Dmitri Medwedew: Einstiger Putin-Verbündeter nähert sich EU – Ex-Kremlchef droht mit "neuer Ukraine"

Mit drastischen Worten warnt Dmitri Medwedew vor dem politischen Kurs Armeniens. Der Putin-Hardliner sieht die zunehmende Annäherung an die EU mit großer Sorge und zieht dabei einen brisanten Vergleich zur Ukraine.

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Dmitri Medwedew mit Wladimir Putin (Foto) Suche
Dmitri Medwedew mit Wladimir Putin Bild: picture alliance/dpa/Pool Sputnik Kremlin/AP | Alexei Nikolsky
  • Dmitri Medwedew bezeichnet Armenien als eine mögliche "neue Ukraine"
  • Jerewan treibt die Annäherung an die EU voran und distanziert sich zunehmend von Moskau
  • Wladimir Putin und Sergej Lawrow warnen Armenien vor einem Bruch mit Russland

Dmitri Medwedew verschärft den Ton gegenüber Armenien. Der ehemalige Kremlchef warnt das Land offen davor, sich zu einer "neuen Ukraine" zu entwickeln. Hintergrund ist die zunehmende Annäherung Jerewans an die Europäische Union und die wachsende Distanz zu den von Moskau geführten Bündnisstrukturen. "Das Schlimmste, was Armenien passieren könnte, ist seine Verwandlung in eine neue Ukraine", erklärte Medwedew in einem Interview mit dem iranischen Staatsfernsehen am 4. Oktober.

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Der ehemalige russische Präsident warf dem Westen vor, die Beziehungen zwischen Moskau und Jerewan gezielt auf die Probe zu stellen. Die aktuelle armenische Führung habe sich bewusst für eine Veränderung der geopolitischen Ausrichtung des Landes entschieden. Er sei überzeugt, dass dieser Kurs "zu nichts Gutem führen" werde.

Mit dem Ukraine-Vergleich spielt Medwedew auf ein Land an, das sich seit der russischen Großinvasion 2022 im Krieg mit Moskau befindet. Die Drohung richtet sich unmittelbar gegen Armeniens wachsende Annäherung an die Europäische Union und die zunehmende Distanzierung von russisch geführten Bündnisstrukturen.

Armenien auf dem Weg in die EU – Dmitri Medwedew mit scharfer Drohung in TV-Interview

Der Hintergrund der scharfen Äußerungen aus Moskau ist die konsequente Hinwendung Armeniens nach Europa. Im März 2025 verabschiedete das armenische Parlament ein Gesetz, das den Prozess der europäischen Integration offiziell einleitete. Premierminister Nikol Paschinjan kündigte im August an, dass seine Regierung in Kürze mit den Vorbereitungen für einen formellen Antrag auf EU-Mitgliedschaft beginnen werde.

Im Mai fand in Jerewan erstmals ein Gipfeltreffen zwischen Armenien und der Europäischen Union statt. Europäische Staats- und Regierungschefs bekräftigten dabei ihre Unterstützung für die Souveränität des Landes. Zugleich betonten sie, dass die Zukunft Armeniens frei und demokratisch von seinen Bürgern bestimmt werden müsse.

Bereits zuvor hatte Jerewan eine EU-Beobachtermission an seiner Grenze zugelassen und die Zusammenarbeit mit den USA ausgebaut. Paschinjan räumte allerdings ein, dass ein möglicher EU-Beitritt auch Entscheidungen über Armeniens Verbleib in der russisch geführten Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) erfordern würde.

Putin warnt vor einem "Scheidungsprozess"

Auch Wladimir Putin erhöhte zuletzt den Druck auf Jerewan. Der Kremlchef verwies auf das bilaterale Handelsvolumen von sieben Milliarden Dollar im Jahr 2025. Gemessen am armenischen Bruttoinlandsprodukt von 29 Milliarden Dollar ist die wirtschaftliche Verbindung damit erheblich. Putin betonte zugleich, Armenien profitiere von den Vorteilen der Eurasischen Wirtschaftsunion – unter anderem in der Landwirtschaft, der verarbeitenden Industrie und bei Zollregelungen. Der russische Präsident regte an, Armenien solle über seinen künftigen Kurs ein Referendum abhalten. Sollte sich das Land dabei gegen Russland entscheiden, werde Moskau einen "sanften, intelligenten und beiderseitig vorteilhaften Scheidungsprozess" einleiten. Auch Putin zog dabei eine direkte Parallele zur Ukraine. Dort habe die Entwicklung mit dem Versuch eines EU-Beitritts begonnen. Russlands Außenminister Sergej Lawrow warf westlichen Staaten zudem vor, traditionelle Verbündete Moskaus gezielt abzuwerben.

Armenien streicht Russland als "strategischen Verbündeten"

Das Verhältnis zwischen Moskau und Jerewan hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert. Armenien hat seine Teilnahme an der von Russland geführten Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) eingefroren. Jerewan wirft dem Bündnis vor, die Sicherheitsinteressen des Landes nicht ausreichend berücksichtigt zu haben.

Besonders symbolträchtig ist die Wortwahl im neuen armenischen Regierungsprogramm für die Jahre 2026 bis 2031. Russland wird darin nicht mehr als "strategischer Verbündeter" bezeichnet. Statt von einer "strategischen Allianz" ist nun von einer "Transformation und Vertiefung der Partnerschaftsbeziehungen" die Rede.

Die armenische Regierung ordnet dies in ihre angestrebte ausgewogene Außenpolitik ein. Gleichzeitig hat Jerewan seine diplomatischen und sicherheitspolitischen Kontakte zu westlichen Staaten systematisch ausgebaut. Armenien betont dabei, die Diversifizierung seiner Außenbeziehungen sei eine souveräne Entscheidung. Zugleich wolle das Land weiterhin tragfähige Beziehungen zu Moskau unterhalten.

Moskaus Ukraine-Vergleich wird zum Muster

Medwedews jüngste Äußerungen sind kein Einzelfall. Bereits im Mai attackierte er Paschinjan direkt und warf dem armenischen Premierminister vor, sein Land auf denselben Weg wie die Ukraine zu führen. Im August legte Medwedew nach und erklärte, Armenien werde einen EU-Beitritt niemals erreichen, zugleich aber seine Beziehungen zu Russland und anderen EAWU-Mitgliedern nachhaltig beschädigen. Die Ukraine dient dabei zunehmend als Warnbeispiel in der russischen Rhetorik gegenüber Armenien. Moskau verbindet den proeuropäischen Kurs Jerewans mit der Gefahr eines politischen und wirtschaftlichen Bruchs mit Russland.

Für Armenien geht es dagegen um eine grundsätzliche Neuorientierung seiner Außen- und Sicherheitspolitik. Jerewan versucht, seine Abhängigkeit von Moskau zu verringern und gleichzeitig Beziehungen zu mehreren Partnern aufzubauen. Wie weit diese Entwicklung gehen wird, ist offen. Klar ist jedoch: Je stärker Armenien seine Beziehungen zur EU und zum Westen ausbaut, desto schärfer fällt die Reaktion aus Moskau aus. Medwedews "neue Ukraine"-Warnung ist dafür das bislang wohl drastischste Beispiel.

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