Ukraine-Krieg aktuell: Waffenruhe gescheitert? Kiew fürchtet Trumps nächsten Schritt

Kurz nachdem Donald Trump eine begrenzte Waffenruhe im Ukraine-Krieg verkündet hatte, soll Russland bereits dagegen verstoßen haben. Währenddessen hat sich der Ton zwischen dem US-Präsidenten und seinem Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj zuletzt immer weiter verschärft. Für Kiew birgt dies einer aktuellen Analyse zufolge jedoch weitere Gefahren.

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Zwischen dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj (l.) und seinem Amtskollegen Donald Trump (r.) herrscht momentan dicke Luft. (Foto) Suche
Zwischen dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj (l.) und seinem Amtskollegen Donald Trump (r.) herrscht momentan dicke Luft. Bild: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa/dpa
  • Russland soll laut der Ukraine gegen eine von Donald Trump verkündete Energie-Waffenruhe verstoßen haben
  • Wolodymyr Selenskyj hatte sich zuvor mit dem US-Präsidenten wegen dessen Annäherung an Moskau angelegt
  • Laut aktueller Analyse besitzt Trump weiterhin ein großes Druckmittel gegenüber Kiew

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen ist eine von Donald Trump verkündete Energie-Waffenruhe im Ukraine-Krieg offenbar gescheitert. Russland soll sich nicht daran gehalten haben. Währenddessen gibt es laut einer aktuellen Analyse von Paul Ronzheimer und Filipp Piatov für die "Bild" in Kiew mittlerweile eine "große Trump-Angst".

Donald Trump verkündete begrenzte Waffenruhe im Ukraine-Krieg - Kiew wirft Russland Verstoß vor

Trump hatte am Sonntagnachmittag auf Truth Social erklärt, beide Kriegsparteien hätten einem sofortigen Stopp aller Angriffe auf Energieanlagen zugestimmt. Nach Angaben aus Kiew attackierte das russische Militär jedoch kurz darauf die ostukrainische Stadt Charkiw mit Drohnen und Gleitbomben und traf dabei ein Heizkraftwerk schwer. Sechs Menschen seien verletzt worden. Unabhängig überprüfen ließen sich die Angaben nicht. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha erklärte auf X (vormals Twitter): "Russland hat unmittelbar nach Inkrafttreten gegen die Waffenruhe im Energiebereich verstoßen."

Bereits Mitte September war Trump mit einer nahezu identischen Ankündigung vorgeprescht – auch damals setzten beide Seiten ihre Angriffe fort. Von russischer Seite gab es diesmal bis zum frühen Montagmorgen keinerlei Stellungnahme. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj äußerte sich positiv über eine zunächst auf den Energiesektor begrenzte Waffenruhe. Seine Regierung sei dazu bereit. Nun brauche es die Zustimmung Russlands - und eine entsprechende Vereinbarung mit den USA.

US-Präsident forderte zuvor Ablösung von Wolodymyr Selenskyj

Trump hatte die Ukraine zuletzt mit einer Annäherung an Moskau vor den Kopf gestoßen. Der US-Präsident vereinbarte mit Kremlchef Wladimir Putin, dass russischer Diesel in die Vereinigten Staaten geliefert werden soll. Er warf Kiew vor, dass Angriffe auf russische Raffinerien zur globalen Dieselknappheit beigetragen hätten und forderte am vergangenen Wochenende sogar die Ablösung von Selenskyj. Dass die Rohöl- und Dieselpreise vor allem wegen des im Februar von den USA und Israel begonnenen Iran-Krieges explodiert sind, erwähnte Trump nicht.

In den USA stößt Trumps Kurs sowohl bei den Demokraten als auch bei den Republikanern auf Widerstand. Sieben Senatorinnen und Senatoren beider Parteien wehren sich in einem gemeinsamen Protestschreiben gegen den Diesel-Deal mit Moskau. "Präsident Trumps Entscheidung, russische Importe zu erlauben, steht im direkten Widerspruch zu diesem Gesetz", heißt es darin – gemeint ist ein 2022 verabschiedetes Importverbot für russische Energieträger.

Ein ukrainischer Regierungsbeamter stellte gegenüber "Axios" klar: Die Ukraine verfüge über lediglich eine einzige, nicht einmal voll funktionsfähige Raffinerie, während Russland ein gewaltiges Netz solcher Anlagen betreibe.

Selenskyj geht auf Konfrontation mit Donald Trump: Was sind seine Motive?

Selenskyj deutete den wachsenden Druck aus Washington – einschließlich der Forderung nach seiner Ablösung – als Zeichen der Ohnmacht. "Diese Leute können einfach keinen Weg finden, Putin zu stoppen", sagte er. Allein in dieser Woche habe Russland 200 Energieanlagen angegriffen, 153 Zivilisten getötet und rund 700 verletzt.

Laut der aktuellen "Bild"-Analyse wird über die Motive für Selenskyjs offene Konfrontation mit Washington selbst in Kiew gerätselt. Möglicherweise handelte er schlicht aus Empörung über die Sanktionslockerungen zugunsten Moskaus. Denkbar sei aber auch politisches Kalkül: Eine härtere Linie könnte die laufenden Gespräche mit Trumps Beratern beeinflussen. 

Analyse: Angst in Kiew vor ausbleibender US-Unterstützung im Konflikt mit Wladimir Putin

Dennoch herrsche in Kiew Sorge davor, welche weiteren Zugeständnisse Trump Wladimir Putin vor den wichtigen US-Zwischenwahlen Anfang November noch machen könnte. Zwar habe sich die Ukraine in den vergangenen zwei Jahren militärisch stärker an europäische Partner angelehnt. Doch bei einem entscheidenden Punkt bleibe Washington der Analyse zufolge unverzichtbar: Aufklärungsdaten über russische Raketen- und Luftabwehrstellungen ließen sich kaum anderweitig beschaffen. Laut "Financial Times" könnten die USA zudem den Weiterverkauf von Waffen blockieren, die Europäer für Kiew erworben haben. Vor dem Winter würde die ukrainische Führung verstärkte russische Angriffe auf die Energieversorgung befürchten – eine Massenflucht aus den Großstädten solle jedoch unbedingt vermieden werden.

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