Blamage für Wladimir Putin: Putin verkündet falschen Sieg – Ukraine führt Kreml mit Geheim-Offensive vor

Wladimir Putin verkündete stolz die Eroberung von Swjatohirsk. Doch die Realität an der Front sieht offenbar völlig anders aus: Ukrainische Truppen kontrollieren die Stadt – und ein General führt den Kreml-Chef direkt vor.

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Ukraine führt Putin vor: Kreml feiert Eroberung, während Kiew die Stadt kontrolliert. (Foto) Suche
Ukraine führt Putin vor: Kreml feiert Eroberung, während Kiew die Stadt kontrolliert. Bild: picture alliance/dpa/Pool Sputnik Kremlin via AP | Alexander Kazakov
  • Putin behauptet die Eroberung von Swjatohirsk – doch die Stadt steht offenbar weiter unter ukrainischer Kontrolle
  • Eine monatelang weitgehend geheim gehaltene ukrainische Gegenoffensive brachte Kiew nördlich von Lyman Geländegewinne
  • Ein ukrainischer General meldete sich direkt aus Swjatohirsk – und verhöhnte die russische Führung

Wladimir Putin wollte Anfang September einen weiteren Erfolg seiner Armee feiern. 14 Siedlungen seien im vergangenen Monat unter russische Kontrolle geraten, verkündete der Kreml-Chef – darunter auch Swjatohirsk in der Region Donezk. Doch ausgerechnet diese Siegesmeldung entwickelt sich für Putin zum peinlichen Eigentor. Denn: Laut dem "Daily Beast" zeichnen aktuelle OSINT-Analysen und ukrainische Angaben ein völlig anderes Bild.

Ukrainische Gegenoffensive bleibt lange im Verborgenen

Nach Analysen unabhängiger OSINT-Experten läuft die ukrainische Gegenoffensive nördlich von Lyman bereits seit mehreren Monaten.Der Vorstoß wurde offenbar bewusst kaum öffentlich gemacht. Dadurch fehlten über Wochen Bilder und Videos, die den tatsächlichen Verlauf der Kämpfe hätten offenlegen können.

Nach den vorliegenden Analysen konnten ukrainische Truppen dabei bis zu 200 Quadratkilometer Territorium zurückgewinnen. Militäranalyst Emil Kastehelmi von der Black Bird Group bezeichnete die Operation als "den wichtigsten Angriff des Jahres".

Auch der OSINT-Analyst Clement Molin trug mit seinen später veröffentlichten Auswertungen dazu bei, das Ausmaß des ukrainischen Vorstoßes sichtbar zu machen. Die ungewöhnliche Informationszurückhaltung erschwerte es offenbar auch russischen Quellen, die tatsächliche Lage korrekt abzubilden.

Putin erklärt Swjatohirsk zum russischen Sieg

Besonders brisant wurde die Geschichte am 1. September. Putin erklärte bei einem Auftritt in Bischkek, russische Truppen hätten im vergangenen Monat 14 Siedlungen eingenommen – "darunter gestern die Stadt Swjatohirsk". Auch das russische Verteidigungsministerium verbreitete die entsprechenden Angaben.

Doch unabhängige Lagekarten bestätigten die angebliche Eroberung nicht. Die ukrainische Seite widersprach den russischen Angaben ebenfalls. Das Institute for the Study of War kam zu dem Schluss, dass Putins Darstellung nicht mit der beobachtbaren Lage übereinstimmte.

Damit steht eine unangenehme Frage im Raum: Wie genau ist der Kreml eigentlich über die eigene Frontlage informiert?

Ukrainischer General führt Putin vor

Die Antwort lieferte wenige Tage später Andrij Bilezkyj, Kommandeur des 3. Armeekorps. Am 7. September veröffentlichte er ein Video, das ihn mitten im Zentrum von Swjatohirsk zeigt. Im Hintergrund ist die Swjatohirsker Lawra zu sehen.

Seine Botschaft an die russische Führung fiel unmissverständlich aus: "Nehmt eure Clownsnasen und bunten Perücken ab. Hier gibt es keine russischen Soldaten."

Nach Angaben Bilezkyjs kontrolliert die 60. mechanisierte Brigade des 3. Armeekorps die Stadt vollständig. Er bezeichnete Swjatohirsk sogar als rückwärtigen Bereich der ukrainischen Truppen.

Für Putins Siegesmeldung ist das ein besonders bitterer Kontrast: Während der Kreml die Stadt als russische Beute präsentierte, stand ein ukrainischer General offenbar unbehelligt mitten in ihr.

Putins Informationsproblem wird zum Kreml-Risiko

Auch auf russischer Seite wurde die Diskrepanz zwischen den offiziellen Siegesmeldungen und der tatsächlichen Lage inzwischen thematisiert. Kreml-nahe Militärblogger machten Berichte lokaler Befehlshaber für die Fehlinformation verantwortlich.

Militäranalyst Kastehelmi sieht darin ein grundsätzliches Problem der russischen Befehlskette. "Natürlich wissen die russischen Einheiten und ihre Kommandeure, dass die Ukrainer Fortschritte machen – schließlich müssen sie Angriffe befehlen", erklärte er gegenüber "The Telegraph". "Aber irgendwann verwandelt sich die Realität vor Ort, während sie die Befehlskette hinaufwandert, und die oberste Führung ist zunehmend von den tatsächlichen Gegebenheiten an der Front abgekoppelt."

Genau darin liegt die eigentliche Brisanz des Swjatohirsk-Fiaskos: Sollte die Darstellung zutreffen, dass Informationen über ukrainische Geländegewinne auf dem Weg nach oben beschönigt werden, könnte Putins eigene Propagandamaschinerie für den Kreml zum Problem werden.

Denn ein Präsident, der Siege verkündet, während seine eigenen Truppen und Geheimdienste offenbar ein anderes Bild der Frontlage liefern, riskiert mehr als nur eine peinliche Schlagzeile.

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