Umfrage-Hammer vor Wahl-Sonntag: SPD zieht an AfD vorbei – Merz muss um seine CDU bangen

Zwei Tage vor den Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin offenbart eine neue Umfrage enge Rennen. Im Nordosten hat die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig die AfD knapp überholt, in Berlin liegt die Linke vor der CDU.

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Zwei Tage vor der Landtagswahl in Meck-Pomm hat die SPD von Manuela Schwesig die AfD überholt. (Foto) Suche
Zwei Tage vor der Landtagswahl in Meck-Pomm hat die SPD von Manuela Schwesig die AfD überholt. Bild: picture alliance/dpa | Jens Büttner
  • In Mecklenburg-Vorpommern kommt die SPD auf 37 Prozent und liegt damit knapp vor der AfD mit 36 Prozent
  • In Berlin führt die Linke mit 22 Prozent vor der CDU mit 20 Prozent
  • Die CDU muss in Mecklenburg-Vorpommern mit 6 Prozent um den Einzug in den Landtag bangen

Zwei Tage vor den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin versprechen die jüngsten Umfragen der Forschungsgruppe Wahlen äußerst enge Duelle an der Spitze – mit jeweils unterschiedlichen Vorzeichen. Im Nordosten hat Ministerpräsidentin Manuela Schwesig mit ihrer SPD die AfD nach einer wochenlangen Aufholjagd knapp überholt. In der Hauptstadt kämpfen derweil die Linke und die CDU um den Einzug ins Rote Rathaus.

Für Bundeskanzler Friedrich Merz und seine CDU verheißen die Zahlen in beiden Ländern nichts Gutes. Seit Tagen wird über seine politische Zukunft diskutiert. Schwache Ergebnisse am Sonntag könnten den Druck auf den Regierungschef weiter verschärfen – zumal der AfD-Erdrutschsieg in Sachsen-Anhalt Anfang September die Union bereits erschüttert hat.

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Umfrage-Kracher in Mecklenburg-Vorpommern: SPD zieht knapp an der AfD vorbei

Laut der jüngsten Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF-"Politbarometer Extra" erreicht die SPD in Mecklenburg-Vorpommern mittlerweile 37 Prozent – ein Zuwachs von drei Punkten gegenüber der Vorwoche. Die AfD um Spitzenkandidat Leif-Erik Holm verliert dagegen einen Punkt und landet bei 36 Prozent. Dramatisch ist die Lage für die CDU im Nordosten: Mit lediglich 6 Prozent droht der Kanzlerpartei das Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde. Auch der bisherige Koalitionspartner der SPD, die Linke, gibt einen Punkt ab und steht bei 9 Prozent. Die Grünen verharren bei 5 Prozent und müssen ebenfalls um ihren Platz im Schweriner Landtag zittern. Das BSW liegt mit 4 Prozent noch weiter zurück. Ob die bisherige rot-rote Koalition fortgesetzt werden kann, ist offen. Möglicherweise wäre ein Dreierbündnis unter Einbeziehung der Grünen nötig – sofern diese den Sprung ins Parlament schaffen.

Schwesig-Effekt: 61 Prozent würden die Amtsinhaberin direkt wählen

Die SPD im Nordosten profitiert offenbar stark von der Popularität ihrer Ministerpräsidentin. Bei einer hypothetischen Direktwahl würden sich laut der ZDF-Umfrage 61 Prozent der Befragten für Schwesig entscheiden – AfD-Herausforderer Holm käme nur auf 30 Prozent. Im Wahlkampf setzte die 52-Jährige bewusst auf Distanz zur Bundespartei. Auftritte der SPD-Bundesvorsitzenden blieben weitgehend aus. Stattdessen setzt Schwesig beim heutigen Wahlkampfabschluss in Rostock auf Solidarität aus den Ländern: Die Ministerpräsidenten und Regierungschefs Anke Rehlinger aus dem Saarland, Dietmar Woidke aus Brandenburg, Peter Tschentscher aus Hamburg sowie Olaf Lies aus Niedersachsen unterstützen sie auf der Bühne. Auch die CDU in Mecklenburg-Vorpommern hält sich bei ihrem Wahlkampffinale von bundespolitischer Prominenz fern – angesichts der schwachen Umfragewerte eine nachvollziehbare Entscheidung.

Linke und CDU liefern sich Duell um das Rote Rathaus in Berlin

In Berlin zeichnet sich ein ebenso spannendes Rennen ab. Die Linke mit Spitzenkandidatin Elif Eralp führt in der aktuellen ZDF-Umfrage mit 22 Prozent knapp vor der CDU unter Stefan Evers, die auf 20 Prozent kommt. Dahinter folgt die AfD mit 18 Prozent, die Grünen erreichen 15 und die SPD 12 Prozent. Das BSW könnte mit 4 Prozent den Einzug ins Abgeordnetenhaus schaffen. Auch bei der bevorzugten Regierungschefin beziehungsweise dem bevorzugten Regierungschef trennen die beiden Favoriten nur Nuancen: 25 Prozent der Befragten nannten Eralp, 24 Prozent Evers. Grünen-Spitzenkandidat Werner Graf kam auf 12 Prozent. Da keine Zweierkoalition eine Mehrheit erreichen würde, gelten Dreierbündnisse als wahrscheinlichste Option – entweder aus CDU, Grünen und SPD oder aus Linken, Grünen und SPD.

Bundespolitiker geben sich beim Wahlkampffinale die Klinke in die Hand

Während SPD und CDU in Mecklenburg-Vorpommern auf bundespolitische Spitzenpolitiker verzichten, fahren andere Parteien im Nordosten schweres Geschütz auf. Die AfD schickt mit den Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla sowie dem Sachsen-Anhalt-Wahlsieger Ulrich Siegmund gleich drei prominente Köpfe nach Mecklenburg-Vorpommern. Die Grünen um Spitzenkandidatin Claudia Müller holen ihr Führungsduo Franziska Brantner und Felix Banaszak auf die Bühne. Die Linke setzt auf Fraktionschefin Heidi Reichinnek und das als "Silberlocken" bekannte Trio Dietmar Bartsch, Gregor Gysi und Bodo Ramelow.

Auch in Berlin treten bekannte Gesichter auf: Gysi unterstützt die Linke erneut, bei den Grünen erscheint Ex-Parteichefin Ricarda Lang, und das BSW setzt auf Gründerin Sahra Wagenknecht. SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach tritt gemeinsam mit dem früheren Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit auf.

Merz unter Druck: CDU droht in beiden Ländern ein Debakel

Die Landtagswahlen am Sonntag bilden den Abschluss eines turbulenten Wahljahres 2026 – und könnten für Kanzler Merz zum entscheidenden Prüfstein werden. Bereits Anfang September hatte der AfD-Triumph in Sachsen-Anhalt mit 44 Prozent die politische Landschaft erschüttert. Die Partei von Ulrich Siegmund holte dort mehr als doppelt so viele Stimmen wie die CDU.

Nun drohen dem Kanzler am Sonntag weitere Rückschläge: In Mecklenburg-Vorpommern kämpft seine Partei mit nur 6 Prozent ums parlamentarische Überleben, in Berlin reicht es trotz Platz zwei lediglich für 20 Prozent. Weitere schwache Resultate dürften die parteiinterne Debatte über die Zukunft des Regierungschefs noch einmal deutlich befeuern.

Die Forschungsgruppe Wahlen befragte für ihre Erhebungen zwischen dem 14. und 17. September jeweils über 1.300 Wahlberechtigte in beiden Bundesländern.

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