Wladimir Putin: Erdogan sucht Nähe zum Kremlchef – das steckt hinter dem Türkei-Kurs

Recep Tayyip Erdogan sucht beim Gipfel in Bischkek demonstrativ das Gespräch mit Wladimir Putin. Die Nähe zum Kreml sorgt für Aufsehen und wirft Fragen über den außenpolitischen Kurs des Nato-Mitglieds Türkei auf.

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Erdogan sucht Nähe zu Putin – das will die Türkei erreichen (Foto) Suche
Erdogan sucht Nähe zu Putin – das will die Türkei erreichen Bild: picture alliance/dpa/Pool Sputnik Kremlin | Vyacheslav Prokofyev
  • Erdogan trifft beim Gipfel auf Putin und weitere westlich kritisierte Staatschefs
  • Die Türkei hält trotz Nato-Mitgliedschaft enge Kontakte zu Russland
  • Ankara verfolgt eine eigenständige Außenpolitik und sucht wirtschaftliche Vorteile

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Recep Tayyip Erdogan sorgt bei einem internationalen Gipfeltreffen für Aufmerksamkeit. Während sich in Bischkek zahlreiche Staatschefs versammeln, die dem Westen kritisch gegenüberstehen, sucht der türkische Präsident demonstrativ das Gespräch mit Wladimir Putin. Für Erdogan ist der Kurs keineswegs ein Widerspruch.

Treffen mit Putin sorgt für Aufsehen

Kirgisistans Hauptstadt Bischkek ist derzeit Schauplatz eines Treffens der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit. Mit dabei sind unter anderem Russlands Präsident Wladimir Putin, Chinas Staatschef Xi Jinping, Irans Präsident Massud Peseschkian und der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko.

Die Organisation betont offiziell Themen wie regionale Sicherheit, wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie den Austausch in Wissenschaft und Kultur. Gleichzeitig gehören mehrere Staaten zu den Mitgliedern und Partnern, deren Verhältnis zu den USA und Europa äußerst angespannt ist. Umso mehr fällt die Anwesenheit von Recep Tayyip Erdogan auf. Der türkische Präsident ist Staatschef eines Nato-Mitglieds, pflegt aber seit Jahren enge Kontakte zu Moskau und anderen Ländern, die dem Westen kritisch gegenüberstehen.

Vertrauliche Gespräche mit Putin

Aufnahmen vom Gipfeltreffen zeigen Erdogan laut "Bild" im direkten Austausch mit Putin. Auch mit Lukaschenko soll der türkische Präsident gesprochen haben. Was genau bei den Gesprächen besprochen wurde, ist öffentlich nicht bekannt. Die Bilder vermitteln jedoch den Eindruck, dass Erdogan die Nähe zu den umstrittenen Staatschefs keineswegs scheut. Gerade im Verhältnis zu Russland verfolgt Ankara seit Jahren eine Politik, die sich nicht eindeutig einem politischen Lager zuordnen lässt. Erdogan unterstützt beispielsweise die Ukraine in bestimmten Bereichen, unterhält gleichzeitig aber intensive Wirtschaftsbeziehungen mit Russland. Dazu gehören auch wichtige Energiegeschäfte.

Türkei zwischen Nato und Moskau

Erdogans außenpolitischer Kurs folgt dabei offenbar einem klaren Prinzip. Die Türkei bleibt Mitglied der Nato und arbeitet mit westlichen Partnern zusammen. Gleichzeitig hält Ankara die Verbindung nach Moskau und in Richtung anderer Machtzentren offen. Für Erdogan bietet diese Strategie mehrere Möglichkeiten. Er kann als Vermittler auftreten, wirtschaftliche Interessen verfolgen und sich zugleich politischen Spielraum gegenüber seinen westlichen Partnern sichern.

Die Türkei trat bereits 1952 der Nato bei. Dennoch verfolgt Erdogan zunehmend eine eigenständige Außenpolitik, bei der nationale Interessen häufig stärker im Vordergrund stehen als eine klare Zuordnung zum Westen.

Hoffnung auf wirtschaftliche Vorteile

Ein weiterer Grund für Erdogans Interesse an der Shanghaier Organisation könnte die wirtschaftliche Zusammenarbeit sein. Die türkische Wirtschaft kämpft seit Jahren mit hoher Inflation und erheblichen finanziellen Herausforderungen. Neue Handelsbeziehungen, Investitionen und Energieabkommen könnten für Ankara deshalb besonders interessant sein. Ein offizieller Beitritt der Türkei zur SOZ steht allerdings nicht unmittelbar bevor. Erdogan nimmt vielmehr regelmäßig als Beobachter an Treffen der Organisation teil.

Seine Gespräche mit Putin senden dabei ein deutliches Signal: Ankara will sich außenpolitisch möglichst viele Türen offenhalten. Genau diese Doppelstrategie sorgt innerhalb des westlichen Bündnisses immer wieder für Diskussionen. Auch wenn die SOZ offiziell diesen Anspruch verfolgt, sorgt die Zusammensetzung des Treffens für politische Brisanz. Erdogan scheint jedenfalls wenig Interesse daran zu haben, sich auf eine Seite festzulegen.

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