Wladimir Putin siegessicher: Ex-Ukraine-Minister warnt - "sieht so aus, als würden wir allmählich verlieren"
Nur wenige Monate bleiben der Ukraine laut ihrem früheren Verteidigungsminister, um eine schleichende Niederlage gegen Putin abzuwenden – und Mychajlo Fedorow geht noch weiter: Er fordert eine Debatte über Neuwahlen mitten im Krieg und wird damit zum gefährlichsten Rivalen von Präsident Selenskyj.
Erstellt von Ines Fedder - Uhr
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- Ex-Verteidigungsminister der Ukraine mit alarmierenden Worten zu Wladimir Putin
- Bahnt sich für Selenskyj eine schleichende Niederlage an?
- Mychajlo Fedorow - darum könnte der Ex-VerteidigungsministerSelenskyj gefährlich werden
Der frühere ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow zeichnet ein düsteres Bild der militärischen Lage seines Landes. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters warnte der 35-Jährige am Montag davor, dass die Ukraine den Krieg gegen Russland schleichend zu verlieren drohe. Aber wie ernst ist die Lage wirklich?
"Langsam aber sicher verlieren" - ukrainischer Ex-Verteidigungsminister zeichnet düsteres Bild
"Ich glaube, dass wir jetzt an einem Wendepunkt stehen, der unseren weiteren Kurs bestimmen wird", sagte der ehemalige ukrainische Verteidigungsminister Fedorow. "Aber es sieht so aus, als würden wir langsam, aber sicher den Kampf verlieren." Kiew bleibe nur noch ein Zeitfenster von wenigen Monaten, um das Ruder herumzureißen.
Der Ex-Minister machte dafür vor allem das Fehlen einer übergeordneten Strategie verantwortlich. Es mangele an Innovationskraft, während tief verwurzelte Korruption und Vetternwirtschaft die staatlichen Strukturen lähmten. Zwar habe die Ukraine noch "alle Chancen" auf einen Sieg – doch dafür brauche es endlich einen konkreten Plan zur Beendigung des Krieges.
Entlassung nach offenem Machtkampf mit Armeechef
Fedorow hatte das Amt des Verteidigungsministers erst Anfang 2026 übernommen, wurde jedoch bereits nach einem halben Jahr wieder abgesetzt. Vorausgegangen war ein teils öffentlich ausgetragener Streit mit dem ukrainischen Armeechef Olexander Syrskyj. Im Juli enthob Präsident Selenskyj den als Reformer geltenden Minister im Zuge eines umfassenden Regierungsumbaus.
Die Absetzung löste in der Ukraine Protestwellen aus. Viele Bürger stellten sich hinter den populären 35-Jährigen und demonstrierten gegen die Entscheidung des Präsidenten.
Wie ernstzunehmen ist die Lageeinschätzung von Fedorow?
Das Präsidialamt in Kyjiw reagierte auf Fedorows jüngste Warnungen mit dem Hinweis, dieser habe während seiner Amtszeit noch ein deutlich positiveres Bild der Kriegslage gezeichnet. Das Einzige, was sich verändert habe, sei seine persönliche Stellung – eine kaum verhüllte Andeutung, dass die Kritik vor allem aus gekränktem Ehrgeiz resultiere.
KI-Drohnen und autonome Waffen als Schlüssel zum Überleben
Fedorow drängt auf einen radikalen technologischen Kurswechsel der ukrainischen Streitkräfte. Im Zentrum seiner Vorstellungen stehen KI-gesteuerte Drohnen, autonome Waffensysteme am Boden und in der Luft sowie ein eigenes Programm für ballistische Raketen. Ergänzend sollen kostengünstige Abfangraketen die Verteidigung gegen russische Luftschläge stärken.
Soldaten an der Frontlinie will der Ex-Minister mit elektronischen Sensoren zur Feinderkennung ausrüsten. Ziel sei es, den Einsatz menschlicher Kämpfer auf ein Minimum zu reduzieren. Ukrainische Unternehmen arbeiteten bereits an entsprechenden Technologien, so Fedorow gegenüber Reuters.
Ex-Minister: So könnte man Wladimir Putin doch noch aufhalten
"Es gibt bereits Technologien, die die Russen vollständig aufhalten könnten, aber unser Mangel an Weitsicht führt dazu, dass wir sie nicht einsetzen", kritisierte er. Das verbleibende Zeitfenster von wenigen Monaten müsse genutzt werden, um die Drohnenkampagne auszuweiten und die von Russland besetzte Krim zu isolieren. Die Halbinsel gilt offiziell zwar noch als von Russland besetzt, dennoch mehren sich die Nachrichten, dass Putin ernsthafte Probleme habe, die Krim zu halten. Berichte über Treibstoffmangel auf der gesamten Insel erzeugen ein dramatisches Bild.
Neuwahlen trotz Kriegsrecht? Fedorow bricht ein Tabu
Vergangene Woche wagte Fedorow einen politisch brisanten Schritt: Als erster hochrangiger Politiker des Landes sprach er sich in einer Videobotschaft dafür aus, über die Möglichkeit von Neuwahlen zu debattieren. Er begründete dies mit einer "strukturellen" Krise der Regierung.
Gegenüber der "BBC" verteidigte er seinen Vorstoß: "Wir sollten keine Angst haben, darüber zu diskutieren. Darum geht es in einer Demokratie. Wenn ich meine Ideen nicht teilen und darüber offen mit meinem Land sprechen kann, wofür kämpfen wir dann?"
Selenskyj wies die Forderung scharf zurück. Wahlen während des laufenden Krieges könnten das Land spalten und kämen einem "Tsunami für den Staat" gleich. Seit Beginn der russischen Invasion 2022 untersagt das geltende Kriegsrecht die Durchführung von Wahlen. Der Präsident deutete zudem an, dass ausländische Akteure Fedorow zu diesem Vorstoß bewogen haben könnten – was dieser entschieden bestritt.
Experten sehen Drohnenstrategie auf Erfolgskurs
Während Fedorow die Lage als bedrohlich einstuft, kommen Fachleute zu einer anderen Bewertung. Militärexperten erkennen im aktuellen Kriegsverlauf ein entscheidendes Momentum zugunsten der Ukraine. Die ukrainische Drohnenstrategie zeige demnach Wirkung und treffe Russland gezielt im Kern seiner Kriegswirtschaft.
Fedorow selbst forderte zuletzt, erneut als Verteidigungsminister eingesetzt zu werden, um seine technologische Vision umzusetzen. Ob der 35-Jährige darüber hinaus bei einer künftigen Präsidentschaftswahl gegen Selenskyj antreten will, ließ er bislang offen. Laut "BBC" gilt er jedoch bereits als potenzieller Herausforderer des amtierenden Staatschefs.
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