13.08.2019, 18.55 Uhr

Stierkampf auf Mallorca: Tierschützer empört! Blutige Tradition lebt wieder auf

Seit zwei Jahren wurden auf Mallorca keine Stierkämpfe mehr abgehalten - jetzt fließt in der Arena wieder Blut! Allerdings hagelt es wütende Proteste von Tierschützern, die den Stierkampf stoppen wollen.

Nach zwei Jahren finden auf Mallorca wieder Stierkämpfe statt. Bild: picture alliance/Atienza/AP/dpa

Toreros sind die Rockstars Spaniens. Die Rosen und Herzen der Frauen fliegen ihnen zu tausenden zu - sie gelten als der Inbegriff der Ästhetik, Intelligenz und Macht. Der Stierkämpfer entscheidet über Leben und Tod - manches Mal auch über sein eigenes!

Stierkampf und Tourismus auf Mallorca - Wie passt das zusammen?

Mallorca gilt nach wie vor als 17. Bundesland Deutschlands. Millionen Müllers und Schmidts verbringen auf einer der Inseln die schönste Zeit des Jahres, nämlich den Urlaub! Wie aber nun passt das Eine mit dem Anderen zusammen? Unter den 11.600 Menschen, die am vergangenen Freitag dem ersten "Corrida de Toros" seit zwei Jahren beiwohnten, waren auch viele deutsche Urlauber. Einige wenige jedoch nur bei den rund 400 protestierenden Tierschützer vor dem "Coliseo Balear". Die Karten gingen weg wie warme Semmeln - zum Preis von 30 bis 150 Euro.

Das Aus des Stierkampfs auf Mallorca

Vor zwei Jahren wurde das blutige Schauspiel auf der Urlauberinsel stark eingeschränkt. Der Kampf dauerte maximal zehn Minuten - der Stier durfte weder verletzt noch getötet werden. Für die wahren Fans nurmehr eine Farce. Die Veranstalter befürchteten ein großes Minus und nahmen Abstand von solchen Events. Nun jedoch hat der spanische Verfassungsgerichtshof diese Einschränkungen aufgehoben. Schließlich zählt der Stierkampf seit 2013 zum "immateriellen Kulturgut" des Landes. Deshalb gelten auch allerorts dieselben Regeln: Der Kampf dauert mindestens 20 Minuten und endet mit dem Tod des Tieres. Acht Tiere starben an diesem Abend. Einige auch durch die Hand von Morante de la Puebla oder Julian Lopez Escobar ("El Juli"), den derzeitigen Stars der Szene. Beide waren eigens von Festland angereist.

Ein blutiges Spektakel

Der Verlierer bei dieser Veranstaltung ist stets der Stier. Jedes Jahr sterben rund 40.000 Tiere in den Arenen dieser Welt. Immer nach dem selben Ritual: Im "Tercio de Varas" macht der "Matador de toros" das Tier müde, indem er es mit dem "Capote" reizt. Währenddessen fügen die Lanzenreiter dem Stier im Schulterbereich die ersten Verletzungen zu, sodass sich dieser nicht mehr aufrichten kann. Im darauf folgenden "Colocación" treiben die "Banderilleros" drei Paar Holzstöcke mit Widerhaken zwischen die Schultern des Tieres. Im dritten Teil schließlich, der "Faena", sticht der Matador mit einem Degen zwischen die Schultern des bereits schwer verletzten Tieres bis in dessen Herz. Morante de La Puebla benötigte im ersten Kampf dieses Abends fünf Versuche. Nicht alle Stiere sind daraufhin tot, das erledigt schließlich der "Puntillero", der mit einem gezielten Dolchstoß das Rückenmark des Tieres durchtrennt. Der Matador darf sich, sofern es dem Publikum gefallen hat, die Ohren oder den Schwanz des Tieres mitnehmen. El Juli besaß bis zum Kampf auf Mallorca bereits 2.668 abgeschnittene Ohren und 92 Stierschwänze.

Tierquälerei als Belustigung

Viele der Befürworter betonen, dass die Stiere vier Jahre lang auf den eigens für sie eingerichteten Weiden grasen konnten und ein erfülltes Leben hatten. Ein Umstand, den man in der heutigen Massentierhaltung nirgendwo findet. Die Kritiker sprechen von blutiger Tierquälerei zur Belustigung des Publikums und Geldmacherei auf dem Rücken der Tiere. Rund 50 Prozent der Spanier sprechen sich inzwischen für ein landesweites Verbot der Corridas aus. Im Jahr 2016 fiel das Verbot in Katalonien, nun auch auf den Balearen - nur auf den Kanaren wird diese Art der Volksbelustigung nicht abgehalten.

Erster Kampf - magere Ausbeute

Beobachter des Spektakels auf Mallorca sprechen von durchmischter Stimmung. Nicht bei jedem Kampf konnte der Torero die Ohren seines Opfers mit nach Hause nehmen, da das Publikum nicht mit der "Show" zufrieden war. Nach wie vor gehört es zum Traum vieler kleiner Jungen in Spanien, einst Torero zu werden. In Deutschland werden unterdessen humanere Schlachtmethoden diskutiert.

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US/add/news.de

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