Anke Rehlinger: "Völlig verqueres Bild" - SPD-Politikerin bei Markus Lanz in Erklärungsnot
Wie weit kann die SPD bei einer Zusammenarbeit mit der Linken gehen? Bei "Markus Lanz" bezog Anke Rehlinger Stellung und musste sich zugleich kritische Nachfragen gefallen lassen. Auch die Zukunft der Bundespartei sorgte für Gesprächsstoff.
Erstellt von Anika Bube - Uhr
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- Anke Rehlinger kritisierte bei "Markus Lanz" die Äußerungen von Linken-Chefin Ines Schwerdtner
- Moderator Markus Lanz warf der SPD-Politikerin bei der Debatte um die Berliner Regierungsbildung "Nebelkerzen" vor
- Bei der Frage nach Manuela Schwesig als möglicher SPD-Chefin blieb Rehlinger auffällig zurückhaltend
Ein unangenehmer Abend für SPD-Politikerin Anke Rehlinger: Bei "Markus Lanz" musste sich die saarländische Ministerpräsidentin am Dienstag (27.10.2026) zu gleich zwei heiklen Fragen positionieren. Wie steht die SPD zur möglichen Koalition mit der Linken in Berlin – und wer soll künftig die Bundespartei führen? Moderator Markus Lanz ließ bei seiner Nachfrage nicht locker.
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"Wahnsinn! Was macht sie da?" Markus Lanz kritisiert Linken-Chefin
Auslöser der Debatte um eine mögliche Zusammenarbeit von SPD und Linken in Berlin war ein Video der Linken-Vorsitzenden Ines Schwerdtner. Darin hatte sie angekündigt, sich bei Protesten "schützend" vor junge Menschen zu stellen – "egal von wem, von der Polizei oder von den Medien". Die Aussage bezog sich auf die angekündigten Proteste nach französischem Vorbild. Markus Lanz reagierte empört: "Wahnsinn! Was macht sie da?" Auch Michael Bröcker von "Table.Briefings" kritisierte Schwerdtners Äußerung. Er stellte infrage, ob damit nicht ein verzerrtes Bild der Polizei in Deutschland gezeichnet werde.
Rehlinger distanzierte sich ebenfalls von der Aussage. "Ich halte das für inakzeptabel", erklärte die SPD-Politikerin. Schwerdtner zeichne ein "völlig verqueres Bild von diesem Staat". Lanz schien das allerdings nicht auszureichen: Er wollte von der Ministerpräsidentin wissen, ob sie eine Koalition mit der Linken unter diesen Umständen mittragen könne.
SPD-Politikerin wird deutlich: "Unter diesen Bedingungen" keine Koalitionsgespräche
Zunächst verwies Rehlinger auf andere Erfahrungen mit der Linken. In Thüringen habe Bodo Ramelow gezeigt, dass eine Zusammenarbeit mit der Partei möglich sei. Lanz ließ diesen Verweis nicht gelten und lenkte die Diskussion erneut auf Berlin: "Es ist egal, wie lang Sie die Liste jetzt machen, ich komme immer wieder auf Berlin zurück!" Schließlich bezog Rehlinger Stellung: "Ich persönlich könnte mir für mich nicht vorstellen, unter diesen Bedingungen Koalitionsverhandlungen mit denen zu führen."
Dabei ging es auch um die Berliner Linken-Abgeordnete Vanessa Emde, die mit Aussagen zum Existenzrecht Israels für Kritik gesorgt hatte. Emde hatte erklärt, Staaten hätten kein Existenzrecht, sondern nur Menschen. Die Berliner Linksfraktion sieht nach ihren Äußerungen keine gemeinsame Arbeitsgrundlage mehr mit ihr; über mögliche Konsequenzen wurde parteiintern beraten. Rehlinger machte deutlich, dass eine klare Distanzierung von Antisemitismus für sie Voraussetzung einer Zusammenarbeit sei. Das sei die "Eingangshürde, die man nehmen muss, sonst braucht man über Sachfragen gar nicht zu reden". Sollte Emde an ihren Positionen festhalten, könne sie nicht Teil der Fraktion bleiben.
"Frau Rehlinger, bitte!" Lanz wirft ihr Nebelkerzen vor
Warum hält die Berliner SPD trotzdem an einer möglichen Koalition mit der Linken fest? Rehlinger verwies auf das Problem bezahlbaren Wohnraums. Weil die Politik hier zu lange keine ausreichenden Lösungen gefunden habe, seien radikale Forderungen wie Enteignungen für manche Menschen attraktiv geworden. "Dann wird Radikalität gewählt", warnte sie. Bröcker hielt dagegen, dass auch eine Koalition mit der CDU denkbar sei. Rehlinger entgegnete, die Christdemokraten hätten bislang niemanden zu Gesprächen eingeladen. Als die SPD-Politikerin anschließend auf gebrochene Wahlversprechen von Bundeskanzler Friedrich Merz verwies, wurde Lanz deutlich. Sie hatte argumentiert, dass auch die Union ihre Versprechen nicht immer einhalte. Der Moderator unterbrach sie mit den Worten: "Frau Rehlinger, bitte! Whataboutism. Nebelkerzen."
"Gefühlte Parteichefin": Rehlinger will im Saarland bleiben
Neben der Berliner Koalitionsfrage ging es um die Zukunft der SPD-Bundespartei. Nach dem Rückzug von Bärbel Bas muss die Partei ihre Führung neu aufstellen. Lanz bezeichnete Rehlinger als "gefühlte Parteichefin". Die Ministerpräsidentin konterte trocken: "Im Saarland, ja. Da bin ich die Tatsächliche sogar." Einen Wechsel an die Bundesspitze schloss sie aus. "Das Saarland ist mein Schwerpunkt und ich will dort auch als Ministerpräsidentin bleiben", stellte Rehlinger klar.
Auch über Lars Klingbeil wurde gesprochen. Rehlinger bescheinigte dem amtierenden SPD-Chef, die Partei nach der Bundestagswahl zusammengehalten zu haben. Ob sie eine erneute Kandidatur unterstütze? "Wenn er das für sich entscheidet, finde ich, das ist unterstützenswert." Klingbeil hat inzwischen angekündigt, erneut für den Parteivorsitz kandidieren zu wollen. Die SPD will ihre gesamte Führung auf dem Bundesparteitag am 16. und 17. Januar 2027 in Bremen neu wählen.
Schwesig als SPD-Chefin? Rehlinger schweigt
Dann brachte Bröcker Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig als mögliche Kandidatin ins Spiel. Sollte sie antreten, wäre ihr das Amt nach Einschätzung des Journalisten kaum zu nehmen. In der Partei gebe es viele, die auf Schwesig setzten, sagte Bröcker. Rehlinger reagierte zunächst nicht. Lanz bemerkte das Schweigen und kommentierte amüsiert: "Da zwinkert sie mit dem linken Auge. Ich habe das gesehen. Mehr geht nicht!" Eine klare Einschätzung zu Schwesigs möglichen Ambitionen gab Rehlinger nicht ab. Offiziell ist bislang keine Kandidatur Schwesigs für den SPD-Vorsitz bekannt. Die Personaldebatte dürfte die Sozialdemokraten deshalb bis zum Parteitag im Januar weiter beschäftigen.
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