Wladimir Putin: Kremlchef rüstet heimlich auf – neue Drohnenstützpunkte an Natogrenze gebaut
Putin rüstet seine Drohnen-Armee auf. Satellitenbilder und geleakte Dokumente enthüllen ein Netzwerk aus mindestens zehn russischen Stützpunkten, von denen die neuesten Drohnen theoretisch bis nach Warschau fliegen könnten.
Erstellt von Anika Bube - Uhr
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- Eine "Telegraph"-Recherche identifiziert mindestens zehn neue russische Drohnen-Stützpunkte mit 59 Startschienen
- Rund 20 der Schienen sind offenbar für Russlands neueste Langstreckendrohnen ausgelegt
- Einige der neuen Drohnen könnten theoretisch Ziele in Polen erreichen – einen konkreten russischen Angriffsplan gibt es laut Recherche aber nicht
Russland baut offenbar im großen Stil seine Infrastruktur für Drohnenangriffe aus. Eine Recherche des britischen "Telegraph" hat mindestens zehn Stützpunkte entlang der russischen Grenze zu Belarus und der Ukraine identifiziert. Dort wurden insgesamt 59 neue Startschienen errichtet. Besonders brisant ist die mögliche Reichweite der dort eingesetzten Waffen: Russlands neueste Drohnenmodelle könnten theoretisch Ziele tief in Europa erreichen – darunter die polnische Hauptstadt Warschau.
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Wladimir Putin baut Drohnenstützpunkte aus
Die "Telegraph"-Recherche stützt sich auf Satellitenaufnahmen und geleakte Dokumente. Gemeinsam mit Militäranalysten wurden mindestens zehn Standorte ausfindig gemacht, an denen neue Startanlagen für Drohnen entstanden sind. Bei den sogenannten Startschienen handelt es sich um mechanische Führungssysteme. Sie ermöglichen den Start von Flächendrohnen, ohne dass eine klassische Start- und Landebahn benötigt wird. Rund 20 der 59 neu errichteten Schienen sind laut der Analyse von DroneSec besonders lang. Das deutet darauf hin, dass sie für die größeren und leistungsfähigeren Drohnenmodelle ausgelegt sein könnten. An einigen Standorten laufen die Bauarbeiten zudem weiter. Moskau könnte damit seine Fähigkeit ausbauen, künftig deutlich größere Drohnenschwärme gleichzeitig zu starten.
Die entdeckten Anlagen sind unterschiedlich aufgebaut. Einige entstanden auf bereits vorhandenen Militärstützpunkten oder Flughäfen, andere wurden offenbar auf bislang ungenutztem Gelände errichtet. Besonders auffällig sind die Lagerkapazitäten. An einem der Standorte sollen nach Angaben der Recherche mehr als 1.000 Drohnen gleichzeitig untergebracht werden können. Auch die praktische Nutzung der Anlagen liefert Hinweise auf ihre Bedeutung: Sieben der zehn identifizierten Standorte wurden laut frei zugänglichen Tracking-Daten bereits bei russischen Angriffen auf die Ukraine eingesetzt. Damit handelt es sich keineswegs nur um langfristige Bauprojekte. Teile des neuen Netzwerks sind bereits in den russischen Drohnenkrieg gegen die Ukraine eingebunden.
Geran-4 und Geran-5: Russlands neue Drohnen werden schneller
Besonders im Fokus stehen die neuen russischen Geran-Varianten. Russland hat seine ursprünglich von iranischen Shahed-Drohnen abgeleitete Technologie weiterentwickelt und setzt zunehmend auf schnellere, düsengetriebene Modelle. Die Geran-4 und Geran-5 sollen deutlich leistungsfähiger sein als ältere Varianten. Nach Angaben aus der Recherche können die neueren Drohnen größere Sprengköpfe tragen und deutlich größere Entfernungen zurücklegen. Die Geran-5 wird mit einer Reichweite von rund 1.000 Kilometern und einem Gefechtskopf von bis zu 90 Kilogramm beschrieben.
Für die ukrainische Luftverteidigung stellt diese Entwicklung eine zusätzliche Herausforderung dar. Höhere Geschwindigkeit und größere Reichweite können die Abwehr erschweren. Auch das Institute for the Study of War (ISW) beobachtet eine zunehmende russische Konzentration auf schnellere, düsengetriebene Geran-Varianten, die schwieriger abzufangen sein können als ältere Modelle.
Warschau theoretisch in Reichweite der neuen Russen-Drohnen
Der wohl brisanteste Aspekt der Enthüllung ist die geografische Lage der neuen Stützpunkte. Einige der Anlagen befinden sich so, dass die neuesten russischen Langstreckendrohnen theoretisch Warschau erreichen könnten. Damit rückt erstmals deutlich ins Bewusstsein, dass die technologische Weiterentwicklung der russischen Drohnen nicht nur für die Ukraine relevant ist. Die Schlussfolgerung sollte allerdings nicht überzogen werden: Die Tatsache, dass ein Ziel erreichbar ist, bedeutet nicht, dass ein Angriff unmittelbar bevorsteht. Auch der "Telegraph" betont, dass es keinen Hinweis auf einen konkreten russischen Angriffsplan gegen Polen gibt. Die neue Infrastruktur schafft dem Kreml jedoch zusätzliche militärische Optionen für den Fall einer weiteren Eskalation.
Geheimdienste fürchten mögliche Provokationen gegen die Nato
Westliche Geheimdienstvertreter beobachten die Entwicklung dennoch aufmerksam. Hintergrund ist nicht nur die wachsende Reichweite der russischen Drohnen, sondern auch die Sorge vor möglichen sogenannten hybriden oder verdeckten Operationen. Als mögliche Szenarien werden unter anderem Angriffe auf kritische Infrastruktur sowie sogenannte False-Flag-Aktionen diskutiert. Dabei könnte ein Angriff so inszeniert werden, dass anschließend die Ukraine dafür verantwortlich gemacht wird. Der ehemalige Berater des ukrainischen Innenministers, Anton Geraschtschenko, bezeichnete die neue Infrastruktur auf X als "eine langfristige Bedrohung für Nato-Verbündete". Damit ist allerdings ebenfalls keine Aussage darüber verbunden, dass ein solcher Angriff unmittelbar bevorsteht.
Ein wichtiger Teil der Entwicklung spielt sich weit hinter der Front ab. Ein zentrales Produktionszentrum für russische Drohnen befindet sich in der Sonderwirtschaftszone Alabuga. Von dort werden große Mengen unbemannter Flugkörper für den russischen Krieg gegen die Ukraine produziert. Die neuen Startstützpunkte schaffen die notwendige Infrastruktur, um diese Waffen anschließend möglichst flexibel einzusetzen. Die Entwicklung zeigt damit einen grundsätzlichen Wandel der russischen Kriegsführung: Drohnen sind längst nicht mehr nur ein ergänzendes Waffensystem. Sie werden zu einem zentralen Instrument für massive Angriffe aus der Luft.
Neue Gefahr: Geran-Drohnen könnten auch Flugzeuge angreifen
Noch brisanter könnte eine weitere Entwicklung werden. Nach Angaben des ukrainischen Militärgeheimdienstes experimentiert Russland offenbar damit, Geran-Drohnen mit Luft-Luft-Raketen auszurüsten. Damit könnten die Flugkörper nicht mehr ausschließlich gegen Bodenziele eingesetzt werden. Sie könnten möglicherweise auch Flugzeuge bedrohen, die zur Verteidigung ukrainischer Städte eingesetzt werden. Sollte sich diese Entwicklung bestätigen und technisch bewähren, würde sich das Einsatzspektrum der Geran-Drohnen erneut erheblich erweitern.
Nato reagiert auf die neue Drohnen-Bedrohung
Auch die Nato stellt sich auf die zunehmende Bedeutung unbemannter Systeme ein. Das Bündnis erklärt, seine Fähigkeiten zur Erkennung und Abwehr von Drohnen weiter auszubauen. Die Entwicklung ist eine direkte Folge der Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg. Dort werden Drohnen inzwischen in großer Zahl eingesetzt – für Aufklärung, Angriffe, Täuschungsmanöver und zur Überlastung gegnerischer Luftverteidigung. Für die Nato bedeutet die Entwicklung eine neue Herausforderung: Je schneller, weiter und zahlreicher die Drohnen werden, desto schwieriger wird es, jeden einzelnen Flugkörper mit klassischen Luftverteidigungssystemen abzufangen.
Noch kein Angriff auf die Nato – aber mehr Möglichkeiten für Putin
Die neuen russischen Drohnen-Basen sind deshalb vor allem eines: ein Zeichen für die wachsenden militärischen Möglichkeiten des Kremls. Ein unmittelbar bevorstehender Angriff auf Polen oder einen anderen Nato-Staat lässt sich aus den neuen Anlagen nicht ableiten. Doch Russland schafft mit der neuen Infrastruktur die Voraussetzungen dafür, künftig größere Mengen weitreichender Drohnen einsetzen zu können. Dass bereits sieben der zehn identifizierten Standorte bei Angriffen auf die Ukraine genutzt wurden, zeigt gleichzeitig, dass die Infrastruktur nicht nur auf dem Papier existiert. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Putin morgen Warschau angreifen wird. Sondern wie weit Russland seine Drohnen-Armee noch ausbauen kann – und wie gut die Nato vorbereitet ist, wenn sich diese Waffen eines Tages tatsächlich gegen Bündnisgebiet richten sollten.
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