Putins geheime Biowaffen: Mysteriöser Todesfall sorgt für neue Spekulationen
Eine Forscherin ist tot, rund 200 Menschen stehen unter Beobachtung und die Todesursache ist weiterhin unklar. Ein möglicher Kontakt mit dem Pest-Erreger sorgt in Russland für Alarm. Gleichzeitig werden wegen Moskaus Biowaffen-Vorgeschichte brisante Fragen laut.
Erstellt von Anika Bube - Uhr
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- Daria Shipilova starb nach einer schweren Lungenentzündung in Sibirien
- Rund 200 Kontaktpersonen wurden nach dem Todesfall unter Beobachtung gestellt
- Der Fall weckt wegen Russlands Biowaffen-Geschichte neue Spekulationen
Der Tod der russischen Wissenschaftlerin Daria Shipilova nach einem Laborunfall mit Pest-Bakterien hat weltweit Alarm ausgelöst. Die Forscherin hatte ein Reagenzglas mit dem Erreger Yersinia pestis zerbrochen – jenem Bakterium, das im Mittelalter als "Schwarzer Tod" Millionen Menschen tötete. Shipilova entwickelte erste Symptome während einer Expedition in Sibirien, bei der sie mit pestverseuchten Eichhörnchen arbeitete. Infolge des Vorfalls wurden rund 200 Personen unter Quarantäne gestellt. Berichte in sozialen Medien über ein mögliches zweites Todesopfer verschwanden rasch wieder. Moskaus mangelnde Offenheit rund um den Vorfall hat bei Politikern und Wissenschaftlern erhebliche Befürchtungen geweckt. Wie der "Daily Star" schreibt, steht nun der Verdacht im Raum, dass sich der Unfall im Rahmen von Biowaffenforschung ereignet haben könnte. Nun warnen US-Behörden und Rüstungsexperten, dass Russland möglicherweise weit mehr als nur den Pest-Erreger waffenfähig gemacht hat.
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US-Außenministerium spekuliert über Weiterbetrieb sowjetischer Biowaffenlabore
Das US-Außenministerium stuft Russlands biologisches Waffenprogramm als "hochgradig leistungsfähig" ein. Laut einem Bericht aus dem Jahr 2024 hat Moskau biologische Einrichtungen aus der Sowjetära im Geheimen beibehalten. Russische Wissenschaftler seien in der Lage, Erreger herzustellen und für verschiedene militärische Zwecke einzusetzen. Die Liste der möglicherweise waffenfähig gemachten Krankheitserreger ist dabei erschreckend lang. Nach Angaben der US-amerikanischen Arms Control Association haben russische Forscher neben dem Pest-Erreger auch an Typhus, Q-Fieber, Pocken, Milzbrand, Venezolanischer Pferdeenzephalitis, Brucellose und dem Marburg-Virus gearbeitet.
Russland betreibe zudem aktiv Geheimhaltung, heißt es in dem Bericht des State Department. Dazu gehöre auch eine Gesetzgebung, die jegliche Offenlegung von Informationen über das frühere sowjetische Programm unter Strafe stelle. Zentrale militärische Bioforschungseinrichtungen blieben weiterhin unzugänglich.
Überläufer enthüllten Pest auf Marschflugkörpern
Das sowjetische Biowaffenprogramm blieb jahrzehntelang im Verborgenen – bis Ende der 1980er-Jahre einzelne Wissenschaftler in den Westen flohen. Der Forscher Vladimir Pasechnik setzte sich 1989 nach Großbritannien ab und berichtete von erschreckenden Projekten. In einem Labor nahe Leningrad, dem heutigen St. Petersburg, habe er an einem aerosolisierten Pest-Stamm gearbeitet, der auf einen Marschflugkörper montiert worden sei. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Anfang der 1990er-Jahre versprach der damalige Präsident Boris Jelzin, das Programm vollständig abzubauen. Dieses Versprechen scheint jedoch nie eingelöst worden zu sein. Zwar hat Wladimir Putin die Biowaffenkonvention unterzeichnet. Inwieweit er deren Bestimmungen tatsächlich einhält, bleibt nach Einschätzung amerikanischer Behörden jedoch völlig unklar. US-Vertreter gehen davon aus, dass Russland nach wie vor über umfangreiche offensive Fähigkeiten zur biologischen Kriegsführung verfügt.
Experten warnen vor expandierendem Biowaffenprogramm
Der US-Biosicherheitsexperte Ashish Jha, der Amerikas Covid-Reaktion leitete, wies darauf hin, dass das Labor, in dem Shipilova tätig war, "offiziell ein ziviles Institut" sei. "Aber Russland ist dafür bekannt, ein aktives militärisches Biowaffenprogramm zu unterhalten", erklärte er. Amerikanische Geheimdienste hätten öffentlich festgestellt, dass dieses Programm in den vergangenen Jahren erheblich ausgebaut worden sei.
Hamish de Bretton Gordon, ehemaliger Kommandeur des britischen ABC-Abwehrregiments, betonte vor allem die psychologische Dimension biologischer Waffen. "Der psychologische Aspekt ist fast mächtiger als der physische", sagte er. Aufgrund mangelhafter Kontrolle, besonders in Russland, könnten Wissenschaftler und Labore "für wirklich bösartige und gefährliche Aktivitäten genutzt werden". Es sei durchaus möglich, dass Russland ein aktives Biowaffenprogramm betreibe. "Wir wissen jetzt, dass ein pestähnlicher Erreger potenziell im Umlauf ist", warnte er.
Moskaus Geschichte tödlicher Anschläge auf Abtrünnige
Dass der Kreml bereit ist, tödliche Substanzen gegen Gegner einzusetzen, belegen mehrere Fälle der jüngeren Vergangenheit. 2006 wurde der nach Großbritannien übergelaufene Ex-Spion Alexander Litwinenko mit radioaktivem Polonium 210 vergiftet und starb drei Wochen später einen qualvollen Tod. 2018 reisten zwei russische Agenten nach Salisbury, um den ehemaligen Spion Sergei Skripal und dessen Tochter Yulia mit dem Nervenkampfstoff Nowitschok zu töten. Beide überlebten, doch die unbeteiligte Dawn Sturgess kam ums Leben, nachdem ihr Partner ein weggeworfenes Parfümfläschchen mit dem Gift fand und ihr schenkte.
Die EU machte Moskau zudem für den Giftanschlag auf den Oppositionellen Alexei Nawalny 2020 in Sibirien verantwortlich. Vor diesem Hintergrund haben US-Außenminister Marco Rubio und die Weltgesundheitsorganisation Russland aufgefordert, im Fall Shipilova vollständige Transparenz zu zeigen.
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bua/bos/news.de/stg
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