Angst vor Krieg wächst: Eskalation vor Nato-Küste – Schiff sinkt nach Drohnenangriff
Drohnenangriffe im Schwarzen Meer sorgen für neue Unruhe an der Nato-Ostflanke. Vor Bulgarien wurden zwei Handelsschiffe getroffen, eines davon sank. Russland steht unter Verdacht.
Erstellt von Anika Bube - Uhr
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- Zwei Handelsschiffe vor Bulgarien von Drohnen getroffen – eines sinkt
- Radev vermutet russische Interessen und bestellt die russische Botschafterin ein
- Bulgarien fordert Unterstützung bei der Überwachung des Schwarzen Meeres
Erneut sind Handelsschiffe vor der bulgarischen Schwarzmeerküste von Drohnen angegriffen worden. Ein Schiff wurde schwer beschädigt, ein zweites sank. Bulgariens Regierungschef Rumen Radev verurteilte die Attacken als "absolut inakzeptabel" und kündigte diplomatische Schritte gegen Moskau an. Eindeutige Beweise für eine russische Beteiligung liegen bislang allerdings nicht vor.
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Russischer Drohnenangriff vor Bulgariens Küste? Schiff sinkt
In der Nacht zum Dienstag (13. Oktober) wurden vor der bulgarischen Schwarzmeerküste zwei Handelsschiffe von Drohnen getroffen. Die unter maltesischer Flagge fahrende "Chelsea 3", ein Schiff in ukrainischem Besitz, wurde gegen 1.30 Uhr Ortszeit etwa 18 Seemeilen vor der Küste von drei Drohnen attackiert. Die 15-köpfige Besatzung – sieben Ukrainer und acht Aserbaidschaner – konnte gerettet und sicher in den Hafen von Warna gebracht werden. Fünf Crewmitglieder mussten medizinisch versorgt werden. Schwere Verletzungen gab es nach den bislang vorliegenden Angaben nicht. Ein zweites Schiff, die "Azov Concord" unter der Flagge von St. Kitts und Nevis, wurde rund 17 Seemeilen vor dem nordostbulgarischen Dorf Krapets angegriffen und sank. Ein Seemann konnte gerettet werden. Die Rettungsmaßnahmen und die Aufklärung der Vorfälle stehen nun im Mittelpunkt.
"Absolut inakzeptabel" – Russische Botschafterin einbestellt
Bulgariens Regierungschef Rumen Radev verurteilte die Angriffe scharf. "Ein weiterer Angriff auf Handelsschiffe in unmittelbarer Nähe bulgarischer Hoheitsgewässer ist absolut inakzeptabel", erklärte er. Zugleich räumte Radev ein, dass bislang keine eindeutigen Beweise für die Verantwortung einer Konfliktpartei vorliegen. "Wir verfügen nicht über solide und eindeutige Beweise, um gegen eine der Parteien Anklage zu erheben, aber die Logik deutet darauf hin, dass das Ergebnis zugunsten der Russischen Föderation ausfällt", sagte er. Radev kündigte an, die russische Botschafterin Eleonora Mitrofanova noch am Dienstag zu einem Gespräch einzubestellen. Damit verschärft Sofia den diplomatischen Ton gegenüber Moskau, ohne Russland bislang offiziell als Urheber der jüngsten Attacken identifiziert zu haben. Bereits nach einem ähnlichen Vorfall Anfang Oktober hatte Radev von einem "groben Verstoß gegen das Völkerrecht" gesprochen. Damals waren ebenfalls zwei Handelsschiffe in der bulgarischen ausschließlichen Wirtschaftszone im Schwarzen Meer von Drohnen getroffen worden. Ein Schiff sank, während die Besatzung des zweiten Schiffes gerettet werden konnte.
Bulgarien fordert Hilfe von Nato und EU
Sofia hat seine ständigen Vertreter bei der Nato und der Europäischen Union über die jüngsten Vorfälle informiert. Radev kündigte außerdem ein Telefonat mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte an. Bulgarien will internationale Unterstützung, um die Angriffe aufzuklären und die Herkunft der Drohnen zweifelsfrei festzustellen. Darüber hinaus bat die Regierung um Hilfe bei der Stärkung der Luft- und Seeüberwachung im Schwarzmeerraum. Auch die eigenen Reaktionsfähigkeiten sollen mit Unterstützung der Bündnispartner verbessert werden.
Die Vorfälle verdeutlichen die Sicherheitsrisiken, die der Krieg zwischen Russland und der Ukraine für die Schifffahrt im Schwarzen Meer mit sich bringt. Bulgarien ist Nato-Mitglied und liegt an einem strategisch wichtigen Abschnitt des Meeres. Die Angriffe ereigneten sich nach Angaben der bulgarischen Regierung in der eigenen ausschließlichen Wirtschaftszone. Diese ist allerdings nicht mit dem bulgarischen Hoheitsgebiet gleichzusetzen.
Russischer Luftangriff auf Ukraine: Polen warnt Bevölkerung
Parallel zu den Vorfällen im Schwarzen Meer griff Russland in der Nacht zum Dienstag die Ukraine aus der Luft an. Auch in Polen wurden daraufhin Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Das polnische Regierungszentrum für Sicherheit (RCB) warnte Bewohner der Woiwodschaften Lublin und Karpatenvorland über den Kurznachrichtendienst X. "Achtung! Russischer Luftangriff auf ukrainisches Territorium. Die Lage wird überwacht. Im Luftraum der Republik Polen operiert die polnische Luftwaffe", hieß es in der Mitteilung. Die Behörde kündigte weitere Informationen an.
Der Alarm zeigt, wie aufmerksam Polen die russischen Luftangriffe in der benachbarten Ukraine verfolgt. Aus der Warnung allein lässt sich jedoch nicht ableiten, dass polnisches Staatsgebiet unmittelbar angegriffen wurde oder ein Übergreifen des Krieges bevorstand.
Auch die Sorge vor einer möglichen Ausweitung des Konflikts beschäftigt die NATO. Artikel 5 des Nordatlantikvertrags sieht vor, dass ein bewaffneter Angriff auf ein Mitglied als Angriff auf alle Bündnispartner betrachtet wird. Welche Maßnahmen die einzelnen Staaten ergreifen, entscheiden sie im Rahmen der Beistandsverpflichtung selbst.
Bereits Anfang Oktober: Handelsschiff "Alfa Watan" gesunken
Die jüngsten Angriffe folgen auf einen ähnlichen Vorfall vom 6. Oktober. Damals wurden zwei Handelsschiffe in der bulgarischen ausschließlichen Wirtschaftszone im Schwarzen Meer von Drohnen getroffen. Das unter der Flagge Togos fahrende Schiff "Alfa Watan" sank. Die Suche nach seiner Besatzung wurde später eingestellt, ohne Überlebende zu finden. Das zweite Schiff, die "Able" unter der Flagge von Palau, wurde ebenfalls schwer beschädigt. Seine 18 Besatzungsmitglieder konnten gerettet werden, zwei Seeleute wurden verletzt.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj machte Russland für den Angriff verantwortlich. Er erklärte, die ukrainischen Streitkräfte hätten in diesem Teil des Meeres keine Operationen durchgeführt. Die bulgarischen Behörden untersuchen die Vorfälle.
Bulgarien grenzt an der Schwarzmeerküste an eine Region, in der der Krieg zwischen Russland und der Ukraine die zivile Schifffahrt zunehmend gefährdet. Die wiederholten Angriffe auf Handelsschiffe erhöhen den Druck auf Sofia, die Überwachung des Meeres zu verstärken und mit internationalen Partnern die Herkunft der Drohnen aufzuklären.
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