Nach Abgang von Bärbel Bas: Wieso Politikerinnen in Krisen zum Hassobjekt werden

Der Hass auf Frauen macht nicht vor Politikerinnen Halt. Verbale Attacken sind für Bärbel Bas oder Annalena Baerbock nicht neu. Gerade in Krisenzeiten erlebten sie die Angriffe besonders intensiv. Wieso es ein Umdenken benötigt. Ein Kommentar.

Von news.de Redakteurin - Uhr

Bärbel Bas machte nach ihrem Abgang aus der Merz-Koalition die CDU-Partner für die öffentlichen Angriffe mit verantwortlich. (Foto) Suche
Bärbel Bas machte nach ihrem Abgang aus der Merz-Koalition die CDU-Partner für die öffentlichen Angriffe mit verantwortlich. Bild: picture alliance/dpa | Michael Brandt
  • Bärbel Bas beklagt Angriffe aus den Reihen der Union
  • Verbale Angriffe mit System - wieso gerade Politikerinnen Hetze erfahren
  • Wieso es mehr Mitgefühl braucht

Am 12. Oktober wagte Bärbel Bas einen Schritt, der hohe Wellen schlug. Sie gab ihre Posten als Arbeitsministerin und SPD-Chefin auf, um sich nach dem Tod ihrer Stieftochter zurückzuziehen. Dabei sagte sie etwas Bemerkenswertes: Sie sprach über die öffentlichen Angriffe, die sie aushalten musste – auch von Personen aus den Reihen ihres Koalitionspartners. Statt in ihrer Lage Mitgefühl zu bekommen, wurden diese wenigen Worte instrumentalisiert, und daraus eine Debatte geführt, die zum Streitthema in der schwarz-roten Koalition wurde. Dabei zeigt der Fall über die politische Linie hinaus eindrücklich: In Krisen wächst der Hass auf Politikerinnen aufs Unermessliche.

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Hass in Krisenzeiten - wie Mitgefühl für Politikerinnen wie Bärbel Bas abhandenkommt

Bärbel Bas ist derzeit das jüngste Beispiel, wie die Grenzen des Sagbaren während persönlicher Schicksalsschläge oder in herausfordernden Situationen überschritten werden. Das Opfernarrativ ist immer schnell weiblich, wie Annalena Baerbock nur allzu gut nachvollziehen kann. In ihrem Fall wurde der Wahlkampf im Jahr 2021 zum Spießrutenlauf. Frauenfeindliche Memes gipfelten in Kommentaren, die sogar ihre Familie angriffen. Im Fall der ehemaligen Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz Malu Dreyer wurde ihre Multiple-Sklerose-Erkrankung unterschwellig als Kritik genutzt, um ihr Führungsstärke abzusprechen.

Double Bind - die Anatomie der gezielten Hetze

Das hat System. Gerade Frauen in höheren Spitzenpositionen erleben nicht nur in den Kommentarspalten eines Social-Media-Beitrags, wie Frauenfeindlichkeit salonfähig wurde. Immer mit dem Ziel, sie durch geschickt gewebte Hetze zu degradieren. Hier kommt oft das Prinzip des Double Bind ins Spiel. Dieser Begriff zeigt die Verwerflichkeit, wie Frauen für jede ihrer Verhaftensweisen herabgewürdigt werden. Wenn sie stark für ihre Positionen eintritt, gilt sie schnell als "kalt". Zeigt sie Trauer oder Gefühle, wird ihr das als mangelnde Belastbarkeit angekreidet, so wie auch Bärbel Bas. Während sie trauerte, sollte sie Reformen liefern. Dabei war es nicht das Umsetzen, sondern die Wortwahl, die ihr Schwäche andichtete. Anders sieht es bei Männern in Führungspositionen aus. Eine klare Haltung attestiert ihnen Stärke und Schwäche ebenso: "Er zeigt Gefühle, wie toll". Dieser starke Gegensatz hält seit Jahrzehnten im Politibetrieb an.

Mehr Mitgefühl für Frauen in der Politik

Deshalb braucht es dringend einen anderen Umgang. Frauen erfahren seit jeher geschlechtsspezifische Gewalt. Damit meine ich hier nicht physische Formen, sondern vor allem die verbalen. Es benötigt einen empathischeren Umgang mit Politikerinnen in persönlichen Krisenzeiten. Wenn jemand die Angriffe thematisiert, sollte man im Bundestag und den Landtagen hellhörig werden und diese nicht als Grundlage für Zoff heranziehen. Frauen sind kein Streitobjekt. Mehr Mitgefühl im Umgang miteinander ist nicht schwer und sollte das Mindeste sein. Das gilt auch für die Wortwahl. Persönliche Angriffe verletzen nicht nur Frauen, sie stärken auch, wie wir mit ihnen umgehen. Wir brauchen einen anderen Weg, der Verfehlungen und Schwächen nicht dazu nutzt, um mit dem erhobenen Ziegefinger auf die Frauen in politischen Ämtern zu zeigen, sondern um sie zu bestärken, dass ihre Gefühle richtig und wichtig sind.

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