Friedrich Merz: Stacheldraht und Minenfelder – Kanzler besucht Todeszone
Stacheldraht, Minenfelder und kein einziges Telefon zwischen Nord und Süd – Friedrich Merz besuchte die streng bewachte Grenze zu Nordkorea. Nur Stunden zuvor hatte Kim Jong Un zehn Raketen abfeuern lassen.
Erstellt von Anika Bube - Uhr
Suche
- Friedrich Merz besucht zum Abschluss seiner Asienreise die Demilitarisierte Zone zwischen Nord- und Südkorea
- Bundeskanzler erinnert an die deutsche Teilung und hofft auf eine Wiedervereinigung Koreas
- Nordkorea unterstützt Russland im Ukraine-Krieg mit Soldaten und Waffen
Stacheldraht, Minenfelder und schwer bewaffnete Soldaten: Zum Abschluss seiner bislang längsten Auslandsreise hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die Demilitarisierte Zone zwischen Nord- und Südkorea besucht. Nur wenige hundert Meter von der Grenze entfernt erinnerte der Kanzler an die deutsche Teilung und machte den Menschen in Südkorea Hoffnung auf eine Wiedervereinigung. Doch die Aussichten dafür sind düster.
Weitere aktuelle Meldungen aus der Politik finden Sie am Ende dieses Artikels.
Friedrich Merz besucht eine der gefährlichsten Grenzen der Welt
Die Demilitarisierte Zone (DMZ) trennt Nord- und Südkorea seit dem Waffenstillstand von 1953. Einen Friedensvertrag gibt es bis heute nicht. Die Grenze gilt als eine der am stärksten gesicherten der Welt. Stacheldraht, Wachtürme und Minenfelder prägen das Gebiet, auf beiden Seiten stehen sich hochgerüstete Streitkräfte gegenüber.
Merz besuchte am Freitag die Grenzanlagen bei Camp Bonifas. Die Zone wird von einer UN-Mission überwacht, an der auch zwei Bundeswehr-Offiziere beteiligt sind. Bei seinem Besuch sprach der Kanzler über die Folgen der Teilung: "Man merkt auch hier an diesem Ort, wie sehr ein solches Land unter einer Teilung leidet", sagte er. Zugleich betonte er, wie dankbar Deutschland sein könne, "dass wir eine solche Teilung in Deutschland seit 36 Jahren nicht mehr erleben müssen".
Suche
Suche
Bundeskanzler zieht Parallelen zur deutschen Wiedervereinigung
Bei seinen Gesprächen in Seoul sei er häufig auf die deutschen Erfahrungen mit der Wiedervereinigung angesprochen worden, berichtete Merz. Im Gästebuch des südkoreanischen Präsidenten Lee Jae Myung hatte er zuvor geschrieben: "Ich wünsche auch den Menschen in Korea, was wir in Deutschland erleben dürfen: Einheit in Freiheit." Auch bei seinem Besuch in der Demilitarisierten Zone versuchte der Kanzler, den Südkoreanern Zuversicht zu vermitteln. "Wollen wir hoffen, dass auch Korea eines Tages die Chance bekommt, seine staatliche Einheit zurückzugewinnen", sagte er.
Die Aussichten darauf sind allerdings schlecht. Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat das jahrzehntelang verfolgte Ziel einer friedlichen Wiedervereinigung aufgegeben. Seit 2024 ließ Pjöngjang wichtige Straßen- und Zugverbindungen in den Süden zerstören und die Grenze zusätzlich befestigen. Gesprächsangebote aus Seoul blieben zuletzt ohne erkennbare Reaktion.
Nordkorea testet Raketen und setzt auf Drohnen
Wie angespannt die Lage auf der koreanischen Halbinsel ist, zeigte sich unmittelbar vor Merz' Besuch. Am Donnerstag feuerte Nordkorea nach Angaben des südkoreanischen Militärs rund ein Dutzend Kurzstreckenraketen in Richtung des Japanischen Meeres ab. Die Geschosse legten demnach etwa 250 Kilometer zurück. Zudem kündigte Kim Jong Un laut der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA an, eine "absolute Überlegenheit" bei der Drohnentechnologie anstreben zu wollen. Auch der Einsatz künstlicher Intelligenz in unbemannten Waffensystemen solle bei der Modernisierung der Streitkräfte Priorität haben. Merz bezeichnete die Lage als "tägliche Bedrohung" für Südkorea. Zugleich verwies er auf die Rolle Chinas und dessen Unterstützung für Nordkorea und Russland.
Nordkoreanische Soldaten kämpfen für Putin
Der Kanzler machte deutlich, weshalb der Konflikt in Ostasien auch für Europa von Bedeutung ist. Nordkorea hat seine militärische Zusammenarbeit mit Russland seit Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine erheblich ausgeweitet. Pjöngjang lieferte große Mengen Artilleriemunition und Raketen und entsandte Soldaten zur Unterstützung Moskaus. Nach Angaben südkoreanischer Geheimdienste wurden inzwischen mehr als 16.000 nordkoreanische Soldaten nach Russland geschickt.Im Gegenzug soll Nordkorea finanzielle Unterstützung, Militärtechnologie und Sicherheitsgarantien aus Moskau erhalten. Die militärische Kooperation könnte damit auch Auswirkungen auf das Kräfteverhältnis in Ostasien haben.
"Koreas Sicherheit berührt Europas Sicherheit. Und Europas Sicherheit berührt auch die Sicherheit von Korea", sagte Merz nach seinem Treffen mit Präsident Lee. Nordkoreanische Soldaten, die im Donbass gegen die Ukraine kämpften, bedrohten damit auch die Freiheit in Europa. Sein Fazit: "Die Welt ist eben klein geworden, auch im Krieg."
Weitere Meldungen aus dem Politik-Ressort finden Sie hier:
- Knall im Politiker-Ranking: Alice Weidel stürzt ab – Merz am Ende
- Arroganz-Ausbrüche des Kanzlers - diese Merz-Auftritte sorgen für Empörung
- "Du bist Teil der Vergiftung!" ZDF-Moderator knöpft sich Klingbeil nach Attacke auf Union vor
- Brisante Behauptung über AfD in Privatgespräch – Kanzler in Erklärungsnot
- "Politischer Volltrottel" – Ex-Bundespräsident mit deutlichen Worten an Merz
bua/news.de/dpa/stg
Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.