Wladimir Putin schwer krank?: Husten, Zittern und Co. – die Krankenakte des Kremlchefs

Der Kreml inszenierte Wladimir Putin jahrzehntelang als unverwüstlichen starken Mann. Doch Hustenanfälle und andere auffällige Beobachtungen haben zuletzt erneut Fragen über seinen Gesundheitszustand ausgelöst. Dass Putin nun selbst von einem Krankenhaus-Check berichtet, ist deshalb alles andere als gewöhnlich.

Von news.de Redakteurin - Uhr

Wie krank ist Putin? (Foto) Suche
Wie krank ist Putin? Bild: picture alliance/dpa/Pool AP | Alexander Zemlianichenko
  • Putin sprach über einen zweitägigen Krankenhaus-Check – für den Kreml eine ungewöhnliche Offenheit
  • Hustenanfälle, Zittern und Berichte über chronische Schmerzen haben zuletzt neue Spekulationen ausgelöst
  • Geheimdienstberichte und Recherchen werfen Fragen zu früheren Behandlungen und Putins körperlichem Zustand auf

Seit Jahrzehnten gilt die Gesundheit des russischen Präsidenten als eines der bestgehüteten Geheimnisse des Kremls. Jeder Hinweis auf körperliche Schwäche wird konsequent unterdrückt. Doch Wladimir Putin höchstpersönlich hat mit dieser eisernen Regel gebrochen. Schon vor Monaten erklärte der 73-Jährige bei einem Besuch einer Moskauer Ausstellung laut russischen Medien, er sei "Gott sei Dank bei bester Gesundheit" und habe sich gerade erst für zwei Tage im Krankenhaus einem umfassenden Check-up unterzogen – inklusive Übernachtung. Ein Satz, der in jedem anderen Land kaum der Rede wert wäre. In Russland aber kam er einem kleinen Erdbeben gleich und seine Nachwirkungen sind bis heute spürbar.

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Der Druck auf den Kremlchef ist enorm gewachsen. Hustenanfälle, Zittern, undeutliche Sprache: die Hinweise auf gesundheitliche Probleme häufen sich seit Monaten. Putins kontrollierte Offenheit wirkt wie eine erzwungene Gegenoffensive statt ein Akt der Transparenz.

Gelöschtes Husten-Video und zitternde Hände: Wie krank ist Wladimir Putin?

Die Liste der beunruhigenden Beobachtungen ist mittlerweile beachtlich lang. Ein kürzlich aufgetauchtes Video zeigte Putin während einer Ansprache in einem heftigen Hustenanfall. Der Kreml ließ die Aufnahme anschließend löschen. Bei einer wichtigen Rede im Kreml fiel Beobachtern zudem auf, dass der Kremlchef seine Worte auffällig undeutlich artikulierte. Manche Analysten sprachen von Anzeichen eines "Mini-Schlaganfalls". Hinzu kommen wiederholt geschwollene Hände und ein Zittern, das bei öffentlichen Terminen kaum noch zu übersehen ist. Der ehemalige MI6-Chef Sir Richard Dearlove äußerte bereits 2024 die Einschätzung, dass mit Putin etwas "grundlegend nicht stimme". Der Kreml reagiert auf sämtliche Spekulationen seit Jahren mit dem gleichen Reflex: Alles sei "absoluter Unsinn", dem Präsidenten gehe es bestens. Doch die Bilder erzählen eine andere Geschichte.

Chronische Schmerzen statt tödlicher Krankheit: Militärgeheimdienst äußert sich zu Putins Gesundheitszustand

Eine der aufschlussreichsten Einschätzungen stammt vom dänischen Militärgeheimdienst FE. Dessen Analysten gehen davon aus, dass Putin an keiner lebensbedrohlichen Erkrankung leidet – wohl aber unter massiven chronischen Schmerzen, verursacht durch mehrere Stürze und Unfälle. Das auffällige Verhalten, bei öffentlichen Auftritten Tischkanten oder Gegenstände fest zu umklammern, sei ein Versuch, den Schmerz zu kontrollieren, erklärte ein dänischer Geheimdienstoffizier gegenüber der Zeitung "Berlingske". Verschiedene Medien hatten zuvor über die Folgen eines Reitunfalls in den 2000er-Jahren berichtet. Zusätzlich soll sich Putin bei Judo- und Eishockeytraining in den vergangenen Jahren verletzt haben. Der FE geht allerdings auch davon aus, dass Putin vor Kriegsbeginn an einer Form von Krebs erkrankt war und behandelt wurde – was seine Entscheidung zur Invasion beeinflusst haben könnte.

Zwei Rücken-OPs und bis zu 13 Ärzte am Krankenbett

Wie gravierend Putins körperliche Probleme tatsächlich sind, belegen Recherchen der russischen Investigativportale "Proekt media" und "Meduza". Demnach wurde Putin mindestens zweimal am Rücken operiert – Ursache: seine Leidenschaft fürs Reiten. "Einer der Stürze aus dem Sattel war sehr schwerwiegend. Putin konnte einige Zeit nicht einmal auf den Beinen stehen, und dann wurde er lange behandelt", zitieren die Journalisten einen Vertrauten des Präsidenten.

Besonders aufschlussreich sind ausgewertete Beschaffungsdaten: Zwischen 2016 und 2020 reisten stets Ärzte mit Putin nach Sotschi – anfangs durchschnittlich fünf, 2019 bereits neun. An einem Wochenende im November 2019 waren es sogar 13 Mediziner gleichzeitig. Unter Putins häufigstem ärztlichen Begleiter: der Chirurg Jewgeni Selivanov, spezialisiert auf Schilddrüsenkrebs.

Wladimir Putin: Gerüchte um Schlaganfall

Dass Putins körperlicher Verfall nicht nur physische Ursachen hat, legt die Aussage eines ehemaligen Redenschreibers nahe. Gegenüber dem ukrainischen Medienprojekt "Anyway News" berichtete er, dass der Kremlchef bereits 2022 einen Schlaganfall erlitten habe. Die ersten Symptome seien wenige Monate nach Kriegsbeginn aufgetreten – als klar wurde, dass der erhoffte schnelle Durchmarsch gescheitert war. "Das war ein sehr schwerer psychologischer Schlag für ihn", so der ehemalige Mitarbeiter. "Dann begann das Zittern – seine Hand zitterte, sein Bein zitterte." Der zeitliche Zusammenhang zwischen dem militärischen Scheitern und dem Einsetzen der Symptome ist bemerkenswert. Laut dem Ex-Redenschreiber war es genau jener Moment der Ernüchterung, der Putins körperlichen Niedergang sichtbar beschleunigte.

Vom Taiga-Reiter zum kontrollierten Kurzauftritt

Über zwei Jahrzehnte lang inszenierte der Kreml seinen Präsidenten als Inbegriff männlicher Stärke: mit nacktem Oberkörper hoch zu Ross, beim Tauchen nach antiken Amphoren oder im Cockpit eines Kampfjets. Jedes dieser Bilder war ein bewusster Gegenentwurf zum gesundheitlich angeschlagenen Vorgänger Boris Jelzin. Doch der Krieg gegen die Ukraine, mittlerweile bald im vierten Jahr, hat diese Inszenierung ausgehöhlt. Putins öffentliche Auftritte wurden seltener, kürzer und auffällig durchgeplant. Die kraftstrotzenden Fotomotive wichen kontrollierten Terminen in engen Räumen. Dass der Kremlchef nun selbst über seinen Krankenhausbesuch spricht, offenbart das Ausmaß des Kontrollverlusts. Wer jahrzehntelang jede Schwäche als Staatsgeheimnis behandelt hat und plötzlich Gesundheitsbulletins liefert, reagiert nicht aus Souveränität – sondern weil das Schweigen nicht mehr funktioniert.

Wenn die Elite den Kreml-Kurs infrage stellt

Für den dänischen Militärgeheimdienst FE ist die entscheidende Frage nicht, ob Putin stirbt, sondern ob Russlands Machtelite irgendwann einen belastbareren Anführer verlangt. In seinem Jahresbericht 2021 hielt der FE es noch für "sehr wahrscheinlich", dass Putin nach der Präsidentschaftswahl 2024 an der Macht bleibt. Ein Jahr später stufte er diese Prognose auf lediglich "wahrscheinlich" herab. "Unsere größte Unsicherheit betrifft seine Gesundheit – oder dass jemand ihn wegen seiner nachlassenden Gesundheit absetzt", so ein FE-Offizier gegenüber "Berlingske".

Teile der russischen Elite erkannten bereits, "dass sie auf dem falschen Kurs sind", ergänzte der Geheimdienstler. Putins betont beiläufiger Verweis auf seinen Krankenhaus-Check ist vor diesem Hintergrund vor allem eines: ein Stabilitätssignal an Militär, Sicherheitsapparat und Machtzirkel – gesendet von einem Präsidenten, der spürt, dass Schweigen keine Option mehr ist.

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