Ricarda Lang reumütig: Grünen-Abgeordnete gibt gravierenden Fehler zu - es geht um die AfD
Grünen-Abgeordnete Ricarda Lang ist bekannt dafür, im Netz gegen ihre politischen Gegner wortgewaltig auszuteilen. Nun zeigt sich Lang im Podcast "n-tv Salon" erstaunlich reumütig, wenn es um die AfD geht - das steckt dahinter.
Erstellt von Ines Fedder - Uhr
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Ricarda Lang nimmt für gewöhnlich kein Blatt vor den Mund. Die Grünen-Politikerin, die zuletzt Bundeskanzler Friedrich Merz eine gehörige Ansage machte, kann aber auch anders. In einem Podcast äußert sich die Abgeordnete erstaunlich reumütig.
Ricarda Lang gibt ihrer Partei eine Mitschuld am Aufstieg der AfD
Die Grünen tragen eine Mitschuld am Erstarken der AfD – das sagt nicht etwa ein politischer Gegner, sondern die Grünen-Politikerin Ricarda Lang selbst. "Natürlich haben auch wir Grüne zum Aufstieg der Rechtsextremen beigetragen", erklärte sie im Podcast "n-tv Salon". Gleichzeitig betonte sie, dass dies für sämtliche demokratischen Parteien gelte. Es sei "komplett absurd", wenn bei knapp 30 Prozent Zustimmung für die AfD alle anderen jede Verantwortung von sich wiesen.
Konkret benannte Lang eine kulturelle Verhärtung während der Ampel-Jahre. Die Partei habe den Eindruck erweckt, nur wer die richtige Sprache beherrsche, sei willkommen. "Wenn ich ein Mann bin, habe ich im Feminismus erst mal gar nichts zu suchen. Und wenn ich Auto fahre, dann bin ich beim Klimaschutz automatisch außen vor", beschrieb sie das Problem. Dieses Zerrbild sei teils selbstverschuldet, teils von außen verstärkt worden.
Integrationsdebatte: "Wir haben schon einen Fehler gemacht"
Besonders beim Thema Migration zeigte sich Lang offen für Selbstkritik. Die gesamte Debatte um Integration sei in den vergangenen Jahren "komplett ins Hintertreffen geraten", räumte sie ein. Während ein Teil der Gesellschaft sich ausschließlich darauf konzentriert habe, wer ins Land komme und wer möglichst schnell wieder gehen solle, hätten die Grünen das Feld kampflos geräumt.
Der Grund dafür sei die Befürchtung gewesen, bestehende Schwierigkeiten offen anzusprechen. Damit habe man das Thema letztlich anderen politischen Kräften überlassen. Lang formulierte das Dilemma klar: "Über Lösungen kann ich nur sprechen, wenn ich auch das Problem anerkenne. In dem Moment, wo ich sage, das Problem entsteht gar nicht, kann ich auch nicht mehr über die Lösung reden." Wer Missstände leugne, verbaue sich selbst den Weg zu konstruktiven Antworten.
Selbstwirksamkeit: Warum die AfD so viele Menschen anzieht
Grünen-Chef Felix Banaszak lieferte im selben Podcast eine Erklärung für die Sogwirkung der Rechtsextremen. "Es gibt gerade nichts, was Menschen so viel Selbstwirksamkeit gibt wie eine Stimme für die AfD", sagte er. Die demokratischen Parteien müssten sich daher dringend fragen, wie sie den Bürgerinnen und Bürgern wieder vermitteln könnten, dass ihre Stimme zähle und ihre Perspektive Gewicht habe.
Für die Grünen liege die größte Hürde dabei selten im Wahlprogramm. Das eigentliche Problem sei vielmehr, "dass die Menschen das Gefühl haben, die Grünen mögen sie nicht". Banaszak plädierte dafür, Politik am konkreten Alltag der Menschen auszurichten, statt ihnen das Gefühl zu geben, sie führten ein falsches Leben. Ein Narrativ, das alle ausschließe, die nicht bereits überzeugt seien, führe in die Sackgasse.
Echte Wurst auf dem Grünen-Grill: Eine kleine Revolution
Wie dieser neue Kurs in der Praxis aussehen kann, illustrierte Banaszak mit einer Anekdote aus dem Wahlkampf in Sachsen-Anhalt. Bei einem Grillabend auf einem Campingplatz in der Altmark habe er bewusst nicht nur vegane Alternativen serviert. "Auf dem Grill gab es halt nicht nur veganen Käseersatz, sondern eine Wurst. Eine echte", erzählte er. Allein diese Tatsache habe es in Zeitungsüberschriften geschafft – als wäre es eine Sensation, dass Grüne Fleisch äßen. "Grüne sind Menschen, Herrgott!", kommentierte Banaszak trocken.
Der Effekt habe ihm recht gegeben: Statt 15 Parteimitgliedern seien 65 Gäste gekommen. Mit ausschließlich Tofu- und Seitanwurst aus dem Biomarkt wäre das Gespräch deutlich weniger ergiebig ausgefallen, so seine Überzeugung. Genau solche Hürden abzubauen, helfe dabei, "die in der Sache ambitionierte Politik auch mehrheitsfähig zu machen".
Zweite Amtszeit im Visier: Banaszak und Brantner treten erneut an
Inhaltlich beliebig wollen die Grünen bei alldem nicht werden. Banaszak betonte ausdrücklich, dass zentrale Ziele wie die Klimaneutralität nicht zur Disposition stünden. Der entscheidende Unterschied liege in der Art und Weise, wie die Partei Menschen für diese Ziele gewinne. Lang brachte es mit einem Bild auf den Punkt: Die Tür zur Partei solle nicht aussehen "wie die im Berghain", sondern möglichst viele zum Mitmachen einladen. Niemand müsse "ein bestimmtes Buch gelesen haben", um sich für soziale Gerechtigkeit einzusetzen.
Ob dieser Kurswechsel tatsächlich Früchte trägt, wird sich bald zeigen. Banaszak und seine Co-Vorsitzende Franziska Brantner, die die Partei seit November 2024 führen, wollen sich Anfang Dezember auf dem Parteitag erneut zur Wahl stellen. Die Botschaft ist klar: ambitioniert in der Sache, offen im Umgang.
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ife/sfx/news.de
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