDU dort erneut eine Schlappe kassieren oder sogar den Einzug ins Parlament verpassen, dürfte der Druck auf Merz massiv zunehmen.

Für Söder könnte sich dann jenes historische Fenster doch noch öffnen, nachdem er 2021 Armin Laschet und 2024 Merz den Vortritt lassen musste. Ebenso gut ist allerdings denkbar, dass sich die Geschichte wiederholt und die Chance erneut verstreicht. Denn eines bleibt als nüchterner Befund bestehen: Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik hat es ein CSU-Politiker ins Kanzleramt geschafft.

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