Aleksandar Vučić: "Anfang eines größeren Krieges" – Serbiens Präsident warnt nach Selenskyj-Treffen

Serbiens Präsident Aleksandar Vučić warnt eindringlich vor einer weiteren Eskalation des Ukraine-Krieges. Nach seinem Treffen mit Selenskyj sieht er Europa am Rand eines größeren Konflikts.

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Aleksandar Vučić: Düstere Warnung für Europa – Serbiens Präsident sieht größeren Krieg Bild: picture alliance/dpa/AP | Darko Vojinovic
  • Vučić erwartet kein schnelles Ende des Ukraine-Krieges
  • Serbiens Präsident fordert eine Kompromisslösung
  • Er warnt vor einer möglichen Ausweitung des Konflikts

Serbiens Präsident Aleksandar Vučić blickt mit großer Sorge auf den weiteren Verlauf des Ukraine-Krieges. Nach einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Belgrad warnt er vor einer möglichen Ausweitung des Konflikts.

In einem Gespräch im Podcast "MD MEETS" von Axel-Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner äußerte Vučić eine düstere Prognose. "Ich glaube, dass wir am Anfang eines größeren Krieges stehen", sagte der serbische Präsident laut "Bild". Seiner Einschätzung nach sei bislang zu wenig unternommen worden, um einen Frieden zu erreichen.

Vučić rechnet deshalb nicht mit einem schnellen Ende der Kämpfe. Vielmehr könne Europa vor einer deutlich gefährlicheren Phase stehen.

Selenskyj-Besuch sorgt für Spannungen

Selenskyjs Besuch in Belgrad hatte international für Aufmerksamkeit gesorgt. Serbien pflegt traditionell enge Beziehungen zu Russland, bemüht sich zugleich aber um Kontakte zur Ukraine und verfolgt einen eigenen politischen Kurs.

In Moskau wurde Vučićs Empfang des ukrainischen Präsidenten teilweise scharf kritisiert. Auch aus der Ukraine kamen Stimmen, die hinter dem Besuch politische Absichten vermuteten.

Der serbische Präsident weist den Vorwurf zurück, sich von Russland abzuwenden. "Ich bin nicht hier, um es den Russen, Ukrainern oder irgendjemand anderem recht zu machen – außer den Serben", erklärte er. Auch Wladimir Putin habe er vor Selenskyjs Besuch nicht informiert. Serbien sei schließlich kein abhängiger Staat, betonte Vučić: "Serbien ist keine Marionette irgendeines anderen Landes auf der Welt."

Kein Kriegsende in Sicht

Für die kommenden Monate erwartet Vučić keine schnelle diplomatische Lösung. Er sieht derzeit einen festgefahrenen Konflikt, bei dem beide Seiten auf einen entscheidenden Erfolg hoffen. "Ich sehe kein Ende des Krieges in diesem Jahr", sagte der Präsident. Auch im kommenden Frühjahr rechne er nicht zwangsläufig mit einem Ende der Kämpfe. Aus seiner Sicht fehlt es vor allem an der Bereitschaft zu Kompromissen. "Jeder will die Niederlage der anderen Seite sehen", erklärte Vučić.

Dabei warnt er ausdrücklich davor, auf eine vollständige militärische Erschöpfung Russlands zu setzen. Russland sei eine Atommacht, weshalb eine Lösung nicht allein über eine Niederlage Moskaus angestrebt werden könne.

Vučić fordert Kompromiss statt totaler Niederlage

Der serbische Präsident plädiert stattdessen für einen Waffenstillstand und anschließende Verhandlungen. "Wir brauchen eine Kompromisslösung, nicht die Niederlage irgendeiner Seite", sagte er. Gleichzeitig räumte Vučić ein, dass die Ukraine ihre Fähigkeit zur Verteidigung unter Beweis gestellt habe. Russland habe durch den Krieg zudem in Teilen seiner bisherigen Einflusssphäre an Gewicht verloren.

Streit über hybriden Krieg

Auch die zunehmenden Auseinandersetzungen zwischen Russland und europäischen Staaten waren Thema des Gesprächs. Auf die Frage nach russischen hybriden Aktivitäten in Europa verwies Vučić auf die Unterstützung der Ukraine durch westliche Staaten. Er stellte diese Maßnahmen aus Moskauer Sicht als Teil einer umfassenden Konfrontation dar. Zugleich machte der serbische Präsident aber einen wichtigen Unterschied: Die Ukraine habe den Krieg nicht begonnen. Damit dürften Angreifer und Angegriffene nicht gleichgesetzt werden.

Seine Warnung bleibt dennoch deutlich: Solange weder Moskau noch Kiew zu einem tragfähigen Kompromiss bereit seien, drohe der Krieg weiterzugehen, und zwar mit dem Risiko, dass sich der Konflikt über die Ukraine hinaus ausweitet.

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