Ukraine-Krieg aktuell: Neue Angriffe, Gebietsverluste, Verhandlungen - so könnte es für Putin weitergehen

Wie geht es im Ukraine-Krieg weiter? Die Journalistin Kateryna Lisunova glaubt, dass sich der Konflikt in den kommenden Monaten über drei Dimensionen ausbreitet. Während Wladimir Putin seine Angriffe auf ukrainische Städte fortsetzt und weiter Friedensverhandlungen führt, würden seine Truppen an der Front in immer größere Schwierigkeiten geraten.

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In welcher Form wird Wladimir Putin den Ukraine-Krieg fortführen? (Foto) Suche
In welcher Form wird Wladimir Putin den Ukraine-Krieg fortführen? Bild: picture alliance/dpa/Pool Sputnik Kremlin/AP | Alexander Kazakov
  • Ukrainische Journalistin prophezeit drei Dimensionen im Ukraine-Krieg
  • Dazu gehören fortgesetzte Angriffe auf ukrainische Städte und die zivile Infrastruktur
  • Zudem müssen russische Truppen an der Front weitere Gebietsverluste verkraften
  • Währenddessen führt Wladimir Putin weiter Friedensverhandlungen mit den USA

Wladimir Putin konnte auch nach mehr als viereinhalb Jahren keinen Sieg im Ukraine-Krieg erzielen. Westliche Experten warnen bereits, dass der Kremlchef den militärischen Konflikt künftig noch gewaltsamer führen könnte.Wie wird die Zukunft für Kiew aussehen? Die ukrainische Journalistin Kateryna Lisunova geht in einem aktuellen Meinungsbeitrag für den "Kyiv Independent" davon aus, dass man in den kommenden Monaten,"drei konkrete, unterschiedliche Entwicklungen des russischen Krieges in der Ukraine" beobachten werde.

Ukraine-Krieg aktuell: Journalistin spricht über drei Dimensionen

Als eine von drei Dimensionen nennt Lisunova die brutalen Angriffe auf ukrainische Städte, die Energieversorgung und zivile Infrastruktur. Zum anderen verzeichne die Ukraine an der Front bemerkenswerte militärische Erfolge, die das Bild eines angeblich übermächtigen Russlands ins Wanken bringen. Und dann wären da noch die diplomatischen Verhandlungen unter US-Führung, deren Logik sich immer schwerer mit der Realität auf dem Schlachtfeld in Einklang bringen lasse.

Wladimir Putin setzt Angriffe auf ukrainische Städte fort

Neben den mittlerweile fast alltäglichen Attacken auf die Energieversorgung, die Millionen Ukrainer in Dunkelheit stürzen, habe Russland laut Lisunova eine besonders perfide Taktik wiederbelebt: die gezielte Zerstörung von Brücken. Vor allem die Dnipro-Übergänge in Kiew stehen offenbar erneut im Fadenkreuz – mit dem Ziel, die Hauptstadt von ihrem linken Flussufer abzuschneiden. Die Journalistin verweist auf die Geschichte: Nach der kurzen ukrainischen Unabhängigkeit von 1917 bis 1921 ließ die sowjetische Armee systematisch die Kiewer Dnipro-Brücken sprengen. Die umfassendste Zerstörung erfolgte im Juni 1920 und kappte die Verbindung zum linken Ufer vollständig. Strategisch dienen diese Angriffe auf Zivilisten und historische Stätten vor allem einem Zweck: den Widerstandswillen der ukrainischen Bevölkerung zu brechen. "So schrecklich es auch klingen mag, die Zerstörung historischer Stätten und Angriffe auf Zivilisten sind zumeist Akte der Verzweiflung und des Schmerzes seitens des russischen Präsidenten Wladimir Putin", so Lisunova weiter.

Russische Streitkräfte verlieren an der Front an Boden

Denn währenddessen habe sich das Blatt an der Front für den Kremlchef gewendet. Zum ersten Mal seit 2023 büßen russische Truppen aktiv Territorium ein. Im Zentrum steht die ukrainische Gegenoffensive "Operation Vivaldi", bei der bislang mehr als 176 Quadratkilometer Gebiet befreit werden konnte. Technologisch setzt die Ukraine laut Lisunova dabei neue Maßstäbe. Die sogenannte "Gryphon"-Taktik der NC13-Einheit kombiniert schwere Bomberdrohnen mit unbemannten Bodenfahrzeugen – faktisch Kampfrobotern, die hinter feindlichen Linien Logistik und Personal angreifen. Seit Januar 2026 seien damit über 100 Einsätze durchgeführt worden, die zu erheblichen Verlusten auf russischer Seite geführt haben. Zudem kam erstmals die in der Ukraine entwickelte Kurzstreckenrakete FP-7 mit einer Reichweite von 200 bis 250 Kilometern zum Einsatz.

Putin will die USA bei Friedensverhandlungen von seinem Sieg in der Ukraine überzeugen

Die dritte Dimension des Krieges ist Lisunova zufolge zugleich "vielleicht die verwirrendste". Obwohl die Ukraine militärisch Boden gutmacht, scheine Putin derzeit die amerikanische Regierung überzeugen zu können, den Krieg doch noch zu gewinnen. Dabei würden angebliche Erfolge präsentiert, die auf dem Schlachtfeld nicht existieren. Putin zeige sich "als Verhandlungspartner mit der stärkeren Position". Die Ukraine werde hingegen mutmaßlich aus Washington unter Druck gesetzt, zu "kapitulieren". Europa wiederum, jahrzehntelang abhängig vom amerikanischen Sicherheitsschirm, fehle schlicht die militärischen Kapazitäten für eine eigenständige Antwort.

Putins Kalkül sei simpel: Entweder die Ukraine gibt nach – oder er tötet so viele Zivilisten wie möglich. Lisunova prophezeit: "Wir werden bedeutende ukrainische Erfolge auf dem Schlachtfeld und tief im russischen Territorium erleben. Wir werden schreckliche Verluste unter der ukrainischen Zivilbevölkerung durch russische Angriffe sehen, und wir werden das Scheitern von Verhandlungen zur Eindämmung des Aggressors miterleben."

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