Ukraine-Krieg aktuell: "Russisches Google" unter Beschuss - Drohnenangriffe sorgen für Chaos

Kiew erhöht den Druck auf Wladimir Putin. Ukrainische Drohnenangriffe auf Rechenzentren des Technologiekonzerns Yandex sorgten in den vergangenen Tagen für massive Probleme im Alltag vieler Russen. 

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Für Wladimir Putin gibt es erneut schlechte Nachrichten. In mehreren russischen Regionen brach Chaos aus. (Foto) Suche
Für Wladimir Putin gibt es erneut schlechte Nachrichten. In mehreren russischen Regionen brach Chaos aus. Bild: picture alliance/dpa/Pool Sputnik Kremlin via AP | Mikhail Metzel
  • Ukraine trifft bei Drohnenangriffen drei Rechenzentren des russischen Technologiekonzerns Yandex
  • Ausfälle bei "russischem Google" sorgen in mehreren Regionen für Probleme
  • Russen konnten unter anderem Bankdienste, Streamingangebote und Restaurant-Apps nicht mehr nutzen

Zwar hat US-Präsident Donald Trump am Wochenende eine "Energie-Waffenruhe" im Ukraine-Krieg verkündet, doch die gegenseitigen Angriffe ebbten auch in den vergangenen Tagen nicht ab. Kiew soll insbesondere mit Drohnenangriffen auf den Technologiekonzern Yandex, der auch als "russisches Google" bezeichnet wird, für Chaos gesorgt haben.

Ukraine-Krieg aktuell: Rechenzentren von "russischem Google" Yandex bei Drohnenangriffen getroffen

Wie unter anderem die "Bild" und "t-online" berichten, wurden innerhalb von nur vier Tagen drei Rechenzentren von Yandex getroffen: zunächst der Standort Sasowo in der Region Rjasan, danach folgten die Standorte Kaluga und Wladimir. Alle drei Anlagen liegen Hunderte Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt.

Yandex musste den Standort Wladimir nach eigenen Angaben vollständig abschalten. Auch in Kaluga fielen mehrere Module aus. Betroffen waren laut "n-tv" nicht nur die konzerneigenen Angebote, sondern auch Tausende Unternehmen, die ihre Dienste über die Yandex-Cloud betreiben.

Der russische Technologiekonzern Yandex, auch als "russisches Google" bekannt, wurde zum wiederholten Male Ziel ukrainischer Drohnenangriffe. (Foto) Suche
Der russische Technologiekonzern Yandex, auch als "russisches Google" bekannt, wurde zum wiederholten Male Ziel ukrainischer Drohnenangriffe. Bild: picture alliance / Maxim Shipenkov/EPA/dpa | Maxim Shipenkov

Attacken sorgen für Probleme im Alltag der Russen

Besonders hart traf es die Russen am Sonntag nach dem dritten Angriff. Überweisungen blieben in der Schwebe, Kontostände konnten nicht abgefragt und Kreditraten nicht bedient werden. Taxibestellungen und Essenslieferungen über Yandex-Apps waren ebenfalls nicht mehr möglich. Auch Kinopoisk, Russlands Netflix-Pendant, ging offline.

Dazu fielen laut "Bild" Websites von Restaurants, Apotheken, einer Fitnessstudiokette und des Petersburger Flughafens Pulkowo aus. Die Auswirkungen reichten sogar über Russlands Grenzen hinaus: Auch in Kasachstan, Belarus und Armenien registrierten Nutzer Ausfälle. Downdetector verzeichnete allein an einem Tag rund 130.000 Beschwerden.

Berichte über "völliges Chaos"

Auf dem X-Kanal "Jay in Kyiv" wurden kurze Videoclips veröffentlicht, in denen sich Russen über die Zustände in den betroffenen Gebieten beschweren. Dazu heißt es: "Völliges Chaos in russischen Städten, nachdem die ukrainischen Angriffe auf nur zwei Yandex-Rechenzentren landesweit GPS, Zahlungssysteme, Taxi-Apps und die größten Websites lahmgelegt haben. Russlands zentralisiertes Internet nach nordkoreanischem Vorbild ist die Schwachstelle des Landes: die Unfähigkeit, Lasten in Nachbarländer zu verlagern, wie es die Ukraine tut, wenn Rechenzentren angegriffen werden." Die Echtheit der Aufnahmen konnte bislang nicht unabhängig überprüft werden.

Wurden Bots über Yandex gesteuert?

Auch der Bot-Traffic ging deutlich zurück. Laut Daten des US-Webdienstleisters Cloudflare stürzte der automatisierte Datenverkehr aus dem Yandex-Netzwerk von normalerweise rund 80 Prozent auf zeitweise nur noch 0,4 Prozent ab, wie "Welt" berichtet – ein nahezu vollständiger Zusammenbruch. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj griff das Thema am Montag beim Warschauer Sicherheitsforum auf und erklärte, viele Menschen hätten bemerkt, dass es in sozialen Medien plötzlich "leichter sei, zu atmen" – mit "weniger Hass, weniger Spaltung und weniger Provokationen".Die Herkunft dieser Bots sei "ziemlich offensichtlich".

Konkrete Belege für gezielte Bot-Farmen in den getroffenen Rechenzentren liegen allerdings bislang nicht vor. Wie "n-tv" berichtet, funktionieren solche Netzwerke typischerweise über verteilte virtuelle Server und Proxy-Dienste – nicht über einzelne physische Standorte, die sich per Drohne ausschalten ließen.

Russischer Konzern wegen Sanktionen unter Druck

Wann Yandex seine volle Kapazität zurückerhält, ist offen. Einen konkreten Zeitplan nennt der Konzern nicht. In Sasowo stehen zwei der drei Supercomputer, mit denen Yandex sein KI-Modell YandexGPT trainiert – ob sie noch funktionieren, ist unbekannt. Westliche Sanktionen machen die Beschaffung der nötigen Hochleistungschips extrem schwierig, und der globale Engpass bei Speicherchips und KI-Beschleunigern verschärft die Lage zusätzlich.

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