Kanzler-Besuch in Kiew: Putin wollte Merz einschüchtern? Reiche äußert brisanten Verdacht
Während Friedrich Merz und Katherina Reiche Kiew besuchten, wurde die ukrainische Hauptstadt wiederholt von russischen Drohnen angegriffen. Die Wirtschaftsministerin glaubt nicht an einen Zufall und vermutet eine gezielte Einschüchterungsaktion von Wladimir Putin.
Erstellt von Anika Bube - Uhr
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Während Bundeskanzler Friedrich Merz und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche am Wochenende die ukrainische Hauptstadt besuchten, intensivierte Russland seine Luftangriffe auf Kiew massiv. Wiederholt heulten die Sirenen, mehrfach erlebte die deutsche Regierungsdelegation Raketenalarm am eigenen Leib. Die CDU-Politikerin Reiche sieht darin kein zufälliges Zusammentreffen. Im Podcast von "Bild"-Vize Paul Ronzheimer schilderte die Ministerin ihre Überzeugung, dass Moskau die Bundesregierung gezielt einschüchtern wollte. Die Attacken hätten in "großer Regelmäßigkeit" stattgefunden, Einschläge seien "sehr, sehr nah am Stadtzentrum" erfolgt.
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Angst als Waffe: Katherina Reiche sieht Kalkül hinter Putin-Attacken
"Ich rechne fest damit, dass die russische Führung genau wusste, wo sie treffen muss, um deutliche Zeichen zu setzen", erklärte Reiche. Das Vorgehen des Kremls bezeichnete sie als zynisch – es zeige, dass Russland keinerlei Rücksicht darauf nehme, wer sich gerade in der Stadt aufhalte.
Nach Einschätzung der Wirtschaftsministerin verfolgte der Kreml mit den Angriffen eine klare Strategie. Ziel sei es gewesen, die deutsche Seite zu verunsichern und diplomatische Fortschritte zu torpedieren. "Erschrecken, abschrecken, vielleicht Unsicherheit auslösen, vielleicht verhindern, dass Abkommen abgeschlossen werden, dass man sich der Solidarität versichert", zählte Reiche die mutmaßlichen Motive auf.
Die Ministerin betonte, dass das Schüren von Angst ein bewährtes Instrument der russischen Staatsführung sei. Mit den gezielten Einschlägen in unmittelbarer Nähe des Stadtzentrums habe Moskau demonstrieren wollen, dass niemand sicher sei – ungeachtet hochrangiger internationaler Gäste.
Reiche machte deutlich, dass sie die Angriffe als bewusste Provokation wertet. Die russische Seite wolle damit signalisieren, dass sie jede Form von Zusammenarbeit zwischen Deutschland und der Ukraine zu stören bereit sei.
Schnellere Drohnen bedrohen Ukraines Lebensadern
Reiche warnte zudem vor einem besorgniserregenden technologischen Fortschritt auf russischer Seite. Moskau habe es geschafft, seine ohnehin schnellen Drohnen durch den Einbau individueller Düsenantriebe noch weiter zu beschleunigen. Das erschwere die Abwehr erheblich.
Die Konsequenzen für die ukrainische Zivilbevölkerung seien gravierend: "Russland hat einen technologischen Sprung zugelegt", so die Ministerin. Stromnetze, Gasleitungen, Wasserversorgungsanlagen und Bahnstationen seien dadurch noch verwundbarer geworden. "Drohnen abzufangen ist komplizierter geworden", betonte Reiche.
Genau aus diesem Grund habe sie eine Delegation deutscher Unternehmer mit nach Kiew genommen. Gemeinsam sollten Wege gefunden werden, die lebenswichtige Infrastruktur des Landes vor dem bevorstehenden Winter besser gegen Putins Angriffe zu schützen. Der Schutz kritischer Versorgungseinrichtungen stand dabei im Mittelpunkt der Gespräche.
Ukrainische Bahn fährt sekundengenau – trotz Dauerbeschuss
Trotz der permanenten Bedrohung durch russische Angriffe zeigte sich Reiche beeindruckt von der Zuverlässigkeit des ukrainischen Schienenverkehrs. Obwohl ständig geschossen und gedroht werde, verlasse der Zug pünktlich den Bahnhof und erreiche den Kiewer Hauptbahnhof auf die Sekunde genau, schilderte die Ministerin ihre Erfahrung.
Dabei konnte sich Reiche einen Seitenhieb auf die heimischen Verhältnisse nicht verkneifen: "In Deutschland bist du schon froh, wenn die Richtung halbwegs stimmt und du am selben Tag ankommst", so die Wirtschaftsministerin im Podcast. Dass die ukrainische Eisenbahn unter Kriegsbedingungen derart zuverlässig funktioniere, unterstrich für Reiche die Widerstandsfähigkeit des Landes – und machte den Kontrast zu den bekannten Problemen der Deutschen Bahn umso deutlicher.
Korruption als Hürde auf dem Weg in die EU
Neben Sicherheitsfragen kam bei den Gesprächen in Kiew auch ein heikles Thema zur Sprache: die weitverbreitete Korruption in der Ukraine. Reiche berichtete, dass sie dieses Problem direkt mit Präsident Wolodymyr Selenskyj thematisiert habe. "Ja, natürlich muss man auch darüber sprechen und das tun wir auch", sagte die Ministerin.
Angesichts der milliardenschweren deutschen Hilfen für Rüstung und Infrastruktur forderte Reiche Transparenz über die Mittelverwendung: "Dann wollen wir sicher sein, dass dieses Geld auch genau dafür verwendet wird." Wer ernsthaft einen EU-Beitritt anstrebe, müsse das Korruptionsproblem zwingend in den Griff bekommen.
Selenskyj habe zugesagt, weiter an Reformen zu arbeiten. Reiche machte jedoch klar, dass bloße Versprechen nicht ausreichten. Deutschland werde auf "messbare Ergebnisse" bestehen, statt sich mit Absichtserklärungen zufriedenzugeben.
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bua/bos/news.de/dpa/stg
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