Friedrich Merz schweigt: Kanzler-Wirbel um Bundespräsidentenwahl – Ilse Aigner oder eigene Kandidatin?

Markus Söder macht Druck, die CSU demonstriert Geschlossenheit und Friedrich Merz schweigt. Mit Ilse Aigner haben die Christsozialen eine Kandidatin für das Bundespräsidentenamt präsentiert, die auch über Parteigrenzen hinweg Zuspruch erhält. Doch ob der Kanzler den Weg für sie freimacht, ist noch offen.

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Friedrich Merz hält sich bedeckt zu einer Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier. (Foto) Suche
Friedrich Merz hält sich bedeckt zu einer Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier. Bild: picture alliance/dpa | Sven Hoppe
  • CSU wirbt offensiv für Ilse Aigner als Nachfolgerin von Frank-Walter Steinmeier
  • SPD und Grüne sprechen sich für eine Frau im höchsten Staatsamt aus
  • Friedrich Merz schweigt bislang zur Kandidatenfrage, während in der CDU mehrere Namen kursieren

Ein Jubelsturm für Ilse Aigner, ein Kanzler ohne klare Ansage: Beim CSU-Parteitag in München wurde deutlich, wen die Christsozialen als nächstes Staatsoberhaupt sehen wollen. Als Friedrich Merz die bayerische Landtagspräsidentin namentlich begrüßte, erhoben sich die Delegierten von ihren Plätzen und spendeten minutenlang Applaus. Die Botschaft an den CDU-Chef war kaum zu überhören: Die CSU will Ilse Aigner ins Schloss Bellevue bringen. Während sich Merz bedeckt hält, werden in seiner eigenen Partei bereits Alternativen gehandelt.

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Bundeskanzler unter Druck: Markus Söder fordert das Bundespräsidentenamt für die CSU

Am 30. Januar 2027 wählt die Bundesversammlung ein neues Staatsoberhaupt. Da Frank-Walter Steinmeier nach zwei Amtszeiten nicht erneut kandidieren darf, läuft die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin auf Hochtouren. CSU-Chef Markus Söder (59) ließ keinen Zweifel daran, dass seine Partei bei der Besetzung des höchsten Staatsamtes berücksichtigt werden will. In 77 Jahren Bundesrepublik habe die CSU weder den Kanzler noch den Bundespräsidenten gestellt, betonte er in der ARD: "Eigentlich kann man schon mal argumentieren, dass wir jetzt auch ein bisschen dran wären." Einen Tag nach dem demonstrativen Jubel auf dem Parteitag legte CSU-Generalsekretär Martin Huber (48) nach: "Die CSU hat mit Ilse Aigner ein tolles Angebot gemacht." Noch deutlicher äußerte sich Ulrike Scharf (58), Chefin der bayerischen Frauen-Union: "Deutschland ist reif für eine Bundespräsidentin. Wir haben gesehen, wie sehr die CSU hinter Ilse Aigner steht. Ich wünsche mir, dass Ilse Aigner nominiert wird." Zudem verwies Scharf auf Unterstützung über Parteigrenzen hinweg. Sowohl bei den Grünen als auch bei der SPD gebe es Sympathien für eine Frau an der Staatsspitze und für Aigner.

Die CSU wünscht sich Ilse Aigner als neue Bundespräsidentin. (Foto) Suche
Die CSU wünscht sich Ilse Aigner als neue Bundespräsidentin. Bild: picture alliance/dpa | Sven Hoppe

SPD und Grüne unterstützen eine Frau im Schloss Bellevue

Tatsächlich erhält Aigner auch aus anderen politischen Lagern Zuspruch. Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) bezeichnete sie im ARD-"Bericht aus Berlin" als "sehr geeignete Kandidatin", die sowohl fachlich als auch menschlich überzeuge – auch "von der empathischen Grundeinstellung her". Zugleich betonte er, dass die Entscheidung über die Benennung bei der CDU und dem Kanzler liege. Grundsätzlich sprechen sich beide Koalitionspartner dafür aus, dass erstmals eine Frau das höchste Staatsamt übernimmt. SPD-Fraktionsgeschäftsführer Dirk Wiese (43) erklärte, es sei "an der Zeit, dass erstmals eine Frau dieses höchste Staatsamt übernimmt". Die frauenpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Jasmina Hostert, forderte dies laut "Süddeutscher Zeitung" sogar "auf jeden Fall".

Auch Grünen-Chefin Franziska Brantner bezeichnete eine Frau an der Staatsspitze als "überfällig". Damit erhält die Debatte um die Nachfolge Steinmeiers zusätzlichen Rückenwind. Allerdings bedeutet die grundsätzliche Unterstützung für eine Bundespräsidentin nicht automatisch, dass sich alle Beteiligten bereits auf Aigner als gemeinsame Kandidatin festgelegt haben.

Friedrich Merz schweigt zur Aigner-Kandidatur – CDU entscheidet später

Während die CSU ihre Wunschkandidatin offensiv ins Schaufenster stellt, hält sich Friedrich Merz zurück. In seiner Rede auf dem Parteitag ging der Kanzler mit keinem Wort auf die Frage ein, wer Steinmeier nachfolgen soll. Auch ein Bekenntnis zu Aigner blieb aus. Das Schweigen sorgt in der Schwesterpartei offenbar für Unmut. Nach Informationen der "Bild" wächst der Druck auf Merz, sich zur Kandidatenfrage zu positionieren. "Ich weiß es nicht", antwortete ein hochrangiger CSU-Vertreter genervt auf die Frage nach einem Zeitplan.

Aus der CDU kommen zwar positive Worte über Aigner, eine Festlegung auf die CSU-Kandidatin gibt es bislang aber nicht. Sachsens Ministerpräsident und CDU-Vize Michael Kretschmer bezeichnete sie als "ganz hervorragende Kandidatin". Zugleich verwies er darauf, dass auch andere Persönlichkeiten infrage kämen. Den Wunsch nach einer Frau im Amt unterstützt er ebenfalls: "Ich finde, es ist wirklich an der Zeit."

CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann betonte gegenüber der Münchner "Abendzeitung", dass ihre Partei ebenfalls über starke Kandidatinnen und Kandidaten verfüge. Laut Kretschmer will sich die CDU-Führung am 9. November positionieren.

Julia Klöckner, Karin Prien und Thomas de Maizière als Alternativen?

Doch welche Namen könnte Merz stattdessen ins Spiel bringen? Laut "Bild" werden in der CDU mehrere mögliche Kandidaten und Kandidatinnen diskutiert. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (53) gilt demnach als denkbare Option. Ihre Nominierung könnte allerdings die Suche nach einer parteiübergreifend tragfähigen Lösung erschweren. Auch Familienministerin Karin Prien (61) wird gehandelt, müsste jedoch mit Widerstand innerhalb der eigenen Partei rechnen. Selbst ein Mann kommt offenbar infrage: Ex-Innenminister Thomas de Maizière (72) wird ebenfalls als möglicher Kandidat genannt. Für die CSU dürfte er allerdings wegen seiner Nähe zur Flüchtlingspolitik der früheren Kanzlerin Angela Merkel kaum eine bevorzugte Wahl sein.

Darüber hinaus soll Merz mindestens drei weitere Frauen aus den Landesverbänden im Blick haben. Ihr Nachteil: Auf Bundesebene sind sie bislang wenig bekannt. Aigner hingegen ist seit ihrer Zeit als Bundeslandwirtschaftsministerin von 2008 bis 2013 bundesweit ein Begriff.

Ob die CDU tatsächlich eine eigene Kandidatin oder einen eigenen Kandidaten aufstellt oder sich am Ende auf Aigner verständigt, bleibt offen. Fest steht: Die CSU hat ihre Favoritin öffentlich in Stellung gebracht. Nun liegt es auch an Merz, wie die Union die Personalfrage für das höchste Staatsamt lösen will.

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