Harald Schmidt: Entertainer (69) mit Knall-Ansage nach Sachsen-Anhalt-Wahl

44 Prozent für die AfD in Sachsen-Anhalt – und Harald Schmidt zuckt nicht mal mit der Wimper. Im Gegenteil: Der Entertainer verspottet die "untergehenden Altparteien", verteilt Noten für den Wahlkampf und erklärt, warum ausgerechnet die Generation 65 plus CDU und SPD vor dem völligen Absturz bewahrt.

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Entertainer Harald Schmidt (69) hat nach dem Erdrutsch-Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt keine Angst. (Foto) Suche
Entertainer Harald Schmidt (69) hat nach dem Erdrutsch-Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt keine Angst. Bild: picture alliance/dpa/Rolf Vennenbernd
  • Harald Schmidt reagiert gelassen auf den AfD-Erdrutschsieg in Sachsen-Anhalt
  • Mit provokanten Aussagen sorgt der Entertainer zum Rechtsruck für Aufsehen
  • Moped gegen Fahrrad – Schmidt lästert über Siegmund und Klingbeil
  • Auch Kanzler Friedrich Merz bekommt eine gehörige Portion Spott ab

Während halb Deutschland nach dem AfD-Erdrutschsieg in Sachsen-Anhalt, dessen Ergebnis sogar Altkanzlerin Angela Merkel zu einem traurigen Statement bewegte, noch den Schock verdaut, gibt sich Entertainer Harald Schmidt (69) demonstrativ unbeeindruckt. Im Podcast "Studio 9 – der Tag mit ..."kommentierte der 69-jährige Entertainer das 44-Prozent-Ergebnis der AfD mit entwaffnender Nüchternheit.

Harald Schmidt reagiert auf Sachsen-Anhalt-Wahl gelassen

"Es sind eben Wahlen und dann gibt es Ergebnisse", so Schmidt. Wer damit nicht einverstanden sei, müsse entweder Wahlen abschaffen oder die Resultate im Voraus bestimmen. Sorgen wegen des Rechtsrucks? Fehlanzeige. "Ich würde mir gerne Sorgen machen, aber ich mache mir keine", erklärte er. Dass viele Menschen Ängste hätten, könne er nachvollziehen – "ich bitte aber um Entschuldigung dafür, dass ich keine habe".

Der Auftrittsort war dabei kein Zufall: Am kommenden Sonntag, dem 20. September, steht in Mecklenburg-Vorpommern die nächste Landtagswahl an – und auch dort führt die AfD in den Umfragen.

Hähme für CDU und SPD: "Wir sind die Einzigen, die euch noch wählen"

Besonders die etablierten Parteien bekamen Schmidts beißenden Sarkasmus zu spüren. Mit einer direkten Ansprache wandte er sich an CDU, SPD, Grüne und FDP: "Liebe traditionelle, zum Teil untergehende Altparteien: Seid lieb zu uns, Generation 65 plus, wir sind die Einzigen, die euch noch wählen." Die Nachwahlbefragung von infratest dimap stützt diese Pointe durchaus: In der Altersgruppe ab 70 Jahren erzielten CDU mit 30 Prozent und SPD mit 13 Prozent ihre jeweils stärksten Werte – obwohl selbst dort die AfD mit 31 Prozent vorn lag.

Den Grund für die Treue der älteren Wählerschaft lieferte Schmidt gleich mit – natürlich nicht ohne Häme: "Weil wir natürlich mit den Gelenken gar nicht weiter runterkommen auf dem Wahlzettel. Wir machen das Kreuz einfach oben, da geht es noch einigermaßen." Seine Schlussfolgerung: "Also Finger weg von unseren Renten."

Knall-Ansage von Schmidt - Anerkennung für AfD-Spitzenkandidat Siegmund

Anerkennung fand der Entertainer, ganz im Gegensatz zu Grünen-Politikerin Ricarda Lang, die im Netz deftige Worte fand, hingegen für den Wahlkampf des AfD-Spitzenkandidaten in Sachsen-Anhalt. Ulrich Siegmund habe sich echte Glaubwürdigkeit erarbeitet, befand Schmidt und attestierte ihm "Street Credibility". "Ulrich Siegmund auf dem Moped – glaubhaft, egal, wie sie politisch zu ihm stehen", urteilte er. Parteiübergreifend sei diese Authentizität aufgefallen.

Den direkten Gegenentwurf lieferte Schmidt mit einem Seitenhieb gegen SPD-Chef Lars Klingbeil. Dessen öffentliche Inszenierung auf dem Fahrrad wirke alles andere als natürlich: "Lars Klingbeil auf dem Fahrrad sieht aus, als ob der Medienberater gesagt hat: 'Mach ihm für das Foto die Stützräder weg.'" Der Kontrast zwischen volksnah wirkendem Moped-Wahlkampf und durchgestylter Partei-PR hätte kaum schärfer ausfallen können – zumindest in Schmidts Darstellung.

Empathie-Training mit Hindernissen - Schmidt ergreift für Merz Partei

Auch Kanzler Friedrich Merz blieb von Schmidts Spott nicht verschont – bekam allerdings eine unerwartete Portion Mitleid obendrauf. Der Regierungschef stecke in einer "schwierigen Phase", konstatierte der Entertainer. Egal was Merz tue, es werde gegen ihn ausgelegt: "Kommt er zu den Bränden, heißt es: Er steht nur rum. Kommt er nicht, heißt es: Er interessiert sich nicht." Hintergrund ist die Kritik an Merz' Verhalten während der Waldbrände in Nordrhein-Westfalen – der Kanzler hatte seinen Urlaub zunächst nicht unterbrochen und wurde bei seinem späteren Besuch vor Ort von Anwohnern ausgebuht.

Dass Merz nun an seiner empathischen Wirkung feilen wolle, quittierte Schmidt mit einer selbstironischen Spitze: Das gestalte sich schwierig, "wenn man sie nicht wirklich hat – ich weiß, wovon ich rede".

Schmidts Auftritt fällt in eine politisch hochbrisante Phase: Am kommenden Sonntag wählt Mecklenburg-Vorpommern einen neuen Landtag, und die Umfragen verheißen für CDU und SPD wenig Gutes – die AfD liegt auch dort an der Spitze. Ob Schmidts Gelassenheit angesichts der Ergebnisse dann noch als erfrischend unaufgeregt oder als fahrlässig sorglos wahrgenommen wird, dürfte nicht zuletzt vom Wahlausgang in Schwerin abhängen.

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