Angela Merkel: Zitter-Geständnis und Merz-Kritik - bei Kerner wird die Ex-Kanzlerin deutlich

Bei Johannes B. Kerner packt Angela Merkel im MagentaTV-Format "Bestbesetzung" aus: Die Altkanzlerin spricht über ihre Zitteranfälle, übt Selbstkritik und findet deutliche Worte zu Friedrich Merz.

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Zitteranfälle, Merz-Kritik und Frauen-Wunsch: Angela Merkel packt bei Kerner aus. (Foto) Suche
Zitteranfälle, Merz-Kritik und Frauen-Wunsch: Angela Merkel packt bei Kerner aus. Bild: picture alliance/dpa | Kay Nietfeld
  • Merkel erklärt die Hintergründe ihrer Zitteranfälle im Jahr 2019
  • Die Altkanzlerin kritisiert die CDU-Strategie von Friedrich Merz und warnt vor politischen Extremen
  • Außerdem spricht sie sich für eine Frau im Amt des Bundespräsidenten aus

Angela Merkel gehört nicht zu den Menschen, die sich regelmäßig vor Kameras drängen – schon gar nicht seit ihrem Abschied aus dem Kanzleramt. Umso bemerkenswerter, dass die 72-Jährige sich nun 45 Minuten lang den Fragen von Johannes B. Kerner stellte. Im Berliner Bode-Museum sprach die Ex-Kanzlerin für das Magenta-TV-Format "Bestbesetzung" mit einer Offenheit, die man von ihr selten erlebt hat.

Angela Merkel präsentiert sich bei Kerner-Talk"Bestbesetzung" offen wie nie

Die Themenpalette hatte es in sich: Von den rätselhaften Zitteranfällen des Jahres 2019 über das Erstarken der politischen Ränder bis hin zur Zukunft der CDU unter Friedrich Merz. Merkel äußerte sich dabei auch zur Frage einer weiblichen Bundespräsidentin, verteidigte den Atomausstieg und übte Selbstkritik bei den Verteidigungsausgaben, wie "Bild" berichtet.

Merkel spricht Klartext! Das steckt hinter ihren Zitteranfällen

Besonders persönlich wurde es beim Thema Zitteranfälle. Die Episoden bei militärischen Ehren im Jahr 2019 hatten weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Merkel lieferte nun eine emotionale Erklärung: Ihr Körper habe auf massive private Belastungen reagiert – den Verlust ihrer Mutter und das Bewusstsein, dass ihre politische Karriere dem Ende zuging. "Da setzt der Körper dann einfach Zeichen und das ist ja menschlich etwas sehr, sehr Gutes", sagte sie.

Eine Auszeit kam für die damalige Regierungschefin dennoch nicht infrage. Stattdessen wählte sie einen pragmatischen Weg: Militärische Zeremonien absolvierte sie fortan im Sitzen. Ob sie zu wenig Zeit für die Trauer um ihre Mutter gehabt habe, wollte Kerner wissen. Merkels Antwort fiel ehrlich aus: "Wahrscheinlich ja."

Merkel stellt Merz' CDU-Kurs infrage

Deutliche Worte fand die Altkanzlerin auch zur strategischen Ausrichtung ihrer Partei unter Friedrich Merz. Dessen Schlagwort "CDU pur" interpretierte Merkel auf ihre ganz eigene Weise – und korrigierte damit das Verständnis ihres Nachfolgers an der Parteispitze. Reine Wirtschaftspolitik sei damit keineswegs gemeint, stellte sie klar.

Vielmehr müsse die Union Brücken schlagen: "Zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern und auch zwischen denen, die zu uns zugewandert sind, die eine Migrationsgeschichte haben, und denen, die schon lange bei uns leben, zwischen Stadt und Land." Das sei der eigentliche Kern der CDU – "ein Angebot für jeden Staatsbürger". Eine Definition, die sich wie eine höflich verpackte Zurechtweisung liest: weniger Abgrenzung, mehr Zusammenführung.

AfD und Linke: Merkel warnt vor politischen Extremen

Mit Blick auf das Erstarken von AfD und Linkspartei zeigte sich Merkel besorgt. "Dass die Extreme immer stärker werden und dass das, was mir in der Politik so wichtig war, Maß und Mitte, dass das immer weiter verschwindet" – das treibe sie um. Die Unvereinbarkeitsbeschlüsse der CDU gegenüber beiden Parteien hält sie weiterhin für richtig. Der Linken warf sie vor, die Nato nach wie vor abzulehnen, was sie angesichts der aktuellen Weltlage für "vollkommen inakzeptabel" hält. Zudem kritisierte sie ein "sehr, sehr schweres Problem" der Berliner Linken beim Thema Antisemitismus.

Selbstkritisch fiel ihr Urteil zur Verteidigungspolitik aus: Die Erhöhung der Militärausgaben seit 2015 sei nicht schnell genug erfolgt. Beim Atomausstieg hingegen blieb sie standhaft – die Entscheidung sei sachlich richtig gewesen und habe zur gesellschaftlichen Befriedung beigetragen.

Angela Merkel wünscht sich eine Frau als Bundespräsidentin

Auch beim Thema Bundespräsidentschaft bezog Merkel klar Position. In 77 Jahren Bundesrepublik habe es noch nie eine Frau in diesem Amt gegeben – das solle sich ändern. Geeignete Kandidatinnen gebe es durchaus, auch in den Reihen der Union, betonte sie.

Zum Abschluss des Gesprächs ging es um ihr offizielles Kanzlerinnen-Porträt, das im Bode-Museum hängt. Sich einem Maler auszuliefern, habe Vertrauen erfordert, gestand Merkel. Doch das Ergebnis gefalle ihr: "Ich sehe die Spuren der Macht und trotzdem nach wie vor eine gewisse leichte Fröhlichkeit und auch ein bisschen was Gutmütiges." Weder Verzweiflung noch Zynismus erkenne sie darin. Ihr Fazit: "Ich bin zufrieden."

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