"Markus Lanz": "Das ist seine letzte Chance" - Journalist sieht Merz-Comeback schwierig
Friedrich Merz war in der ZDF-Sendung "Markus Lanz" allgegenwärtig. Die Debatte um den Kanzlertausch und mögliche Chancen für den Bundeskanzler, im Amt zu bleiben, spielte sich hoch. Ein Journalist sieht Probleme.
Von news.de-Redakteurin Sabrina Böhme - Uhr
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- Debatte um Friedrich Merz bei "Markus Lanz" vom 15. September 2026
- Merz schafft das Comeback nicht - Journalist sieht beim Kanzler einen Autoritätsverlust
- Psychotherapeut widerspricht der Debatte um den Kanzlertausch
Die Debatte um Friedrich Merz ist nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hochgekocht. In den Tagen danach wurde sogar über einen Kanzlertausch diskutiert. Der Bundeskanzler ist derzeit omnipräsent. So war er es auch am 15. September bei "Markus Lanz". Es entspann sich eine hitzige Diskussion darüber, ob der CDU-Chef noch eine Chance bekommt oder er aus den eigenen Reihen fliegt.
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"Markus Lanz" vom 15. September: Journalist offenbart Merz' Autoritätsverlust
Kaum ein Thema prägt die Schlagzeilen gerade so wie die Causa Merz. Zu den ohnehin schon medial aufgeputschten Debatten gießt Journalist Michael Bröcker noch Öl ins sprichwörtliche Feuer. Man traue Merz nicht mehr zu, dass er die Kraft und Autorität und Zustimmung in seiner eigenen Partei hat, diese auch durchzusetzen. Der Autoritätsverlust ist eklatant. "Das habe ich noch nie erlebt", erzählte der Journalist. Bröcker bezog sich auf die letzten Umfragen. Man müsse sich fragen, ob es nicht an "diesem Kanzler liegt", der aus "dieser Glaubwürdigkeitsfalle nicht mehr herauskommt", sagte er.
Falscher Kanzler für die Union, Neustart ohne Friedrich Merz?
Bröcker bedient das Narrativ eines Neustarts ohne Merz. "Der Neustart könnte eventuell mit einer schwarz-roten Regierung gelingen, wenn es einen anderen Kanzler gibt, der nochmal ein paar Dinge neu aufziehen darf. Der hat keine Probleme mit Frau Bas. Der hat keinen Ärger mit Herrn Klingbeil gehabt, auch nicht mit Christian von Stetten. Er sagt: 'Wir legen den Koalitionsvertrag zur Seite. Hier sind fünf Maßnahmen, die wir jetzt dringend brauchen." Für ihn sei Merz "der falsche Kanzler, der das Comeback jetzt noch schaffen kann". Lanz fragte daraufhin: "Die sind durch mit Merz?"
Bröcker bezog sich in seiner Antwort auf Telefonate mit Unions-Politikern sowie Ministerpräsidenten: "Ich habe keinen erlebt, der mir sagt: 'Hier ist der Plan von Merz, trau ihm das mal zu, warte mal ab, wir kommen da wieder raus, das sind die Maßnahmen, die er vorhat, das ist der Stil, den er verändern will. Er hat auch da eingesehen, dass er da falsch lag.' Keiner von denen hat mir einen Plan genannt, mit dem Merz wieder rauskommt. Außer wir machen weiter so", sagte er mit Verweis auf die vorherige Aussage von Grünen-Chefin Franziska Brantner. Der Widersacher sei im Moment die letzte große Stütze für Friedrich Merz. Als Widersacher nannte Lanz Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU), NRW-Ministerpräsidenten Hendrik Wüst und der Journalist erwähnte Innenminister Alexander Dobrindt (CSU). Der Moderator fragte, ob sie "miteinander nicht im Reinen seien".
Zoff zwischen Söder und Wüst?
Laut Bröcker habe Söder keine Lust auf Wüst. Der NRW-Ministerpräsident Wüst stehe unter Druck, angesichts der Landtagswahl in NRW, die er gewinnen soll. Bröcker betont die angebliche Zerrissenheit. Wüst müsse die Wahl gewinnen, dürfe aber nicht mit der zerrütteten Koalition in Berlin zusammenkommen und die Umfragen lasten auf ihm. Söder sei derzeit in vielen Interviews. Er sehe seine "letzte große Chance". SPD-Politiker Stegner steigt ein: Es gebe gerade zu der derzeitigen Regierung keine vernünftige Alternative: "Alles, was man machen könnte, wäre eine schwarz-blaue Koalition, Minderheitsregierung mit rechter Mehrheit oder Neuwahlen, weil sie es wieder nicht hinbekommen haben."
Stegner fordert mehr Selbstkritik
Stegner widerspricht dem Journalisten: Es werde darüber geredet, wie die Wähler von der AfD zurückgewonnen werden können. Es verlangt Selbstkritik. Es braucht eine vernünftige Sprache und es müssen wichtige Themen wie Rente angesprochen werden. Man dürfe der AfD keine Themen überlassen. Er nannte die Friedenspolitik. An die Union gerichtet sagte der frühere Ministerpräsident Schleswig-Holsteins, dass sie Dinge professioneller betreiben müsse.
Journalist behauptet: Merz hat nur noch wenige Unterstützer
Später kam die Vertrauensfrage auf. "Wann wird er diese stellen?", fragte Lanz Bröcker. Zuletzt gab es Berichte dazu. Ob Merz bei der Präsidiumssitzung wirklich diese Frage stellt und möglicherweise seine Kanzlerschaft aufs Spiel setzt, bleibt abzuwarten. Bröcker verweist auf mehrere Probleme: Neben der Jungen Union seien es auch Politiker wie Hendrik Wüst oder Daniel Günther, die mit dem Kanzler hadern, behauptet der Journalist. Merz habe wenige verbliebene Unterstützer, die in Berlin glauben, der Bundeskanzler schaffe das Comeback.
Bröcker bringt Söder als möglichen Kandidaten ins Spiel, weil dieser derzeit eine konstante in der medialen Berichterstattung ist - und "Merz nicht angezählt hat". Er wisse, behauptet der Journalist, er sei der ideale Kandidat.
Präsidiumssitzung für Merz die letzte Chance
Er benennt die Probleme der Union: Junge Union, Christian von Stetten, Hendrik Wüst, aber auch Daniel Günther. "Die hadern alle mit ihrem Kanzler. Bröcker spekuliert, dass zwei Szenarien eintreten können. Merz erhält von ihnen die volle Solidarität oder "wir haben einen Plan, lieber Friedrich, mit dir geht es nicht weiter".Lanz wollte von ihm wissen: "Kann es sein, dass am Sonntagabend Schluss ist?" Bröcker sagte daraufhin: "Er will sie hinter sich scharen. Das ist seine letzte Chance".
Hitzige Diskussion bei Lanz – Psychotherapeut glaubt nicht an Kanzlertausch
Psychotherapeut Manfred Lütz schaltet sich ein. Er ist gegensätzlicher Meinung zu Bröcker. Es müsse besprochen werden, wieso unsere Demokratie für viele nicht mehr attraktiv sei. Das, was Bröcker erzählt hat, sei ein Grund dafür, dass die Demokratie nicht mehr attraktiv sei. "Die sind doch nicht vom wilden Affen gebissen, jetzt den Kanzler auszutauschen." Er verweist auf Gespräche mit anderen Journalisten. "Das wird nicht sein." In einem Punkt ist er bei Bröcker: Dass Merz die Vertrauensfrage nach drei Wahlen stellt, hält er für möglich.
Lütz gibt zu bedenken: "Wenn wir dauernd solche dramatisierten Geschichten erzählen und nicht mehr wirklich über die Politik und Storys über die Demokratie. Für den Psychiater sei die Regierung besser als berichtet werde. Er verweist auf die Außenpolitik des Kanzlers. Er habe Angst, dass sich die Kinder später fragen, wie die Demokratie gegen die Wand gefahren werden konnte.
Debatte neu denken - wie lassen sich AfD-Wähler zurückholen?
Die Grünen-Chefin will lieber darüber diskutieren, "wieso Bürger glauben, dass es morgen nicht besser wird". Sie betont, dass viel passiert, was viele nicht wissen. Die Diskussionen sollten sich vor allem um Themen drehen, die einige Leute wieder "motiviert".
Der Psychotherapeut spricht sich für einen neuen Ansatz in dieser Debatte aus und weicht damit von Merz und dem auf ihn gerichteten Fokus ab. Er müsse nicht nur Lösungen geben. Es geht für ihn darum, wie die Wähler von der AfD zurückgeholt werden können. Diese als rechtsextrem zu betiteln, findet er aus psychologischer Sicht falsch. Man sollte in AfD-Wähler und in Funktionäre unterscheiden.
Die aktuelle Ausgabe von "Markus Lanz" können Sie in voller Länge in der ZDF-Mediathek als Video-on-Demand sehen.
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