Von news.de-Redakteurin Isabelle Wiedemeier - 08.04.2014, 09.56 Uhr

Inzucht im Zoo und bei Wildtieren: Sex bei Tieren - wie gefährlich ist Inzest?

Inzest, ein Wort, dass uns schaudern lässt. Doch was unter Menschen strikt verboten ist, hat uns bei Hunden viele tolle Rassen beschert. Im Zoo hingegen sterben dadurch reihenweise Löwen- und Tigerbabys. Nicht umsonst haben wilde Tiere ausgefeilte Tricks, um Inzest zu vermeiden. Doch selbst die Natur ist sich nicht einig: Ist Inzest böse oder gut?

Schon das Wort trägt das Böse in sich: Inzest ein absolutes Tabu, wird es gebrochen, wie von Patrick S. aus Leipzig, der mit seiner Schwester vier Kinder zeugte und dann vor Gericht vergeblich gegen das Inzest-Verbot kämpfte, ist der öffentliche Aufschrei garantiert.

Ohne Inzucht keine Hunderassen

Dabei hätte der Mensch ohne Inzucht keine Dackel, Rottweiler, Jack-Russell-Terrier oder Pudel. Denn die Entstehung der vielen Hunderassen verdanken wir nur der Paarung von Geschwistern und engen Verwandten: Irgendwann prägten die Tiere dann plötzlich neue Merkmale aus. Spitze Ohren, lockiges Fell, schmaler Schwanz, allerdings auch mal rote Augen...

Nicht immer geht es gut, generell aber gilt in der Wildnis wie beim Haustier: Erst durch eine gewisse Inzucht und die dazugehörigen Mutationen bilden sich verschiedene Arten oder Unterarten heraus.

FOTOS: Tierische Liebesrituale Tausche Sex gegen Fleisch

Bei Pferden zum Beispiel werden seit Jahrhunderten durch gezielte Inzucht besonders leistungsfähige Tiere gezüchtet. Alle Davenport-Araber haben eins der 14 «Gründungstiere» zum Vorfahren, bei 95 Prozent der englischen Vollblut-Hengste fließt das Blut des 1701 geborenen Stammvaters Darley Arabian in den Adern, schreibt die Tierzucht-Expertin Ines von Butler-Wemken.

Inzucht im Zoo: Tote Giraffe Marius in Kopenhagen, Tiger Ödipus in Köln

Wo der Mensch auf Gott macht, ist Inzucht schwer umstritten. Jung-Giraffe Marius wurde im Zoo Kopenhagen per Bolzenschuss getötet und den Löwen vorgeworfen, weil sich schon zu viele Tiere mit verwandten Genen im Zuchtprogramm tummelten. Die radikale Maßnahme gegen Inzucht kam jedoch nicht gut an.

Im August 2013 lagen im Kölner Zoo völlig überraschend drei Tigerbabys im Zwinger: Jungtier Jagor hatte seine Mutter Hanya bestiegen. Im kindlichen Spiel, dachten die Pfleger, doch Jagor war offensichtlich extrem früh geschlechtsreif. Eins der Tigerchen musste im Februar wegen epileptischer Anfälle eingeschläfert werden.

Potenter Nilpferd-Bulle Knautschke war Vater und Großvater in einem

Im Berliner Zoo wurde im Juli 2012 dem zweijährigen Löwe Miron die tödliche Spritze gesetzt, seine Eltern Aru und Aketi waren Geschwister. Nur eins ihrer neun gemeinsamen Babys überlebte. Die grüne Politikerin Claudia Hämmerling warf dem Zoo gezielte Inzucht vor. Der Berliner Senat gab daraufhin eine Verordnung gegen diese Praxis heraus.

Dabei hat der Berliner Zoo zumindest aus Zoo-Perspektive super Erfahrungen mit Inzucht gemacht. 1952 verlieh er seinen berühmten Nilpferd-Bullen und Weltkriegs-Überlebenden Knautschke nach Leipzig, der zeugte mit Kuh Gretel Tochter Bulette. Bulette zog nach Berlin und wurde die Mutter von mehr als 30 kleinen Nilpferden. Deren Vater: ihr eigener Vater Knautschke. 1988 musste der potente Bulle eingeschläfert werden: Beim Kampf mit einem seiner Sohn-Enkel wurde er schwer verletzt.

  • Seite:
  • 1
  • 2
Empfehlungen für den news.de-Leser