Sergej Lawrow: "Direkte Kriegsteilnahme" - Moskau droht London mit Gegenreaktion
Lawrow droht London mit "Konsequenzen" und spricht von direkter Kriegsteilnahme – der Grund: Britische Drohnen haben offenbar russische Ölraffinerien getroffen. Während die Eskalationsstufe bedrohlich steigt, macht Moskau klare Ansagen.
Erstellt von Ines Fedder - Uhr
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- Lawrow droht Großbritannien mit „Konsequenzen" und sieht London als Kriegspartei
- Britische Drohnen bei Angriffen auf russische Ölraffinerien eingesetzt
- London weist Putins Drohungen zurück – Großbritannien will Ukraine weiter unterstützen
- Wladimir Putin verweigert mögliche Waffenruhe im Schwarzen Meer
Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat am Dienstag die Spannungen mit Großbritannien drastisch verschärft. In einem Interview mit dem russischen Staatsfernsehen erklärte er, Moskau könne die britische Beteiligung an Angriffen auf russisches Territorium als direkte Kriegsteilnahme betrachten – "mit allen daraus folgenden Konsequenzen".
Lawrow griff dabei auch zu einer kaum verhüllten Warnung an die Adresse Londons: "Es tut mir leid für Großbritannien, wenn es bis zum bitteren Ende an der Seite der Ukraine bleibt." Zudem verwies er auf eine frühere Ankündigung von Präsident Wladimir Putin, wonach sich Russland das Recht vorbehalte, überall dort zu reagieren, wo es seine Interessen oder sein Eigentum bedroht sehe.
Zuvor hatte bereits die russische Botschaft in London Großbritannien beschuldigt, den Konflikt gezielt zu eskalieren, berichtet unter anderem die "KYIV Post".
Moskau außer sich - britische Drohnen trafen russische Ölraffinerien
Auslöser der diplomatischen Eskalation ist ein Bericht der "Sunday Times". Demnach setzten ukrainische Streitkräfte in den vergangenen sechs Monaten Drohnen zweier britischer Hersteller für Tiefschläge gegen Ziele auf russischem Staatsgebiet ein. Unter den angegriffenen Objekten befanden sich Ölraffinerien und weitere Infrastruktureinrichtungen.
Eines der identifizierten Waffensysteme ist die strahlgetriebene Nyan-Drohne des Unternehmens Callen-Lenz, einer Tochterfirma des Rüstungskonzerns BAE Systems. Der Einsatz dieser in Großbritannien produzierten Drohnen markiert eine neue Dimension der britischen Militärhilfe – und liefert Moskau den konkreten Anlass für die scharfen Drohungen Lawrows gegen London.
England reagiert auf Putin-Drohung: "Wir sind keine Schönwetterfreunde"
Englands Premierminister Andy Burnham wies die Einschüchterungsversuche aus Moskau am Dienstag unmissverständlich zurück. Großbritannien werde die Ukraine weiterhin "zu hundert Prozent" unterstützen und sich von russischen Warnungen nicht einschüchtern lassen, stellte er klar.
"Wir sind keine Schönwetterfreunde", betonte Burnham und fügte hinzu, sein Land werde der Ukraine "in ihrer Stunde der Not" zur Seite stehen.
Verteidigungsministerium: "Russland sollte keinen Zweifel haben"
Auch das britische Verteidigungsministerium reagierte mit deutlichen Worten auf die Drohgebärden aus Moskau. Ein Sprecher erklärte, Großbritannien stehe "Schulter an Schulter mit der Ukraine" und bleibe entschlossen, Kiew mit der notwendigen Ausrüstung zur Verteidigung gegen Russlands Invasion auszustatten.
"Russland sollte keinen Zweifel an der Entschlossenheit dieser Regierung haben, sich russischer Aggression entgegenzustellen – in der Ukraine ebenso wie gegen das Vereinigte Königreich und unsere Verbündeten", so der Sprecher weiter.
Damit sendet London auf allen Ebenen – vom Premierminister bis zum Verteidigungsapparat – eine einheitliche Botschaft: Die militärische Unterstützung für die Ukraine wird fortgesetzt, ungeachtet der zunehmend aggressiven Rhetorik des Kremls.
Neue Bedrohung aus Russland - Großoffensive schon im Herbst?
Während England sich den russischen Drohungen vehement entgegenstellt, mahnt der ukrainische PräsidentSelenskyj davor, dass Wladimir Putin bereits im Herbst die nächste Großoffensive planen würde. Neue Gespräche über eine baldige Waffenruhe verliefen im Sande.
In der Vergangenheit musste Kreml-Chef Wladimir Putin vor allem im Schwarzen Meer rund um die Halbinsel Krim schwere Verluste einfahren. Einen Vorschlag zur Waffenruhe in dieser Region lehnte Wladimir Putin dennoch ab.
Wladimir Putin lehnt Waffenruhe im Schwarzen Meer erneut ab
Wie unter anderem die "Deutsche Presseagentur" berichtet, lehnt Russland den türkischen Vorschlag eines Stopps ukrainischer und russischer Angriffe auf Schiffe im Schwarzen Meer ab. Russland sehe sich immer wieder mit "zügellosen Terrorakten" der Ukraine konfrontiert, die zivile Schiffe der Anrainerstaaten mit Drohnen angreife, sagte Außenministeriumsprecherin Maria Sacharowa in Moskau. Eine "halbherzige Maßnahme" wie eine begrenzte Waffenruhe verschaffe der Ukraine nur eine Atempause zur Nachrüstung, sagte sie nach Ministeriumsangaben.
In den vergangenen Wochen hat die Ukraine mit ihren Drohnen systematisch Jagd auf russische Öltanker und Getreidefrachter im Asowschen Meer und an der Schwarzmeerküste Russlands gemacht. Auch eine türkische Lastwagenfähre wurde getroffen. Im Gegenzug hat Russland ukrainische Häfen attackiert und die internationale Schifffahrt dorthin zum Erliegen gebracht.
Türkei sieht gefährliche Lage im Schwarzen Meer
Wegen der gefährlichen Lage im Schwarzen Meer hat der türkische Außenminister Hakan Fidan in Interviews eine Waffenruhe angeregt. Der Vorschlag habe Moskau aber nicht auf offiziellen Kanälen erreicht, sagte Sacharowa. Nach Medienberichten gab es auch einen ukrainischen Vorschlag für einen Stopp der Angriffe, der Russland über Dritte übergeben worden sei.
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ife/sfx/news.de/stg/dpa
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