Wladimir Putin: Leibwächter, Scharfschützen und Co. – so schützt der Kremlchef sein Leben
Wladimir Putin wird von einem gewaltigen Sicherheitsapparat geschützt. Leibwächter, Scharfschützen, Giftkontrollen und ein spezieller Sonderzug sollen den Kremlchef vor möglichen Anschlägen schützen. Ein ehemaliger FSO-Offizier verrät, wie abgeschottet der Kremlchef tatsächlich lebt.
Von news.de-Redakteurin Anika Bube - Uhr
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- Wladimir Putin wird mit einem riesigen Sicherheitsapparat aus sichtbaren und verdeckten Kräften des russischen FSO beschützt
- Lebensmittel werden vor dem Essen auf mögliche Vergiftungen überprüft
- Ein geflohener FSO-Offizier berichtet von Geheimzügen, identischen Büros und einer extremen Abschottung des Kremlchefs
Männer in dunklen Anzügen, mit Funkgerät im Ohr und wachsamen Blicken. Sie stehen wenige Meter hinter Wladimir Putin, bewegen sich scheinbar beiläufig durch Menschenmengen und verschwinden ebenso unauffällig wieder aus dem Bild. Der russische Präsident gehört zu den am stärksten geschützten Staatschefs der Welt. Wo immer Putin auftaucht, ist ein gewaltiger Sicherheitsapparat im Einsatz – mit Leibwächtern, Spezialkräften, Scharfschützen und technischen Überwachungssystemen.
Im Zentrum steht der Föderale Schutzdienst Russlands (FSO). Die genaue Personalstärke des Geheimdienstes ist nicht öffentlich bekannt; Schätzungen gehen von rund 50.000 Mitarbeitern aus. Der FSO schützt nicht nur den Präsidenten, sondern ist auch für die Sicherheit weiterer hoher Staatsvertreter und wichtiger staatlicher Einrichtungen zuständig. Doch wie sieht der Schutz für Putin konkret aus?
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Wladimir Putin: Seine Leibwächter bilden vier Sicherheitsringe
Wie "Russia Beyond" schreibt, wird Putin bei öffentlichen Auftritten von mehreren Sicherheitsringen abgeschirmt. Der erste Ring besteht aus seinen unmittelbaren Leibwächtern. Sie bewegen sich direkt neben dem Präsidenten und sind darauf vorbereitet, ihn im Ernstfall mit ihrem eigenen Körper abzuschirmen. Besonders auffällig sind dabei die vermeintlichen Aktenkoffer. Dahinter verbergen sich nach früheren Berichten zusammenklappbare ballistische Schutzschilde. Auch speziell verstärkte Regenschirme gehören zur Ausrüstung der Leibwächter. Weitere Sicherheitskräfte mischen sich unauffällig unter die Menschenmenge. Sie beobachten das Umfeld und suchen nach möglichen Gefahren. Den äußeren Sicherheitsring bilden unter anderem Scharfschützen und weitere Einsatzkräfte. Bei besonders wichtigen Auftritten werden umliegende Gebäude und Dächer überwacht.
Kremlchef lässt Essen auf Gift untersuchen
Die Sicherheitsmaßnahmen enden nicht beim Personenschutz. Sie reichen offenbar bis auf Putins Teller. "Moscow Times" berichtete 2024 unter Berufung auf eine kremlnahe Quelle, dass Putin auf Reisen von persönlichen Köchen begleitet werde. Auch Lebensmittel würden mitgebracht. Doch bevor das Essen auf dem Teller des Präsidenten landet, soll eine spezielle Gruppe von Mitarbeitern die Speisen kontrollieren. Dafür werde sogar ein mobiles Labor eingesetzt, mit dem die Lebensmittel unter anderem auf Gift untersucht werden. Die Maßnahme zeigt, wie ernst der Kreml offenbar die Gefahr einer Vergiftung nimmt.
Putin trägt angeblich versteckte Schutzweste
Auch bei öffentlichen Auftritten soll Putin selbst zusätzliche Schutzmaßnahmen treffen. Nach Angaben der "Moscow Times" trägt der russische Präsident bereits seit mindestens 2023 bei Freiluftveranstaltungen eine verdeckte Schutzweste. Russische Beamte, die Putin bei mehreren Auftritten aus der Nähe gesehen haben, berichteten dem Medium, dass die Maßnahme vom Präsidentenschutz empfohlen worden sei. Bei der Siegesparade am 9. Mai 2024 soll Putin demnach ebenfalls eine solche Weste unter seinem Mantel getragen haben. Eine unabhängige Sicherheitsberaterin analysierte für die "Moscow Times" Videoaufnahmen der Parade und kam zu dem Schluss, dass Putin tatsächlich eine Form ballistischen Schutzes getragen habe.
Gleb Karakulow: Der FSO-Offizier, der Putin den Rücken kehrte
Gleb Karakulow weiß wie kaum ein anderer, wie der Sicherheitsapparat des Kremlchefs funktioniert. Der Ingenieur und Kapitän des FSO arbeitete seit 2009 in der Präsidentenkommunikation. Nach eigenen Angaben begleitete er Putin während seiner rund 13 Jahre beim Dienst auf mehr als 180 Reisen. Im Oktober 2022 nutzte er eine Dienstreise nach Kasachstan zur Flucht. Während Putin sich in Astana aufhielt, setzte sich Karakulow mit seiner Familie ab und flog anschließend in die Türkei. "Dossier Center" prüfte seine Identität und Dokumente. Auch andere Medien konnten seine Angaben zu seiner früheren Tätigkeit nachvollziehen. Einzelne Details seines Berichts lassen sich allerdings nicht unabhängig überprüfen.
Nach seiner Flucht sprach Karakulow ungewöhnlich offen über seinen früheren Arbeitgeber und den Präsidenten. Er beschrieb Putin als einen Mann, der sich zunehmend von der Außenwelt abschotte und in einer Informationsblase lebe. Besonders deutlich wurde Karakulow bei seiner Beschreibung der Sicherheitsmaßnahmen. "Er fürchtet pathologisch um sein Leben", sagte er über Putin. Und auch an seine ehemaligen Kollegen beim FSO richtete er einen eindringlichen Appell: „Ihr verfügt über weit mehr Informationen, als der Fernseher und die Propaganda verbreiten. Ihr müsst aufhören, diese verbrecherischen Befehle auszuführen." Karakulow warf dem russischen Präsidenten zudem vor, das Leben seiner Mitarbeiter und deren Familien gering zu schätzen: "Sein einziger Wert ist sein eigenes Leben und das seiner Angehörigen. Das Leben eurer Familien hat für ihn keinerlei Bedeutung."
Ehemaliger Putin-Leibwächter packt aus
Karakulow arbeitete über Jahre in der Kommunikationsabteilung des Schutzdienstes und begleitete Putin nach eigenen Angaben auf mehr als 180 Reisen. Er sagte, er habe den Präsidenten während seiner gesamten Dienstzeit nie mit einem Mobiltelefon gesehen. "Er nutzt weder Internet noch Telefon. Sämtliche Informationen erhält er ausschließlich von Personen in seinem engsten Umfeld", erklärte Karakulow. Damit beschrieb der ehemalige FSO-Mitarbeiter ein regelrechtes Informationsvakuum rund um den russischen Präsidenten. Als Ausnahme nannte er russisches Fernsehen, das Putin auf seinen Reisen offenbar zur Verfügung gestellt werde.
Auch bei seinen Reisen setzt Putin offenbar auf besondere Sicherheitsvorkehrungen. Karakulow berichtete über einen speziellen, gepanzerten Zug, der äußerlich wie ein gewöhnlicher russischer Zug aussehe. Der Grund für die Nutzung sei unter anderem die bessere Verschleierung seiner Bewegungen. Während sich Flugzeuge mit öffentlich zugänglichen Flugdaten teilweise verfolgen lassen, kann ein Zug deutlich schwerer beobachtet werden. Karakulow zufolge wurde Putins Sonderzug bereits vor dem russischen Großangriff auf die Ukraine häufiger eingesetzt. Seit Beginn des Krieges sollen FSO-Mitarbeiter sogar in langen Schichten bereitgestanden haben, um den Betrieb des Zuges abzusichern. Karakulow berichtete von Einsätzen von bis zu 40 oder 45 Tagen.
Wie der Aufenthaltsort des Kremkchefs verschleiert werden soll
Noch kurioser ist eine weitere Sicherheitsmaßnahme, von der Karakulow berichtete. In mehreren Residenzen Putins sollen sich nahezu identische Büros befinden. Schreibtisch, Wände und weitere Details seien so gestaltet, dass die Räume kaum voneinander zu unterscheiden seien. Damit könne der Kreml den tatsächlichen Aufenthaltsort des Präsidenten verschleiern. Karakulow berichtete außerdem von fingierten Abreisen. Wenn Putin beispielsweise in Sotschi blieb, obwohl öffentlich der Eindruck entstehen sollte, er verlasse den Ort, seien ein Flugzeug und ein Autokonvoi losgeschickt worden. Der ehemalige FSO-Mitarbeiter erklärte, dies habe vermutlich dazu gedient, Geheimdienste zu täuschen und mögliche Attentate zu erschweren.
Besonders während der Corona-Pandemie wurde die Abschottung des Präsidenten nochmals verschärft. Karakulow berichtete von strengen Quarantäneregeln für Menschen, die Putin nahekommen sollten. FSO-Mitarbeiter mussten demnach teilweise zwei Wochen isoliert werden, bevor sie mit dem Präsidenten arbeiten durften. Auch nach der akuten Pandemiephase sollen die Maßnahmen noch lange fortgeführt worden sein. Für den Einsatz rund um den Sonderzug wurden Mitarbeiter in Schichten vorbereitet und zuvor unter Quarantäne gestellt.
Kremlchef hinter gigantischer Sicherheitsblase
Die Aussagen Karakulows und die Recherchen zur Präsidentensicherheit zeichnen das Bild eines Staatschefs, dessen Alltag von außergewöhnlichen Sicherheitsmaßnahmen geprägt ist. Leibwächter mit Schutzschilden, Scharfschützen, kontrollierte Lebensmittel, Schutzwesten, abgeschirmte Kommunikation und ein spezieller Zug gehören demnach zu den Mitteln, mit denen Putin geschützt wird. Hinzu kommen Maßnahmen zur Verschleierung seines Aufenthaltsortes. Wie groß der tatsächliche Sicherheitsapparat um den russischen Präsidenten ist, bleibt letztlich geheim. Fest steht jedoch: Der FSO gehört zu den wichtigsten Schutz- und Sicherheitsorganen des Kremls – und Putin wird bei seinen öffentlichen Auftritten von einem engmaschigen System aus sichtbaren und unsichtbaren Sicherheitskräften abgeschirmt.
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