Friedrich Merz: "Mir fehlen die Worte!" Arroganz-Vorwürfe nach Merz-Auftritt
Friedrich Merz räumt eine Vertrauenskrise der CDU ein und verspricht Veränderungen. Doch nach seiner Pressekonferenz werfen ihm Instagram-Nutzer Arroganz und mangelnde Selbstkritik vor. Besonders seine Aussagen zum Rücktritt von Bärbel Bas sorgen für Widerspruch.
Von news.de-Redakteurin Anika Bube - Uhr
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- Friedrich Merz räumt Fehler bei der Kommunikation der Reformvorhaben ein
- Bundeskanzler setzt AfD und Linke erneut gleich und kassiert heftige Kritik
- Merz weist Vorwürfe nach Rücktritt von Bärbel Bas zurück
Friedrich Merz stellte sich nach der zweitägigen Klausurtagung des CDU-Präsidiums am Montagnachmittag (12.10.2026) den Journalisten im Konrad-Adenauer-Haus und versuchte sich an Selbstkritik. Die Partei stecke in einem "Tief" und einer "Vertrauenskrise", räumte der CDU-Vorsitzende bei der Pressekonferenz ein. Man müsse nachsteuern und Veränderungsbereitschaft zeigen. Gleichzeitig machte Merz deutlich, dass sich die Welt nicht über ein Wochenende neu erfinden lasse. Die Beratungen seien von "großer Ernsthaftigkeit" und "großer Grundsätzlichkeit" geprägt gewesen. Im Zentrum standen drei Themen: bezahlbares Leben, mehr Gerechtigkeit und umfassende Sicherheit.
Dabei gestand der Kanzler offen ein, dass es der Regierung in den vergangenen Monaten nicht gelungen sei, ihre Reformvorhaben mit einer positiven Zukunftsperspektive für die Bevölkerung zu verknüpfen. Die Abstiegsängste und Härtebelastungen der Menschen seien zu wenig adressiert worden. Neben konkreten Entlastungsmaßnahmen kündigte Merz einen intensiveren Dialog mit der Parteibasis an.
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Fünf Milliarden Euro für ein gebrochenes Versprechen
Als konkretes Entlastungssignal präsentierte Merz die geplante Absenkung der Stromsteuer auf das europäische Minimum. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Regierung diese Maßnahme zugesagt, sie aber nie umgesetzt. Nun will die CDU diese "Glaubwürdigkeitslücke" endlich schließen, wie der Kanzler es formulierte. Die Rechnung dahinter: Rund fünf Milliarden Euro pro Jahr würde die Senkung kosten. Merz verwies auf gestiegene Wachstumsprognosen – von anfänglich 0,5 Prozent auf mittlerweile 1,3 Prozent für das laufende Jahr. Jeder Prozentpunkt Wirtschaftswachstum bringe dem Bund etwa fünf Milliarden Euro an zusätzlichen Steuereinnahmen, so seine Kalkulation. Neben der Stromsteuer nannte Merz auch die bereits beschlossenen Spritpreisentlastungen als wichtiges Zeichen. Die Devise für die kommenden Wochen fasste er in drei Worten zusammen: "Entscheiden, umsetzen und wirken lassen."
Nach Rücktritt von Bärbel Bas: Merz will nichts von öffentlichen Angriffen wissen
Während der Pressekonferenz äußerte sich Merz auch zum Rücktritt von Arbeitsministerin Bärbel Bas. Die SPD-Politikerin legte sowohl ihr Ministeramt als auch den SPD-Parteivorsitz nieder. Als Grund nannte sie den Tod ihrer Stieftochter. Gleichzeitig erhob sie Vorwürfe gegen den Koalitionspartner. In dieser schweren Zeit habe es weiterhin öffentliche Angriffe gegeben.Friedrich Merz zeigte sich in der Pressekonferenz überrascht. "Ich habe mit Frau Bas vor knapp drei Wochen das letzte Mal Kontakt gehabt, und ich habe ihr auch ausdrücklich geschrieben, dass sie sich bitte für die Zeit, die sie braucht, jetzt auch die Zeit nimmt", sagte der Bundeskanzler. "Habe sie ausdrücklich ermutigt und ermuntert, das zu tun, ihr auch da mein Mitgefühl zum Ausdruck gebracht." Und weiter: "Ich habe immer nur in Sachfragen mit ihr diskutiert, nie persönlich, und ganz besonders in den letzten drei Wochen, die für sie besonders schwer waren, auch von meiner eigenen Partei jede persönliche, auch christliche Rücksichtnahme auf sie eingefordert. Und ich kann nicht feststellen, dass wir dagegen verstoßen haben." Gleichzeitig räumt Merz aber auch ein: "Die CDU hat ihr Mitgefühl mit Frau Bas in den letzten drei Wochen immer zum Ausdruck gebracht. Wenn es Meinungsverschiedenheiten in der Sache gab, dann gab es sie, und dann sind sie auch ausgetragen worden, so wie es in der Sache notwendig war."
Magdeburg als Menetekel: Merz warnt vor Linksextremismus
Besonders deutlich wurde Merz auch beim Thema Extremismus. Die Wahl eines Parlamentspräsidenten mit Stimmen der extremen Rechten in Magdeburg bezeichnete er als "beispiellosen Vorgang". Dass dabei offenbar vier zusätzliche Stimmen aus nicht geklärter Quelle hinzukamen, beschäftige die Partei massiv. "Menschen, die so etwas tun, Abgeordnete, die die Hand reichen für eine solche Wahl, haben in der CDU keinen Platz", stellte der Kanzler klar. Doch Merz richtete seinen Blick nicht nur nach rechts. Mit gleicher Schärfe forderte er SPD und Grüne auf, ihre Verhandlungen mit der Berliner Linkspartei unverzüglich einzustellen. Im Abgeordnetenhaus existiere gemeinsam mit der CDU eine tragfähige Mehrheit. Besonders der verbreitete Antisemitismus in der Berliner Linken beunruhige ihn zutiefst. Eine Regierungsbeteiligung dieser Partei in der Hauptstadt wäre aus seiner Sicht eine klare Belastung für die schwarz-rote Koalition im Bund.
"Kommunikativer Totalschaden!" Friedrich Merz kassiert heftige Kritik auf Instagrm
In den sozialen Medien schlug Merz nach der Pressekonferenz eine Welle der Empörung entgegen. Auf Instagram häuften sich unter Video-Mitschnitten kritische Kommentare. "Ich habe Sie gewählt und bereue es zutiefst", schrieb ein Nutzer und kündigte an, der Partei bei der nächsten Wahl die Stimme zu verweigern. Andere warfen dem Kanzler Arroganz und mangelndes Einfühlungsvermögen vor – besonders im Umgang mit dem Rücktritt von Bärbel Bas. "Selbstkritik ist Ihnen ja fremd", lautete ein typischer Vorwurf. "Man denkt echt immer: es kann nicht schlimmer kommen, denn Merz hat schon den Tiefstand erreicht. Und immer wieder schafft er es, noch tiefer zu sinken. Mir fehlen die Worte", ist in einem weiteren Kommentar zu lesen. "Die CDU forciert eine Eskalation nach der anderen, um die SPD aus der Regierung zu drängen", vermutet ein anderer Instagram-Nutzer. "Herr Merz, Selbstkritik ist Ihnen ja fremd. Wenn Sie sich auch persönlich nicht so verhalten haben mögen, so hat Ihre Fraktion und Ihre Partei doch gegen jede Form der christlichen Nächstenliebe verstoßen. Aber mit christlichen Werten hat Ihre Politik und auch Ihre Partei ja eh nichts mehr zu tun. Traurige Zeiten, und kein Wunder, dass sich viele Menschen von Ihnen abwenden", heißt es in einem weiteren Kommentar. "Merz und die CDU sind nie an etwas schuld. Immer ist man selber schuld, oder andere. Signature-Move. Verachtenswert", meint ein anderer Nutzer.
Heftig umstritten war in der Kommentarspalte auch die Gleichsetzung von AfD und Linkspartei. Ein Kommentator brachte es auf den Punkt: Wer eine Partei für bezahlbaren Wohnraum mit einer faschistischen Bewegung gleichsetze, demonstriere "die Unfähigkeit von Merz und der CDU zur Führung dieses Landes". "Seine Angriffsphantasien insgesamt, als auch die Gleichsetzung von AFD und der LINKE, haben recht viel Verstörendes in sich. Seine CDU als 'Mitte' zu beschreiben, ist ebenfalls mittlerweile recht gewagt", ist in einem Kommentar zu lesen. "Wenn die Linke angeblich so linksextrem ist, warum ließ er sich von ihr überhaupt zum Bundeskanzler wählen?", fragt sich ein Nutzer. Rücktrittsforderungen an den Kanzler rundeten das Stimmungsbild ab.
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