Friedrich Merz: Deutschland droht Wohlstandsverlust – Experte rechnet mit Merz-Regierung ab
Deutschland investiert nicht einmal genug, um seinen maroden Kapitalstock zu erhalten, und die geplanten Schulden könnten die Bonität des Landes ruinieren. Top-Ökonom Hans-Werner Sinn rechnet mit einem drastischen Wohlstandsverlust und stellt Kanzler Merz ein Fünf-Punkte-Ultimatum.
Erstellt von Anika Bube - Uhr
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- Hans-Werner Sinn warnt vor Wohlstandsverlust in Deutschland
- Ökonom kritisiert die Wirtschaftspolitik der Merz-Regierung
- Ökonom nennt fünf Maßnahmen, mit denen der Bundeskanzler gegensteuern soll
Deutschland stehen nach Einschätzung von Hans-Werner Sinn schwierige Jahre bevor. Der 78-jährige Ökonom und langjährige Präsident des Münchner ifo-Instituts zeichnet im Gespräch mit "Bild"-Journalist Paul Ronzheimer ein düsteres Bild der wirtschaftlichen Zukunft. Seine Prognose fällt drastisch aus: "Der Lebensstandard in Deutschland wird sich sehr, sehr deutlich verringern in den kommenden Jahren."
Zwar verfüge Deutschland mit seinem Mittelstand noch über ein solides Fundament. Insgesamt sei er jedoch "ziemlich pessimistisch", sagte Sinn. Als Gründe nennt er hohe Energiekosten, den demografischen Wandel, den Ukraine-Krieg und eine aus seiner Sicht überzogene Umweltregulierung aus Brüssel. Was die Bundesregierung dagegen unternehme? Sinns knappes Urteil lautet: "Mangelverwaltung!" Auch international beobachte man die Entwicklung Deutschlands und Europas mit Sorge, erklärte der Ökonom.
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Wachstum auf Pump! Wirtschaftsexperte kritisiert Friedrich Merz
Dass Bundeskanzler Friedrich Merz ein Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent in Aussicht gestellt hat, überzeugt Sinn nicht. "Das ist kein strukturelles Wachstum", kritisiert er. Die Entwicklung sei vor allem auf eine bessere Auslastung vorhandener Kapazitäten und schuldenfinanzierte Staatsausgaben zurückzuführen. Nachhaltiges Wachstum brauche dagegen zusätzliche Produktionskapazitäten und neue Investitionen. Besonders kritisch bewertet Sinn die Möglichkeit, über mehrere Legislaturperioden hinweg neue Schulden in Billionenhöhe aufzunehmen. Er warnt vor Folgen für die Kreditwürdigkeit Deutschlands: "Wenn dieser Weg gegangen wird, dann ist es auch ziemlich vorbei mit der deutschen Bonität." Auch die Reformpläne bei Rente, Arbeitsmarkt und Steuern hält der Ökonom nicht für ausreichend. Sie änderten seiner Ansicht nach wenig an den grundlegenden Problemen. Sein ernüchterndes Fazit: "Es ist weniger da, man muss das irgendwie aufteilen."
EU-Regeln und Trump-Zölle setzen die Autoindustrie unter Druck
Besonders scharf fällt Sinns Kritik an der europäischen Klimapolitik aus. Die CO₂-Flottenregulierung der EU sei "ein Anschlag auf das Herz unserer Industrie". Seit 2018 sei die deutsche Automobilproduktion nach seinen Angaben um rund 23 bis 24 Prozent zurückgegangen. Auch die Berechnung der Emissionen von Elektroautos hält Sinn für irreführend. Sie würden bei der direkten Nutzung ohne Auspuffemissionen bewertet, obwohl bei der Stromerzeugung ebenfalls CO₂ entstehen könne. Seine zugespitzte Formulierung: Ihr "Auspuff [sei] nur ein bisschen weiter weg im Kohlekraftwerk".
Zusätzlichen Druck sieht Sinn durch die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump, die er als "Erpressung" bezeichnet. Unternehmen würden damit unter Druck gesetzt, ihre Produktion in die Vereinigten Staaten zu verlagern. Audi hatte Investitionen von rund vier Milliarden US-Dollar für einen geplanten Produktionsstandort in Georgia angekündigt. Gleichzeitig steht die deutsche Autoindustrie unter Druck, Stellen abzubauen. Sinns Urteil über die Perspektiven in Europa fällt entsprechend düster aus: "Hier in Europa wird's halt nichts mehr."
Diese fünf Maßnahmen fordert Sinn von Merz
Trotz seiner pessimistischen Prognose nennt Sinn konkrete Ansatzpunkte für die Bundesregierung.
- 1. CO₂-Flottenregulierung ändern:Deutschland solle sich auf EU-Ebene gegen die geltenden Vorgaben einsetzen. Stattdessen plädiert Sinn für einheitliche Emissionszertifikate.
- 2. Rentenreform konsequent umsetzen: Die Bundesregierung solle sich eng an den Empfehlungen der Rentenkommission orientieren. Sinn fordert, davon "keinen Deut" abzuweichen.
- 3. Mehr in Bildung investieren: Das deutsche Schulsystem müsse grundlegend gestärkt werden. "Das Land der Dichter und Denker hat keine vernünftigen Schulen mehr", beklagt Sinn. Er fordert höhere Lehrergehälter, um qualifizierte Kräfte für den Beruf zu gewinnen.
- 4. Private Investitionen fördern: Sinn schlägt beschleunigte Abschreibungen nach dem Vorbild der US-Steuerreform von 1981 unter Präsident Ronald Reagan vor. Unternehmen könnten dadurch Investitionen früher steuerlich geltend machen. Das solle Investitionen im Inland attraktiver machen als pauschale Steuersatzsenkungen.
- 5. Kindererziehung bei der Rente stärker berücksichtigen: Nach Sinns Auffassung muss die Rentenformel den Beitrag von Eltern zur Finanzierung des Rentensystems besser abbilden. Seine zugespitzte Begründung: "Ohne Mütter keine Rente."
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