Putin-Debatte bei Markus Lanz: Warum der Kreml-Chef ausgerechnet hier so beliebt ist

Alles Putin-Sympathisanten im Osten? Bei "Markus Lanz" werden gleich mehrere Erklärungen geliefert, warum Wladimir Putin im Osten Deutschlands so beliebt ist. Dabei offenbart die Debatte einen Riss in der obligatorischen Ost-West-Debatte.

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Ostdeutschland und das Thema Russland - eine alte Debatte gewinnt bei "Markus Lanz" erneut an Fahrt. Hier gilt der Kreml-Chef Wladimir Putin als besonders beliebt. (Foto) Suche
Ostdeutschland und das Thema Russland - eine alte Debatte gewinnt bei "Markus Lanz" erneut an Fahrt. Hier gilt der Kreml-Chef Wladimir Putin als besonders beliebt. Bild: picture alliance/dpa/AP/Dmitri Lovetsky
  • Putin-Sympathien im Osten – bei Markus Lanz fliegen die Fetzen
  • Dirk Oschmann und Reinhard Bingener geraten heftig aneinander
  • Markus Lanz überrascht von brisanter These zu Wladimir Putin
  • Russland-Debatte bei Lanz – darum widerspricht der FAZ-Autor vehement

In der Nacht zum Donnerstag lieferten sich die Gäste bei Markus Lanz einen bemerkenswerten Schlagabtausch über eine Frage, die seit Jahren durch die politische Debatte geistert: Weshalb finden sich ausgerechnet in Ostdeutschland so auffällig viele Sympathien für Wladimir Putin, der zuletzt erneut mit einer gefährlich nahen Stationierung von Panzern an der Nato-Grenze provozierte?

Bemerkenswert ist das Phänomen vor allem deshalb, weil die Menschen in den neuen Bundesländern jahrzehntelang unter sowjetischer Besatzung lebten, die Folgen kommunistischer Planwirtschaft am eigenen Leib erfuhren – und nun den brutalen Angriffskrieg gegen die Ukraine miterleben, der dank Donald Trump und seinem neuen Diesel-Abkommen mit Wladimir Putin neuen Aufwind bekommt. Literatur-Professor Dirk Oschmann (58) und FAZ-Autor Reinhard Bingener (47) gerieten dabei heftig aneinander, wie "Bild" berichtet. Ihre gegensätzlichen Erklärungsansätze offenbarten einen tiefen Riss in der Analyse dieses Phänomens.

Ostdeutsche als "historische Verlierer" – Oschmanns provokante These

Oschmann zeichnete ein Bild, in dem Brüssel als Repräsentant des Westens die Maßstäbe gesetzt habe, denen sich die osteuropäischen Länder unterordnen mussten. Trotz aller Bemühungen hätten diese Staaten stets die Rückmeldung erhalten, ihre Fortschritte seien zwar anerkennenswert, aber noch nicht ausreichend. Um 2010 habe deshalb eine Gegenbewegung begonnen: Wer dauerhaft als zweitklassig gelte, besinne sich eben auf nationale Eigenheiten.

Spätestens nach der Finanzkrise 2008/2009 habe sich das Gefühl verfestigt, im globalen System zu den Verlierern zu gehören. Als Lanz sichtlich überrascht nachfragte, ob daraus eine Hinwendung zu Moskau entstanden sei, formulierte Oschmann vorsichtig: "Dass man sagt, wir sind historische Verlierer und identifizieren uns mit dem großen Verlierer, nämlich mit Putins Russland, das wäre eine mögliche Erklärung."

"Mir leuchtet diese Erklärung nicht ein"

FAZ-Autor Bingener ging mit Oschmanns Deutung hart ins Gericht. Die Argumentation laufe letztlich darauf hinaus, dass der Westen auch noch die Schuld an der Russland-Zuneigung in Teilen Ostdeutschlands trage. Oschmann wies das zurück, doch Bingener ließ nicht locker: "Etwas verkürzt schon!" Man müsse aufpassen, "wem solche Argumentationsmuster in die Hände spielen."

Sein Gegenargument stützte sich auf den Vergleich mit anderen ehemals sowjetisch dominierten Staaten. Dort sei eine deutlich ausgeprägtere Furcht vor russischem Imperialismus zu beobachten – verbunden mit entschiedenem Widerstandswillen. Lanz pflichtete bei: "Ich habe das Gefühl, je näher man rankommt, desto ausgeprägter ist das, weil die verstehen, mit wem sie es zu tun haben." Auch diese Länder hätten schmerzhafte historische Erfahrungen gemacht, entgegnete Bingener – genau wie Ostdeutschland.

Das Paradox der Planwirtschaft-Erben

Bingener spitzte seine Argumentation zum Schluss noch einmal zu. Die ökonomischen Unterschiede zwischen Ost und West seien schließlich das direkte Erbe jener Planwirtschaft, die unter sowjetischer Vorherrschaft installiert wurde. Dass ausgerechnet dort, wo die Menschen am stärksten unter den Konsequenzen dieses Systems gelitten hätten, die Zuneigung zu Russland besonders ausgeprägt sei – das bezeichnete er als "eine gewisse Spaltung".

Damit benannte der FAZ-Autor den wohl widersprüchlichsten Aspekt der gesamten Debatte: Wer die verheerenden Folgen russischer Dominanz am unmittelbarsten erfahren hat, müsste eigentlich am wenigsten Grund haben, sich Moskau erneut zuzuwenden. Dass genau das Gegenteil der Fall zu sein scheint, macht die Suche nach Erklärungen so kompliziert – und den Streit bei Lanz so aufschlussreich.

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