Alexander Lukaschenko: Lukaschenko lässt plötzlich Armee ausrücken – was plant Belarus?

Plötzlich herrscht Gefechtsalarm in Belarus! Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko lässt eine komplette Brigade ausrücken – was steckt hinter der Geheim-Mission?

Erstellt von - Uhr

Alexander Lukaschenko, Präsident von Belarus, ordnet überraschend eine Gefechtsbereitschaftsprüfung an. (Foto) Suche
Alexander Lukaschenko, Präsident von Belarus, ordnet überraschend eine Gefechtsbereitschaftsprüfung an. Bild: picture alliance/dpa/XinHua | Henadz Zhinkov
  • Lukaschenko ordnet überraschende Gefechtsbereitschaftsprüfung seiner Armee an
  • Eine komplette Brigade verlässt ihren Stützpunkt – Einsatzauftrag bleibt geheim
  • Zeitgleich sorgt der geheime Moskau-Trip von CIA-Chef Ratcliffe für Aufsehen

Mitten in einer ohnehin angespannten Sicherheitslage in Osteuropa hat der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko eine unangekündigte Überprüfung der Gefechtsbereitschaft seiner Streitkräfte angeordnet. Über die Ereignisse berichtet am Donnerstag unter anderem die "Kyiv Post". Wie der Sekretär des belarussischen Sicherheitsrats, Alexander Wolfowitsch, am 26. August mitteilte, wird dabei eine komplette Brigade ihren Stützpunkt verlassen und geheime Aufgaben durchführen.

Lukaschenko lässt Armee zu Geheim-Mission ausrücken

Was genau die Soldaten erwartet, bleibt unter Verschluss. "Darüber werden wir vorerst nicht sprechen", erklärte Wolfowitsch lediglich. Die konkreten Einsatzaufgaben hingen von Entscheidungen der militärischen Führung und des Generalstabs ab.

Der Zeitpunkt ist bemerkenswert: Die Anordnung erfolgte nur einen Tag nach der unangekündigten Ankunft von CIA-Direktor John Ratcliffe in Moskau – ein Zusammentreffen, das auch dem belarussischen Nachrichtenkanal Nexta nicht entging.

Belarus testet seine Armee mit Blick auf moderne Kriegsführung

Im Zentrum der Übung steht die Frage, ob die belarussischen Einheiten unter den Bedingungen moderner Kriegsführung tatsächlich kampffähig wären. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf dem Einsatz von Feuerkraft – und zwar unter Berücksichtigung der Erkenntnisse aus den Konflikten in der Ukraine und im Iran.

Wolfowitsch bemühte sich gleichzeitig um Beruhigung der Bevölkerung. Man solle nicht davon ausgehen, "dass etwas Außergewöhnliches passiert", sagte der Sicherheitsratssekretär. Welche konkreten Szenarien die Brigade durchspielen wird und wohin sie verlegt wurde, bleibt allerdings vollständig unter Verschluss.

Die Kombination aus Geheimhaltung und demonstrativer Gelassenheit dürfte in den Nachbarstaaten dennoch aufmerksam registriert werden – zumal der geopolitische Kontext alles andere als entspannt ist.

Was der CIA-Chef in Moskau wollte

Ratcliffe war am 25. August ohne vorherige Ankündigung in der russischen Hauptstadt eingetroffen. Laut Kreml kam es dabei nicht zu einem Treffen mit Präsident Wladimir Putin – stattdessen habe es sich um "Kontakte zwischen Geheimdiensten" gehandelt.

Doch hinter der diplomatischen Formulierung steckt offenbar mehr. Wie das "Wall Street Journal" unter Berufung auf eingeweihte Personen berichtete, könnte der Besuch mit amerikanischen Geheimdiensterkenntnissen über Putins nächste mögliche Schritte zusammenhängen. Demnach hätten russische Streitkräfte kürzlich Mobilisierungsübungen in der Region Kaliningrad und weiteren Gebieten durchgeführt, um zu testen, ob die militärische Infrastruktur neue Rekruten aufnehmen, ausrüsten und versorgen könnte.

Zudem lägen Washington Hinweise vor, dass Putin die Entschlossenheit der Nato auf die Probe stellen wolle. "Das Ziel könnte gewesen sein zu sagen: 'Wir wissen, was ihr plant, und ihr solltet es besser lassen'", erklärte die ehemalige stellvertretende US-Geheimdienstdirektorin Beth Sanner gegenüber der Zeitung.

Belarus rüstet an der ukrainischen Grenze auf

Die Gefechtsbereitschaftsprüfung fällt in eine Phase zunehmender militärischer Aktivität an der Südgrenze von Belarus. Anfang August hatte der Kommandeur der belarussischen Spezialkräfte, Alexander Iljukewitsch, die Aufstellung einer neuen Luftsturmbrigade in Grenznähe zur Ukraine bestätigt – Berichten zufolge in der Region Gomel. Satellitenaufnahmen zeigen, dass Belarus eine neue Eisenbahninfrastruktur für die massenhafte Entladung schwerer Rad- und Kettenfahrzeuge errichtet hat.

Das "Wall Street Journal" hatte zuvor berichtet, Putin dränge Lukaschenko dazu, eine neue Front gegen die Ukraine zu eröffnen. Moskau erwäge demnach auch, belarussisches Territorium für Operationen gegen benachbarte Nato-Staaten zu nutzen, darunter für Drohnenstarts.

Die Warnungen häufen sich entsprechend: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mahnte Lukaschenkosich nicht noch tiefer in Russlands Krieg hineinziehen zu lassen. Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj verwies auf den Ausbau militärischer Infrastruktur entlang der gemeinsamen Grenze, die für Angriffe auf die Ukraine genutzt werden könnte.

Auch diese Nachrichten sind einen Blick wert:

/bos/news.de/stg

Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.