Korruption in Putins Armee: So schwächen Bestechung und Veruntreuung Russlands Truppen

Korruption erschüttert Wladimir Putins Armee: Hochrangige Militärs geraten ins Visier der Ermittler, während Soldaten an der Front von Bestechung und Erpressung berichten. Die Missstände könnten auch Russlands Kriegsfähigkeit schwächen.

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Korruption als Risiko für Russlands Kriegsführung (Foto) Suche
Korruption als Risiko für Russlands Kriegsführung Bild: picture alliance/dpa/Russian Presidential Press Service via AP | Uncredited
  • Korruptionsskandale und Festnahmen ranghoher russischer Militärs
  • Bestechung und Erpressung unter Soldaten an der Front
  • Die Folgen der Korruption für Putins Armee und den Krieg gegen die Ukraine

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Während Russland seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine fortsetzt, erschüttern immer wieder Korruptionsvorwürfe den russischen Militärapparat. Auf höchster Ebene geht es um mutmaßliche Veruntreuung und überteuerte Beschaffungsverträge. An der Front berichten Soldaten von Bestechung und Erpressung. Die Missstände werfen eine zentrale Frage auf: Wie tief reicht die Korruption in Putins Armee?

Milliarden für das Militär und zahlreiche Möglichkeiten für Betrug

Russland investiert enorme Summen in Militär und Sicherheitsapparat. Wo große staatliche Budgets verwaltet und Aufträge vergeben werden, entstehen zugleich Möglichkeiten für persönliche Bereicherung. Nach Einschätzungen von Transparency International ist Korruption in Russland ein anhaltendes strukturelles Problem. Der Krieg gegen die Ukraine und die damit verbundenen hohen Militärausgaben verschärfen die Risiken zusätzlich.

Korruption kann dabei unterschiedliche Formen annehmen: Verantwortliche können Gelder abzweigen, Aufträge zu überhöhten Preisen vergeben oder bei der Ausrüstung und Versorgung der Truppen sparen. Die Folgen reichen über finanzielle Schäden hinaus. Werden Schutzanlagen nicht ordnungsgemäß gebaut oder Soldaten mangelhaft versorgt, kann das auch die militärische Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.

Korruptionsskandal 2024: Mehrere ranghohe Militärs festgenommen

Im Frühjahr und Sommer 2024 geriet die russische Militärführung durch eine Reihe von Ermittlungen und Festnahmen unter Druck. Zu den prominentesten Fällen gehörte laut "Stern" die Festnahme des damaligen stellvertretenden Verteidigungsministers Timur Iwanow im April. Ihm wurden Korruptionsdelikte vorgeworfen. Auch weitere hochrangige Vertreter des Militärs und des Verteidigungsministeriums wurden festgenommen. Dazu zählten der Vizechef des Generalstabs, Wadim Schamarin, sowie Juri Kusnezow, der für Personalangelegenheiten im Verteidigungsministerium zuständig war.

Im Juli 2024 ordnete ein Moskauer Gericht Untersuchungshaft für den früheren Vizeverteidigungsminister Dmitri Bulgakow an. Er war in den ersten Monaten des Krieges für die materielle und technische Versorgung der Streitkräfte verantwortlich gewesen und 2022 aus seinem Amt entlassen worden.

Die Ermittler warfen Bulgakow vor, in ein System verwickelt gewesen zu sein, bei dem minderwertige Lebensmittel für die Truppen zu überhöhten Preisen beschafft worden sein sollen. Unter anderem sei Rindfleisch durch günstigere Fleischsorten ersetzt worden. Solche Praktiken können dazu führen, dass öffentliche Gelder in privaten Taschen landen, während die Soldaten nicht die Versorgung erhalten, für die der Staat bezahlt.

Bestechung im Alltag der Soldaten

Korruption beschränkt sich nach Berichten unabhängiger russischer Medien aber nicht auf die Führungsebene. Auch Soldaten sollen mit Bestechungsforderungen konfrontiert sein. Besonders während der Mobilmachung im Jahr 2022 entstand Berichten zufolge ein Schwarzmarkt für gefälschte Krankenscheine oder vermeintliche Möglichkeiten, einem Einberufungs- beziehungsweise Marschbefehl zu entgehen. Nicht jedes angebotene Geschäft war offenbar seriös: Teilweise sollen Betrüger Geld für Leistungen verlangt haben, die sie gar nicht erbringen konnten. Die Nachfrage nach solchen Angeboten zeigt dennoch, unter welchem Druck viele Menschen angesichts des Krieges und der Mobilmachung standen.

Erpressung an der Front: Geld gegen Schonung

Besonders drastisch sind laut "SRF" Berichte über mutmaßliche Erpressung innerhalb einzelner Militäreinheiten. Demnach sollen Soldaten Geld an Vorgesetzte zahlen, um gefährliche Kampfeinsätze zu vermeiden oder Fronturlaub zu erhalten. In den Berichten ist laut Russland-Korrespondent Calum MacKenzie beispielsweise von umgerechnet rund 10.000 Franken für die Vermeidung eines Kampfeinsatzes und etwa 5.000 Franken für Fronturlaub die Rede. Solche Beträge können für Betroffene und ihre Familien eine enorme Belastung darstellen. Wie verbreitet diese Praktiken tatsächlich sind, lässt sich nicht für jede Einheit feststellen.

Warum der Kreml gegen korrupte Militärs vorgeht

Die Festnahmen hochrangiger Funktionäre zeigen, dass die russischen Behörden zumindest in bestimmten Fällen gegen mutmaßliche Korruption vorgehen. Unter Verteidigungsminister Andrej Beloussow wurde 2024 ein verstärkter Fokus auf Misswirtschaft und mögliche Veruntreuung im Militär bekannt. Für die Führung in Moskau steht dabei nicht nur die Frage im Raum, ob staatliche Gelder gestohlen werden. Korruption kann auch die Kriegsführung schwächen: Wenn Ausrüstung fehlt, Lieferungen überteuert sind oder Soldaten nicht angemessen versorgt werden, leidet die Einsatzfähigkeit der Streitkräfte.

Auch Beschwerden von Soldaten über ihre Vorgesetzten sollen bei den Behörden eingegangen sein. In einigen Fällen kam es zu Entlassungen oder Festnahmen. Solche Maßnahmen zeigen, dass die Missstände für die Militärführung zu einem Problem geworden sind.

Warum Korruption in Putins System so schwer zu bekämpfen ist

Trotz Ermittlungen und Festnahmen bleibt die Bekämpfung der Korruption schwierig. Ein Grund liegt in den Strukturen des politischen Systems, in denen persönliche Netzwerke und Loyalitäten eine wichtige Rolle spielen können. Wer von bestehenden Verbindungen profitiert, hat möglicherweise wenig Interesse daran, diese Strukturen zu verändern.

Hinzu kommt ein politisches Dilemma: Werden Missstände in der Armee öffentlich, können sie das Vertrauen in die Führung und die Kriegsanstrengungen schwächen. Besonders Berichte über Erpressung an der Front könnten potenzielle Rekruten abschrecken, wenn diese befürchten müssen, dass ihnen versprochene Zahlungen oder Rechte vorenthalten werden. Die Verhaftung einzelner Funktionäre kann deshalb zwar ein Signal setzen, beseitigt aber nicht automatisch die Bedingungen, unter denen Korruption entsteht und gedeiht.

Korruption als Risiko für Russlands Kriegsführung

Die Korruptionsfälle in Putins Armee reichen von mutmaßlich manipulierten Beschaffungsverträgen bis zu Berichten über Bestechung und Erpressung im Frontalltag. Die Ermittlungen gegen ranghohe Militärs zeigen, dass die Probleme auch die Spitze des Verteidigungsapparats betreffen. Solange große Geldsummen, intransparente Strukturen und persönliche Abhängigkeiten zusammenkommen, dürfte es schwierig sein, Korruption vollständig einzudämmen. Für die russischen Streitkräfte geht es dabei nicht nur um verschwendete Milliarden, sondern auch um die Versorgung, Sicherheit und Einsatzfähigkeit ihrer Soldaten.

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