Wladimir Putin: Enthüllungen über Russlands Armee – diese Codes stehen für Tod und Gewalt
Ein neues Wörterbuch enthüllt die verstörende Sprache in Putins Armee. Hinter harmlos klingenden Begriffen verbergen sich brutale Praktiken, Gewalt und die Entmenschlichung von Soldaten.
Erstellt von Mia Lada-Klein - Uhr
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- Aus 6.739 Beschwerden entstand ein Wörterbuch mit 77 Militärbegriffen
- Codes wie "200er", "Nullung" und "Fleischsturm" stehen für Tod, Gewalt und Verluste
- Berichte schildern geheime Straflager und mutmaßlichen Missbrauch innerhalb der russischen Armee
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Ein neues Nachschlagewerk wirft einen erschreckenden Blick auf die Sprache innerhalb der russischen Streitkräfte. Ausgewertete Beschwerden von Soldaten und deren Angehörigen zeigen, wie Begriffe aus dem Militäralltag den Krieg sprachlich verharmlosen und Menschen auf nüchterne Codes reduzieren.
Tausende Beschwerden ausgewertet
Grundlage des sogenannten "Ethnografischen Wörterbuchs des Krieges" sind laut "Bild" 6.739 Eingaben russischer Soldaten und ihrer Familien an die Menschenrechtsbeauftragte Tatjana Moskalkowa. Die Dokumente wurden von der Anthropologin Alexandra Archipova und dem Psychologen Jurij Lapshin analysiert.
Das Ergebnis ist eine Sammlung von 77 Begriffen, die nach Einschätzung der Wissenschaftler einen Einblick in die Denk- und Sprachwelt innerhalb der russischen Armee geben.
Tote werden zu "200ern", Verwundete zu "300ern"
Besonders auffällig sind militärische Codes, mit denen Schicksale auf Zahlen reduziert werden. Gefallene Soldaten werden demnach als "200er", Verwundete als "300er" und Deserteure als "500er" bezeichnet – Begriffe, die ihren Ursprung im sowjetischen Militärjargon haben.
Ein weiterer Ausdruck lautet "Fleischsturm". Damit werden laut der Auswertung Angriffe beschrieben, bei denen Soldaten trotz hoher Verluste immer wieder gegen dieselben Stellungen geschickt werden.
"Nullung" und geheime Straflager
Zu den verstörendsten Begriffen zählt "Nullung". Während das Wort früher das Zurücksetzen eines Computers bezeichnete, soll es inzwischen für die mutmaßliche Tötung eines Soldaten durch eigene Kameraden oder Vorgesetzte stehen.
In den ausgewerteten Beschwerden berichten Betroffene zudem von Drohungen, "genullt" zu werden, wenn sie Befehle verweigerten, Urlaub beantragten oder persönliche Daten wie ihre Bankkarte nicht herausgaben.
Auch scheinbar harmlose Bezeichnungen wie "Grube" oder "Keller" erhalten in den Dokumenten eine düstere Bedeutung. Ehemalige Soldaten schildern darin inoffizielle Straflager innerhalb von Militäreinheiten, in denen Gefangene nach eigenen Angaben misshandelt, gedemütigt und über Tage festgehalten worden seien.
"Schmutziger Himmel" und "Übergang in die Unsterblichkeit"
Weitere Begriffe verdeutlichen nach Einschätzung der Autoren, wie der Kriegsalltag sprachlich beschrieben wird. Als "schmutziger Himmel" bezeichnen Soldaten demnach Gebiete, die dauerhaft von Drohnen überwacht werden und in denen jederzeit Angriffe drohen.
Besonders pathetisch wirkt die Formulierung "Übergang in die Unsterblichkeit". Hinter dem Ausdruck verbirgt sich nach Angaben der Autoren schlicht der Tod eines Soldaten, der durch heroische Sprache verklärt werde.
"Schwarze Witwen": Vorwürfe um Todesprämien
Für Aufsehen sorgt auch der Begriff "Schwarze Witwe". Laut dem Wörterbuch sollen damit Frauen bezeichnet werden, die Soldaten gezielt heiraten, um nach deren Tod finanzielle Leistungen zu erhalten.
Die Autoren verweisen auf dokumentierte Fälle, in denen Männer zur Unterzeichnung von Militärverträgen gedrängt, mit ihnen unbekannten Frauen verheiratet und anschließend an die Front geschickt worden sein sollen. In einem Fall soll eine Frau sogar offen damit geprahlt haben, sich von den Auszahlungen nach dem Tod ihres Ehemanns ein Haus kaufen zu können.
Die in dem Wörterbuch beschriebenen Begriffe stammen aus ausgewerteten Beschwerden und Berichten. Sie geben die dort geschilderten Vorwürfe und Erfahrungen wieder und lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
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mlk/news.de
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