Sergej Lawrow: "Hätte anrufen können" – Putin-Minister lästert nach Wadephul-Treffen

Erstmals seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine haben sich die Außenminister Deutschlands und Russlands direkt getroffen. Johann Wadephul und Sergej Lawrow sprachen in New York rund 20 Minuten – eine Annäherung blieb aus. Anschließend machte Lawrow deutlich, wie wenig er von dem Gespräch hielt.

Von news.de Redakteurin - Uhr

Sergej Lawrow und Johann Wadephul haben sich am Rande der UN-Generalversammlung für ein 20-Minuten-Gespräch getroffen. (Foto) Suche
Sergej Lawrow und Johann Wadephul haben sich am Rande der UN-Generalversammlung für ein 20-Minuten-Gespräch getroffen. Bild: Michael Kappeler/dpa/dpa
  • Erstes Treffen seit 2022: Wadephul und Lawrow sprachen am Rande der UN-Generaldebatte rund 20 Minuten miteinander
  • Keine Annäherung: Wadephul sprach von einem intensiven Gespräch, betonte aber den grundlegenden Dissens
  • Russischer Außenminister sagte, Wadephul hätte ihn auch einfach anrufen können

Erstmals seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine haben sich die Außenminister Deutschlands und Russlands zu einem direkten Gespräch getroffen. Johann Wadephul (CDU) und Sergej Lawrow sprachen am Rande der UN-Generaldebatte in New York rund 20 Minuten miteinander. Eine Annäherung zeichnete sich dabei nicht ab. Anschließend stellte Lawrow den Sinn des Treffens öffentlich infrage.

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Johann Wadephul trifft sich mit Sergej Lawrow

Das Treffen von Johann Wadephul und Sergej Lawrow war das erste bilaterale Gespräch zwischen den Außenministern Deutschlands und Russlands seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022. Die Unterredung fand am Samstag am Rande der UN-Generaldebatte in einem Besprechungsraum der russischen Delegation im UN-Gebäude statt und dauerte gut 20 Minuten. Zum Abschluss gaben sich die beiden Minister die Hand.

Zuletzt hatte die damalige Bundesaußenministerin Annalena Baerbock im Januar 2022 mit Lawrow gesprochen. Bei ihrem Antrittsbesuch in Moskau war es am 18. Januar zu einem direkten Gespräch gekommen. Damals standen unter anderem die Spannungen rund um den russischen Truppenaufmarsch an der ukrainischen Grenze und eine mögliche Wiederbelebung des Normandie-Formats auf der Tagesordnung. Seit dem Beginn des Krieges gab es zwar Begegnungen deutscher und russischer Vertreter bei internationalen Veranstaltungen. Ein bilaterales Gespräch der beiden Außenminister auf dieser Ebene hatte es jedoch nicht gegeben.

Wadephul: "Es war ein intensives Gespräch"

Nach dem Treffen machte Wadephul deutlich, dass es keine grundlegende Annäherung gegeben habe. "Es war ein intensives Gespräch. Natürlich sind wir über wesentliche Punkte nicht einig geworden", sagte der Außenminister dem ZDF. Nach Angaben aus deutschen Delegationskreisen forderte Wadephul Russland zur Deeskalation auf und thematisierte auch den Angriff auf den Flughafen Leipzig/Halle sowie weitere sogenannte hybride Angriffe. Wadephul erklärte anschließend, er habe Lawrow auch deutlich gemacht, dass Deutschland trotz solcher Vorfälle an seiner Unterstützung für die Ukraine festhalte. Eine Rückkehr zu einem konstruktiveren Verhältnis sei grundsätzlich möglich, setze aus deutscher Sicht jedoch eine Bereitschaft Russlands voraus, den Krieg gegen die Ukraine zu beenden.

"Sie hätten mich einfach anrufen können": Lawrow spottet nach Außenminister-Treffen

Lawrow bewertete das Treffen anschließend deutlich anders. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur sagte der russische Außenminister, er habe von Wadephul keine neuen Positionen gehört. "Wenn man Berlins tägliche öffentliche Äußerungen betrachtet, habe ich nichts anderes gehört", sagte Lawrow. Besonders spöttisch kommentierte er die Art und Weise, wie Wadephul seine Positionen vorgetragen habe. "Sie hätten mich einfach anrufen und mir sagen können 'Lesen Sie meine Erklärung'." Damit stellte Lawrow den praktischen Nutzen des persönlichen Gesprächs infrage. Nach Angaben des russischen Außenministers hatte Wadephul seine Notizen herausgeholt und die aus Moskauer Sicht ohnehin bekannten deutschen Positionen vorgetragen.

Streit über die Frage, wer das Treffen angestoßen hat

Auch bei der Entstehung des Gesprächs gibt es unterschiedliche Darstellungen. Lawrow erklärte, Deutschland habe das Treffen erst am Vortag und damit kurzfristig angefragt. Nach einer anderen Darstellung hatten russische Vertreter zuvor über Drittstaaten signalisiert, dass Lawrow grundsätzlich zu einem Gespräch bereit sei. Die deutsche Seite sei darauf eingegangen. Eine eindeutige unabhängige Bestätigung, welche Version den Ausschlag gab, liegt bislang nicht vor.

Lawrow verband seine Darstellung mit dem Vorwurf, Wadephul habe von Russland im Gegenzug für das Treffen Zugeständnisse erwartet. Er habe den Eindruck gewonnen, dass die Botschaft unterschwellig gelautet habe: "Ich bin zu Ihnen gekommen, ich habe mich zu Ihnen herabgelassen." Diese Einschätzung stammt von Lawrow und gibt dessen Darstellung des Gesprächs wieder.

Wadephul: "Mit Gegnern muss man verhandeln"

Wadephul verteidigte das Treffen trotz der unterschiedlichen Positionen. In den ARD-"Tagesthemen" sagte er: "Mit Freunden muss man nicht verhandeln, mit Gegnern muss man verhandeln." Der Außenminister erklärte, zahlreiche Amtskollegen hätten ihn dazu ermutigt, den direkten Gesprächskanal nach Moskau wieder zu nutzen. Europa dürfe den Austausch mit Russland zudem nicht vollständig den USA überlassen. Gleichzeitig betonte Wadephul, dass der Grundsatz weiterhin gelte, nicht ohne die Ukraine über die Ukraine zu verhandeln. "Aber allen, die immer wieder sagen, Deutschland muss verhandeln, Deutschland muss mal mit Russland reden, denen erwidere ich jetzt: Das tun wir", sagte Wadephul in den "Tagesthemen". Russland zeige derzeit allerdings "bedauerlicherweise" keine Bereitschaft, eine konstruktive Verhandlungsposition einzunehmen, so der Außenminister.

Lawrow bekräftigt Russlands Kurs vor der UN

Kurz nach dem Treffen trat Lawrow vor der UN-Generalversammlung auf. Dabei warf er den europäischen Staaten vor, Friedensbemühungen für die Ukraine zu verhindern. Auch die Trump-Regierung sei an Verhandlungen interessiert, so Lawrow. Der russische Außenminister warf dem Westen zudem vor, die Ukraine mit Waffen zu versorgen und dadurch Angriffe auf Zivilisten und zivile Infrastruktur zu ermöglichen. Diese Darstellung ist Teil von Lawrows Rede; Russland selbst führt seit Februar 2022 einen Angriffskrieg gegen die Ukraine und setzt dabei unter anderem Raketen und Drohnen gegen ukrainische Städte ein. Einen grundlegenden Kurswechsel kündigte Lawrow nicht an. "Unser Kampf für Wahrheit und Gerechtigkeit wird bis zum Ende geführt", sagte er. Die militärischen Ziele Russlands würden erreicht. Zudem bezeichnete Lawrow den Westen als "Minderheit", die über Jahrhunderte auf Kosten anderer Ressourcen dominiert habe. Auch diese Aussagen sind als Position des russischen Außenministers einzuordnen.

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