Friedrich Merz vor dem Kanzler-Knall: "Stützen oder stürzen" - jetzt soll die CDU über seine Zukunft entscheiden

Friedrich Merz steht massiv unter Druck. Nach den Wahlen am 20. September will der Kanzler offenbar die CDU-Spitze zum Macht-Showdown versammeln. Seine Botschaft: Entweder die Union trägt seinen verschärften Reformkurs mit – oder sie muss über einen Nachfolger sprechen.

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"Stützen oder stürzen": Friedrich Merz wagt ein riskantes Machtspiel. (Foto) Suche
"Stützen oder stürzen": Friedrich Merz wagt ein riskantes Machtspiel. Bild: picture alliance/dpa | Michael Kappeler
  • Merz plant nach den Wahlen ein Krisentreffen der CDU-Spitze
  • Kanzler plant laut Medienbericht eine "indirekte Vertrauensfrage"
  • Wüst, Söder und Dobrindt gelten als mögliche Merz-Nachfolger

Friedrich Merz steht vor einem brisanten Macht-Showdown. Nach Informationen von "Table Media" will der Kanzler am Wahlsonntag des 20. September das CDU-Präsidium in der Berliner Parteizentrale versammeln. "Table Media" spricht von einer "indirekten Vertrauensfrage". Die Botschaft an die Unionsspitze könnte kaum deutlicher sein: Entweder die Parteiführung trägt den verschärften Reformkurs des Kanzlers mit – oder sie muss über einen Nachfolger entscheiden.

Friedrich Merz: Kanzler stellt CDU-Spitze nach den Wahlen vor Machtentscheidung

Intern kursiert dafür offenbar die Formel "stützen oder stürzen". Besonders die Ministerpräsidenten Hendrik Wüst und Boris Rhein sollen durch diesen Vorstoß zum Bekenntnis gezwungen werden. Formal handelt es sich dabei nicht um eine echte Vertrauensfrage – die kann Merz nur im Bundestag stellen, wie "Bild" unter Berufung auf Parteikreise berichtet. Doch der politische Druck, den der Kanzler damit aufbaut, ist kaum geringer.

Merz unter Druck: Union stürzt auf 18 Prozent

Die Zahlen sprechen eine brutale Sprache. Laut aktueller YouGov-Sonntagsfrage ist die Union auf ein historisches Tief von 18 Prozent abgestürzt, während die AfD mit 29 Prozent unangefochten an der Spitze steht. Gleichzeitig schwindet der Rückhalt für die sogenannte Brandmauer: Mittlerweile lehnen 51 Prozent der Befragten einen grundsätzlichen Ausschluss der AfD von Koalitionen ab, im August waren es noch 44 Prozent.

Den Auslöser der offenen Führungsdebatte bildete das Debakel bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vor rund einer Woche. Damals hielt die Partei öffentliche Kritik am Kanzler noch zurück – mit Verweis auf die bevorstehenden Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. In Unionskreisen heißt es nun, dieses Schweigen dürfe sich nicht wiederholen. Die Prognosen für Sonntag verheißen wenig Gutes: In Mecklenburg-Vorpommern steht die CDU bei sieben Prozent, in Berlin bei 20 Prozent – dort gleichauf mit der Linkspartei.

Wer käme als Merz-Nachfolger infrage?

Wer käme überhaupt als Merz-Nachfolger infrage? In der Union werden derzeit drei Namen gehandelt: NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst, CSU-Chef Markus Söder und – zunehmend – Bundesinnenminister Alexander Dobrindt als möglicher Kompromisskandidat. "In der Tat kann es eine Situation geben, in der wir drei potenzielle Nachfolger für Merz haben", zitiert "Bild" einen führenden Unionspolitiker. Dobrindt selbst weist entsprechende Fragen zurück.

Das Problem: Die Kandidaten neutralisieren sich gegenseitig. Ob Wüst tatsächlich antreten würde, gilt als unklar. Söder ist seit dem Machtkampf mit Armin Laschet 2021 in Teilen der CDU verbrannt – und hätte wenig Interesse daran, dass Parteifreund Dobrindt an Einfluss gewinnt. Hinzu kommt ein handfestes parlamentarisches Hindernis: Schwarz-Rot verfügt im Bundestag lediglich über zwölf Stimmen Mehrheit. Ein Kanzlerwechsel per Misstrauensvotum wäre entsprechend riskant.

Rückendeckung für Merz – doch die Zweifel wachsen

Ganz allein steht Merz allerdings nicht da. CDU-Mittelstandschefin Gitta Connemann springt dem Kanzler bei und erklärte gegenüber dem "Spiegel", dass es "Reformkanzler" nie "leicht" hätten. "Friedrich Merz kennt die Herausforderungen. Und hält trotzdem den Kurs." Auch Hessens Ministerpräsident Boris Rhein positionierte sich – wenn auch eher indirekt: "Unser Land braucht jetzt keine Personaldiskussionen, sondern entschlossenes Handeln und mutige Reformen."

Ein volles Bekenntnis zum Kanzler klingt freilich anders. Merz selbst scheint dennoch entschlossen, den Kampf aufzunehmen. Laut "Bild" weiß er allerdings auch, dass seine emotionale Bundestagsrede nach Attacken von AfD-Chefin Alice Weidel ein Fehler war. An diesem Dienstag hat er beim Unternehmertag des Groß- und Außenhandels die Chance, einen anderen Ton zu setzen.

"Stützen oder stürzen" – X diskutiert den Anfang vom Ende

Auf der Plattform X wird die geplante Präsidiumssitzung kontrovers kommentiert. Ein Nutzer zieht historische Parallelen: "Wenn ich indirekte Vertrauensfrage höre, denke ich an das politische Ende von Andrea Nahles. Sie wollte den Stier bei den Hörnern packen." Intern sei sie da aber bereits "sturmreif geschossen" gewesen. Andere spotten über die Wortwahl: Merz habe "nicht einmal den Arsch in der Hose, die direkte Vertrauensfrage zu stellen".

Manche fordern gleich den radikalen Schnitt – Vertrauensfrage im Bundestag und Neuwahlen, "da niemand in der aktuellen Regierung geeignetes Personal bieten könne". Besonders eine Einschätzung sticht heraus: Die "indirekte Vertrauensfrage" werde Merz zwar vermutlich retten, aber kaum stärken. "Nicht sein möglicher Sturz ist die Nachricht. Sondern dass seine Autorität längst begonnen hat zu schwinden."

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