Tino Chrupalla : "Seine Zeit ist abgelaufen" – AfD-Chef attackiert Merz scharf in TV-Talk

Erst heftiger Zoff mit Renate Künast, dann die knallharte Abrechnung mit Friedrich Merz: AfD-Chef Tino Chrupalla stellt dem Kanzler im ntv-Talk ein vernichtendes Zeugnis aus – und erklärt unmissverständlich: "Seine Zeit ist abgelaufen."

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Im ntv-Talk knöpfte sich AfD-Chef Tino Chrupalla nicht nur Grünen-Politikerin Renate Künast vor, sondern auch Bundeskanzler Merz. (Foto) Suche
Im ntv-Talk knöpfte sich AfD-Chef Tino Chrupalla nicht nur Grünen-Politikerin Renate Künast vor, sondern auch Bundeskanzler Merz. Bild: picture alliance/dpa | Christoph Soeder
  • Tino Chrupalla und Renate Künast geraten im ntv-Talk aneinander
  • AfD-Chef und Grünen-Politikerin liefern sich hitzigen Schlagabtausch
  • Bei Bundeskanzler Friedrich Merz teilen beide kräftig aus

Nach dem fulminanten Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt mit 43,8 Prozent der Stimmen kam es im ntv-Talk mit RTL-Politikchef Nikolaus Blome zum erwartbar explosiven Aufeinandertreffen: Wie die "Bild" berichtet, gerieten AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla und Grünen-Politikerin Renate Künastheftig aneinander.

Chrupalla vs. Künast im ntv-Talk: Erst fliegen die Fetzen – dann knöpfen sich beide Kanzler Merz vor

Chrupalla versuchte dabei, die Euphorie seiner Anhänger hinsichtlich einer raschen Regierungsübernahme zu bremsen – doch Künast ließ ihm kaum Raum dafür. Die ehemalige Landwirtschaftsministerin warf dem AfD-Chef Hetze vor und attackierte ihn für das permanente Schlechtreden der politischen Lage.

Bemerkenswert: In einem Punkt waren sich die beiden erbitterten Kontrahenten dann doch einig. Sowohl Chrupalla als auch Künast teilten kräftig gegen Bundeskanzler Friedrich Merz aus – wenn auch aus völlig unterschiedlichen Richtungen.

Chrupalla dämpft Erwartungen an schnelle Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt

Trotz des klaren Wahlsiegs trat Chrupalla bei der Frage nach einer Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt auffällig auf die Bremse. Erste Gespräche seien zwar bereits geführt worden, erklärte der AfD-Chef, doch man wolle zunächst die Ergebnisse der kommenden Landtagswahlen am Wochenende abwarten. "Wir sind hier absolut im richtigen Tempo, wir lassen uns aber auch nicht von den Medien treiben", so Chrupalla. Die nächsten Wochen müsse man Geduld haben.

Den Gesprächen wolle er nicht vorgreifen, betonte der Parteivorsitzende – es wäre "unredlich", bereits jetzt bestimmte Optionen auszuschließen. Gleichzeitig formulierte er einen klaren Anspruch: "Wenn wir regieren, müssen wir liefern." Diesen Druck wolle man sich von außen allerdings nicht auferlegen lassen.

Fahnen-Zoff und Hetze-Vorwurf:Tino Chrupalla und Renate Künast liefern sich heftigen Schlagabtausch

Chrupallas selbstbewusster Auftritt brachte Künast sichtlich in Rage. Als der AfD-Chef seinen Regierungsanspruch unterstrich, fuhr ihm die Grünen-Politikerin barsch dazwischen: "Dann hissen Sie die Deutschlandfahne!" Die sehe zwar schön aus, löse aber kein einziges Problem. Chrupalla konterte trocken: "Na, immerhin sagen Sie das." Künast winkte höhnisch ab: "Da müssen Sie früher aufstehen, um mich damit zu kriegen."

Richtig eskalierte die Debatte, als Chrupalla die Verantwortung für die Probleme im Land bei den bisherigen Regierungsparteien verortete – auch bei den Grünen. Die Wähler hätten mit 43,8 Prozent ein eindeutiges Urteil gesprochen. Künast warf ihm daraufhin erbost vor, seine Partei hetze "gegen Menschen" und rede von "linksgrün versifft".

Chrupalla spottet über die Grünen

Chrupalla bemühte sich im weiteren Verlauf des Talks, seine Partei als konstruktive Kraft darzustellen. Die AfD sei in den vergangenen Jahren stets offen für Kompromisse gewesen, wenn im Bundestag Anträge anderer Fraktionen eingereicht wurden. Sogar bei ein oder zwei Vorschlägen der Grünen habe man zugestimmt, betonte er. "Wenn es zum Wohle der Bürger ist, werden wir den Anträgen, egal von wem, zustimmen", versprach der AfD-Chef – und setzte dann die Spitze gegen Künast: "Das haben Sie bei den Grünen noch nie geschafft."

Zudem verwies Chrupalla auf die üblichen Schonfristen für neue Regierungen: "Selbst wir haben wie jede andere Regierung 100 Tage, und wir haben noch nicht einmal begonnen." Man habe den Regierungsauftrag schließlich gerade erst erhalten.

Chrupalla erklärt Merz für politisch erledigt

Bei aller Feindseligkeit untereinander fanden Chrupalla und Künast ein gemeinsames Ziel: Bundeskanzler Friedrich Merz. Der AfD-Chef sprach dem Regierungschef jede Zukunftsperspektive ab. Er wolle zwar nicht den "Guru spielen" und der CDU Ratschläge erteilen, doch eines stehe fest: "Seine Zeit ist abgelaufen."

Auch Künast rechnet mit dem Kanzler ab: "Herr Merz lebt in einem Paralleluniversum"

Künast ging sogar noch einen Schritt weiter und verspottete den Kanzler mit beißender Ironie. "Herr Merz lebt in einem Paralleluniversum", urteilte die Grünen-Politikerin. "Vielleicht ist bei ihm die Erde eine Scheibe." Auch die von der Bundesregierung eingeleiteten Reformen bei Rente und Gesundheit gerieten unter Beschuss – Chrupalla bezeichnete sie als klare Verschlechterungen für die Bürger, woraufhin Künast ihm vorwarf, "nekrophile Neigungen" zu haben und alles schlechtzureden.

Renate Künast und Chrupalla lieferten sich im TV-Talk einen heftigen Schlagabtausch. Einigkeit herrscht lediglich bei einem Thema: nämlich Kanzler Friedrich Merz. (Foto) Suche
Renate Künast und Chrupalla lieferten sich im TV-Talk einen heftigen Schlagabtausch. Einigkeit herrscht lediglich bei einem Thema: nämlich Kanzler Friedrich Merz. Bild: picture alliance/dpa | Marco Rauch

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