11.04.2016, 16.03 Uhr

Problemviertel in Deutschland: Mohlenbeck 2.0? Das sind die schlimmsten Ghettos

Problemviertel gibt es in Deutschland schon länger. Neben einem hohen Arbeitslosen-Anteil und steigender Kriminalität könnte eine weiteres Problem hinzukommen: die falsche Verteilung von Flüchtlingen. Bilden sich dann wieder Parallel-Gesellschaften?

Duisburg-Marxloh gilt als einer der größten Problemviertel in Deutschland. Bild: dpa

Der große Flüchtlingsstrom ist vorerst abgeebt. Jetzt geht es darum, die Hilfesuchenden richtig zu verteilen und letztendlich auch zu integrieren. Eine falsche Verteilung birgt Gefahren: "Sollte die Integration nicht gelingen, kann das massive Auswirkungen für das soziale Zusammenleben vor Ort haben," sagt Gerd Landsberg (63), Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes (DStGB) der "Bild".

Führt die falsche Verteilung von Flüchtlingen zu Ghettos in Deutschland?

Das große Problem: Viel zu oft werden Flüchtlinge und Migranten in Problemvierteln untergebracht. Dabei haben sie schon so mit genug Problemen zu kämpfen. "Wir bauen uns Flüchtlings-Ghettos – wir wissen, dass es falsch ist, und trotzdem tun wir es. Das ist keine gute Integrationspolitik. Wir steuern auf eine Situation zu, die wir einmal bereuen werden", warnt der Kölner Stadtsoziologe Jürgen Friedrichs in der "Bild". Und weiter: "Integration funktioniert nur, wenn wir Flüchtlinge in kleineren Einheiten unterbringen. Je mehr Flüchtlinge zusammen untergebracht sind, desto größer die Gefahr von Isolation. Die Flüchtlinge haben doch keine Chance, dort herauszukommen."

Dem Bericht zufolge drohen vor allem in diesen deutsche Städten die Bildung von Ghettos und Parallelgesellschaften:

Stadtteil Einwohner Arbeitslosigkeit Hartz IV Menschen mit Migrationshintergrund
Berlin-Neukölln 328 000 15,2 % 78.000 Empfänger 41 %
Hamburg-Eidelstedt 32 000 6,4 % 10,9 % 32,1 %
Köln-Chorweiler 81 000 10 % 20 % 46 %
Essen-Altenessen 44 000 17 % 30 % 23 % (ohne dt. Pass)
Mannheim/Neckarstadt-West 23 000 7 % unbekannt mehr als 66 %
Bremerhaven-Lehe 37500 38 % unbekannt 30 % (ohne dt. Pass)
Bremen-Huchting 29000 16,5 % 25 % 39,2 %
Pforzheim-Oststadt 7500 12 % 505 Empfänger 70 %
Kaiserslautern-Asternweg 157 - - weit über den Durchschnitt
Duisburg-Marxloh 20000 20 % 33 % 66 %
Dortmund-Nordstadt 55000 25% 18 000 Empfänger über 66%

Berlin-Neukölln, Hamburg-Eidelstedt und Co - Deutschlands Ghettos

In Berlin selbst ist man stolz auf das Multikulti-Flair von Kreuzberg und Neukölln, doch es gibt auch Schattenseiten. Einer der Brennpunkte ist die Weiße Siedlung am Ende der Sonnenallee. Knapp 4.100 Menschen leben in 1.678 kleinen Wohnungen, zwei Drittel mit Migrationshintergrund. "Das war mal eine wirklich schöne Anlage, jetzt ist überall nur noch Müll und Dreck," so ein Anwohner zur "Bild".

In Hamburg-Eidelstedt sieht es ähnlich aus. In dem Viertel leben besondersviele Alleinerziehende, Arbeitslose, Hartz-IV-Empfänger und Menschen mit Migrationshintergrund. Schon jetzt gibt es laut Anwohner soziale Brennpunktein Eidelstedt. Dennoch soll dort einen neue Flüchtlingssiedlung gebaut werden. In Pforzheim-Oststadt wurden derzeit 802 Flüchtlinge in Containern untergebracht – mehr als die Hälfte aller Flüchtlinge in der Stadt. Und das, obwohl es sogar auf der Homepage der Stadt heißt: Oststadt sei ein vielfach benachteiligter Stadtteil.

Problemviertel Duisburg-Marxloh. Bild: dpa

Immer wieder Dusiburg-Marxloh

Schon seit den 90ern erlebt Dusiburg-Marxloh den sozialen Abstieg. Die Mieten sind spottbillig. Mehr als 4.000 Rumänen und Bulgaren sind in das Viertel gekommen – Tendenz steigend. Laut einem internen Polizeipapier sollen in Marxloh gleich mehrere libanesische Großfamilien aktiv sein. Dennoch kommen die Flüchtlinge hauptsächlich im Dusiburger Norden unter. Zudem entsteht in der Nähe gerade eine Container-Massenunterkunft für 600 Flüchtlinge. 

Lesen Sie auch: Flüchtlingsunterkunft Leipzig Schönefeld-Ost - So sollen Asylbewerber künftig wohnen.

Folgen Sie News.de schon bei Facebook, Google+ und Twitter? Hier finden Sie brandheiße News, tolle Gewinnspiele und den direkten Draht zur Redaktion.  

jko/jat/news.de

Empfehlungen für den news.de-Leser