Nach Attacke auf Union: "Du bist Teil der Vergiftung!" ZDF-Moderator knöpft sich Klingbeil vor

Der Rücktritt von Bärbel Bas verschärft die Krise der schwarz-roten Koalition. Bei "Markus Lanz" gerieten SPD-Chef Lars Klingbeil und Ministerpräsidentin Manuela Schwesig wegen ihrer scharfen Kritik an der Union ins Visier – Eva Quadbeck vermutete ein politisches Ablenkungsmanöver.

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Markus Lanz attackiert SPD-Chef Klingbeil. (Foto) Suche
Markus Lanz attackiert SPD-Chef Klingbeil. Bild: picture alliance/dpa | Rolf Vennenbernd
  • Markus Lanz attackiert Lars Klingbeil nach seiner Kritik an der Union
  • Quadbeck vermutet ein Ablenkungsmanöver der SPD-Spitze
  • Gabriel warnt vor den Folgen des Koalitionsstreits

Der Rücktritt von Bärbel Bas als Bundesarbeitsministerin und SPD-Co-Vorsitzende hat die schwarz-rote Koalition in eine ihrer schwersten Krisen gestürzt. Die gestrige Ausgabe von "Markus Lanz" goss noch einmal kräftig Öl ins Feuer. Bas hatte ihren Abgang mit der Trauer um ihre verstorbene Stieftochter sowie mit persönlichen Angriffen aus den Reihen des Koalitionspartners begründet. Doch statt über die Hintergründe des Rücktritts zu diskutieren, rückte in der Dienstagabend-Sendung eine ganz andere Frage in den Mittelpunkt: Nutzen führende Sozialdemokraten wie Vizekanzler Lars Klingbeil und Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig den Fall Bas gezielt, um von parteiinternem Chaos abzulenken? Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel und RND-Chefin Eva Quadbeck lieferten dazu deutliche Einschätzungen, während auf der Plattform X zahlreiche Zuschauer dem Moderator vorwarfen, einseitig zugunsten der CDU zu agieren.

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"Du bist Teil der Vergiftung!" Markus Lanz knöpft sich Lars Klingbeil vor

Klingbeil hatte nach dem Bas-Rücktritt die Kritik aus der Union als "unanständig" bezeichnet und ihr vorgeworfen, den politischen Diskurs zu "vergiften". Lanz drehte dem Vizekanzler daraus einen Strick und konterte direkt: "Richtig, es vergiftet den politischen Diskurs - und zwar genau jetzt und in der Sekunde. Du bist Teil der Vergiftung!" Anschließend spielte der Moderator Ausschnitte von Schwesigs Gegenoffensive ein, die noch schärfer ausgefallen war. Die Ministerpräsidentin hatte das Verhalten einzelner Unionspolitiker als "unterirdisch, unwürdig, unmenschlich" gebrandmarkt. Lanz ordnete die Abfolge der SPD-Attacken als auffällig koordiniert ein: "Es ist ja sehr interessant, zu sehen, in welchem Stakkato das dann ging." Schwesigs Angriff sei dabei "noch mal deutlich expliziter" gewesen als Klingbeils Vorstoß.

Quadbeck hält SPD-Empörung für kalkuliertes Manöver

RND-Chefin Eva Quadbeck ging mit der Reaktion der SPD-Führung hart ins Gericht. Dass der verbliebene Parteivorsitzende Klingbeil aus der schwierigen Lage von Bas eine Offensive gegen den eigenen Koalitionspartner zimmere, sei hochproblematisch – zumal die Rücktrittserklärung offenkundig nicht allein von Bas verfasst, sondern gemeinsam abgestimmt worden sei.

Besonders Schwesigs Wortwahl nahm die Journalistin auseinander: "Das Wort 'unmenschlich' ist komplett über die Grenze hinaus." Dahinter stecke ein klares Kalkül: "Das ist eine Strategie, dass man jetzt vom eigenen Chaos ablenkt und die Schuld, die Debatte wieder in Richtung Koalitionspartner lenkt." Zudem relativierte Quadbeck die angeblichen Attacken aus der Union. Was CDU-Abgeordnete tatsächlich geäußert hätten, habe sich im Rahmen der Kritik bewegt, die Bas bereits vor ihrem Rückzug zu hören bekommen habe.

Gabriel warnt: "Wir schaufeln die Gräber der Volksparteien"

Der frühere SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel schlug bei Lanz einen differenzierteren Ton an als die aktuelle Parteiführung. Weder stellte er sich hinter Klingbeils scharfe Rhetorik, noch gab er der Union die alleinige Schuld. Konkrete Angriffe von Kanzler Friedrich Merz oder aus der Bundesregierung gegen Bas seien ihm nicht erinnerlich: "Man müsste sie selber fragen, was sie damit meint."

Gleichzeitig mahnte Gabriel beide Seiten zur Mäßigung. Ein Vizekanzler müsse stets abwägen, welches Maß an öffentlicher Kritik dem Koalitionspartner zumutbar sei. Das Bild, das Union und SPD derzeit abgäben, spiele ausschließlich der AfD in die Karten. Sein düsteres Fazit: "Wir schaufeln die Gräber der Volksparteien, auf denen dann die AfD tanzen wird."

Lanz-Zuschauer toben: "Propagandakanal" für die CDU

Auf der Plattform X fiel das Urteil vieler Zuschauer über die Sendung deutlich anders aus als in der Studiodiskussion. Zahlreiche Nutzer warfen Lanz vor, gezielt Gäste eingeladen zu haben, die seine eigene Sichtweise bestätigten. Ein Kommentator verglich die Sendung mit dem einst umstrittenen "Deutschland-Magazin" von Gerhard Löwenthal: Lanz' Talk werde "immer mehr zu einem Propagandakanal, in dem er seine Gesinnung auslebt".

Andere Nutzer monierten eine eklatante Schieflage: Während Lanz der SPD vorhalte, den Koalitionspartner nicht anzugreifen, bleibe die Frage unbeantwortet, weshalb die Union ihrerseits ständig gegen die Sozialdemokraten schieße. "WARUM GREIFT DANN DIE CDU den Koalitionspartner an?", brachte ein X-Nutzer die Frustration vieler auf den Punkt. Bas habe schlicht die Wahrheit ausgesprochen, hieß es in weiteren Beiträgen.

Schwesig als Bas-Nachfolgerin? Gabriel rät dringend ab

Während die Koalition noch mit den Nachwehen des Rücktritts ringt, nimmt die Debatte um die Nachfolge an der SPD-Spitze bereits Fahrt auf. Parteichef Klingbeil kündigte an, dass sich die gesamte Führung auf einem Winterparteitag zur Wahl stellen werde – an der Doppelspitze wolle man festhalten. Als aussichtsreichste Kandidatin für den frei gewordenen Co-Vorsitz gilt Manuela Schwesig. Ausgerechnet Gabriel erteilte dieser Option jedoch eine klare Absage. Den Spagat zwischen Ministerpräsidentenamt und tragender Rolle in einer Berliner Regierungskoalition hielt er für kaum leistbar: "Sie kann ja nicht Opposition in der Regierung spielen, wenn sie selber in Berlin ist." Das mache die SPD zwar gerne, sei aber "lebensmüde". Ob die schwarz-rote Koalition den eskalierenden Dauerkonflikt übersteht, dürfte sich nicht zuletzt daran entscheiden, wie schnell beide Seiten Gabriels Mahnung beherzigen – bevor die AfD tatsächlich auf den Gräbern der Volksparteien tanzt.

Die komplette Sendung "Markus Lanz" vom 13. Oktober 2026 finden Sie im ZDF-Streamingportal als Video-on-Demand.

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